Energie & Umwelt

Schiefergas: Hessen fordert einheitliches Vorgehen der Bundesländer bei der Bewertung der Umweltverträglichkeit von Fracking

Hessen bringt die Umweltverträglichkeitsprüfung des Frackings auf die Tagesordnung der nächsten Umweltministerkonferenz

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich fordert den Bund auf, zur Umweltministerkonferenz im Herbst eine Handlungsempfehlung für die Zulassungspraxis und die Rechtssetzung zum Fracking vorzulegen. Diese Forderung bringt die Ministerin bereits in die vom 20. bis 22. Juni in Schleswig stattfindende Umweltministerkonferenz ein. Aktuell werden mögliche Umweltauswirkungen und das Risikopotential in verschiedenen Gutachten und Forschungsprojekten, unter anderem beauftragt durch das Umweltbundesamt untersucht. Auf Basis der Auswertung der Studien solle ein einheitliches Vorgehen der Länder sichergestellt werden.

"Die Wertung der Umweltverträglichkeit muss einheitlich sein. Wir als Umweltminister müssen uns mit dieser für Deutschland neuen Technologie auseinandersetzen und klären, wie wir zukünftig bei der Zulassung dieser Technologie verfahren wollen. Ob Fracking möglich und sicher ist, muss dann im Einzelfall entschieden werden", so die Ministerin im Vorfeld der Konferenz. „Mir ist es wichtig, dass wir eine sachgerechte Grundlage für weitere Entscheidungen zum Fracking schaffen, um den Sorgen und Ängsten der Betroffenen Bevölkerung gerecht zu werden“, sagte Puttrich weiter.

Hessen setzt mit der Befassung der Umweltministerkonferenz seine Bemühungen um ein transparentes und sachgerechtes Vorgehen beim Umgang mit der Zulassung von Erkundungsmaßnahmen für die unkonventionelle Erdgasgewinnung in Nordhessen fort. Die Landesregierung informierte in zwei regionalen Informationsveranstaltungen betroffene Kommunen und die interessierte Öffentlichkeit über das Projekt und die bereits vorliegende Risikostudien einer neutralen Expertengruppe. „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt wichtig, den Sorgen der Bürgerinnen und Bürger Rechnung zu tragen. Ein umfassendes Bild über die Risiken des Fracking können wir uns erst machen, wenn alle Ergebnisse und Empfehlungen der breit angelegten Studien vorliegen. Bis dahin wird es in Hessen keine Zulassung für die Durchführung von seismischen Messungen und Erkundungsbohrungen geben“, so Puttrich abschließend. Auch Nordrhein-Westfalen hat Ende 2011 alle weiteren Erkundungen stoppen lassen, bis die Ergebnisse der umfangreichen Gutachten vorliegen, die ursprünglich bis zum Sommer 2012 vorliegen sollten.

Zum Hintergrund

In Deutschland wurden in mehreren Bundesländern Anträge zur Erkundung unkonventioneller Erdgaslagerstätten gestellt. Im Rahmen der Erkundung und der anschließenden Gewinnung sollen mittels des sogenannten Fracking (Hydraulic Fracturing) bislang nicht gewinnbare Erdgasvorkommen wirtschaftlich abgebaut werden. Bei der Fördertechnologie des Fracking sind verschiedene Umweltbeeinträchtigungen vorstellbar, die derzeit in verschiedenen Gutachten untersucht und bewertet werden.

Neues Fracking-Verfahren aus Österreich

Im November 2011 wurde in Österreich eine riesige Schiefergas-Lagerstätte in 4.000-6.000 Metern Tiefe entdeckt, die den gesamten Gasbedarf Österreichs für die kommenden 30 Jahre decken könnte. Momentan werden rund 15% des österreichischen Bedarfs von jährlich knapp 11 Milliarden Kubikmetern Gas aus dem Inland gedeckt. Die Schiefergasförderung ist jedoch extrem aufwendig und umweltbelastend, da große Mengen an Wasser, mit giftigen Chemikalien versetzt, zum Aufbrechen der Gesteinsschichten unter hohem Druck in den Untergrund gepresst werden müssen („hydraulic fracturing“ oder kurz „fracking“). Laut Greenpeace quellen 15-80% dieses giftigen Wassers wieder an die Oberfläche und müssen aufwendig gelagert und entsorgt werden, es bestehe zudem eine ernsthafte Gefährdung des Grund- und Trinkwassers, wie es durch einige Studien in den USA bereits belegt wurde.

Seit Bekanntwerden des riesigen Vorkommens ist über die mögliche Förderung in Österreich ein hitziger Streit entbrannt. Die österreichische OMV (zu 31,5% im Staatsbesitz, 24,9% hält der arabische Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi / VAE) hat jedoch ein innovatives Fracking-Verfahren angekündigt, das kürzlich an der österreichischen Montan-Universität Leoben entwickelt wurde und gänzlich ohne Chemie und auch ohne Biozide auskomme und nur Wasser, Sand und Maisstärke einsetze. Die Maisstärke dient dabei als Stützmittel zur Stabilisierung der aufgebrochenen gasführenden Schichten, damit sich die entstandenen Risse nicht wieder schließen und das Gas ungehindert herausströmen kann. Das Wasser soll zudem zuerst mittels UV-Licht entkeimt werden und dann in einem Kreislauf wiederverwendet werden, so dass die benötigte Wassermenge deutlich geringer ausfällt. Allerdings hat sich die OMV bislang dennoch geweigert, eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen zu lassen. Die OMV betont jedoch den langen Zeithorizont des Vorhabens: Mitte 2013 sind zunächst zwei Probebohrungen bei Poysdorf (NO) geplant. Die technische Machbarkeitsprüfung soll dann bis 2015 erfolgen und die wirtschaftliche Prüfung bis 2018/19. Dementsprechend gabe es genügend Zeit, so die OMV, die Bedenken auszudiskutieren.

Risikostudie "Fracking"

Die wesentlichen Aussagen des Expertenkreises im InfoDialog Fracking in einer Zusammenfassung sowie einen Überblick über die Empfehlungen (Auszug) finden Sie in der Pressemitteilung des InfoDialog Fracking von Anfang Mai 2012: http://dialog-erdgasundfrac.de/presseinformation-25april-2012

Die Übersichtsfassung der "Risikostudie Fracking" finden Sie ebenfalls auf den Webseiten des InfoDialog Fracking: http://dialog-erdgasundfrac.de/risikostudie-fracking

Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Dietrich Borchardt, Leiter der Abteilung Aquatische Ökosystemanalyse am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). „Eine Studie dieser Breite gibt es bisher nicht. Das haben uns die internationalen Gutachter bescheinigt", so Dietrich Borchardt über den Prozess, der auch in den USA mit Interesse verfolgt wird.

(mb)

 

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