Management

Schleckerunternehmer und Managerismus – Teil 1 – Interview mit Unternehmer, Redner und Ideenfabrikant Mike Fischer

Der Unternehmensmacher, Redner und Ideenfabrikant Mike Fischer sprach vor kurzem in seinem Newsletter unter dem Titel „Schnauze voll, von diesen Schleckerunternehmern“ über Träume und kluge Chefs. Wir, aus der AGITANO-Redaktion, haben dieses Thema aufgegriffen und daraus entstand spontan ein weiteres, sehr spannendes Interview.

 

Schönen guten Tag Herr Fischer. Sie sind ein Unternehmer, Ideengeber und Redner und haben kürzlich mit einer provokanten Aussage von sich Reden gemacht. Sie haben gesagt, Sie hätten die Schnauze voll von diesen „Schleckerunternehmern“. Bevor wir jedoch darauf zu sprechen kommen, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Mike Fischer ich bin 48 Jahre jung, ein leidenschaftlicher Unternehmer und habe mehr als 10 Firmengründungen in den letzten 22 Jahren gemeistert. Heute gehört mir die vielleicht außergewöhnlichste Fahrschule. Wir haben die Kompaktfahrschule mit Fahrschulinternat erfunden (www.fischer-academy.de). Mit dem zweiten Unternehmen bin ich einer der umsatzstärksten "Pizzadealer" im gesamten Bundesgebiet (www.hallopizza.de). Manchmal halte ich Vorträge, bin Familienvater und Ehemann. Ich habe mein berufliches und privates Glück gefunden und führe dadurch ein sehr erfülltes Leben 😉

In einer Forsa-Umfrage wurde Anton Schlecker, der Gründer der mittlerweile insolventen Drogeriemarktkette, als unbeliebtester Unternehmer Deutschlands gewählt – Hintergrund ist unter anderem der Skandal um Lohndumping mittels Leiharbeitern. Er wurde in diesem Zusammenhang auch als „Niete im Nadelstreifen“ tituliert. Sie haben jedoch die Mehrzahl verwendet und von diesen „Schleckerunternehmern“ gesprochen: Wen rechnen Sie als Negativbeispiele für eine „entgleiste“ Unternehmerkultur hier hinzu?

Es sind keine Namen, es sind die „Ewiggestrigen“, die immer noch glauben, nur kurzfristige, gewinnmaximierte, stillstehende, komplizierte Organisationen führen zu müssen. Dies ist der Grund, warum so viele Firmen, die früher Markführer waren, es heute nicht mehr sind. Der Erfolg eines guten Unternehmens hängt sicherlich von vielen Faktoren ab. Der entscheidende Faktor jedoch ist und bleibt der MENSCH selbst. Was mich an den „Schleckerunternehmern“ richtig "anpisst", ist die Tatsache der enormen Medienpräsenz und damit die Gefahr, dass alle ehrlichen Unternehmer und Unternehmerinnen sprichwörtlich über den „Schleckerkamm“ gezogen werden. Ich glaube, die Menschen von heute haben die Schnauze voll von diesen „Schleckerunternehmern“. Ich – im übrigen – auch!

Angst, Verunsicherung, Schuldzuweisungen sind die Folgen. Vertrauen, Hoffnung und werteorientierte Unternehmensführung ist dadurch schwerer vermittelbar. Ich habe es satt, dass leidenschaftliches, ehrliches Unternehmertum von gierigen, egoistischen und kleinkarierten Führungsnieten kaputt geredet wird.

Deutschland ist das EU-weite Schlusslicht bei der Bezahlung von Leiharbeitern. Ist das Ihr alleiniges Kriterium für Ihr Negativvotum?

Leiharbeitnehmer dürfen nicht als „Beschäftigte zweiter Klasse“ behandelt werden. Der ursprüngliche Zweck von Leiharbeit ist in den Hintergrund gerückt. Wir verleihen selbst Kraftfahrexperten für Speditionen. Die Jungs werden durch unsere Fahrschule ausgebildet, danach eingestellt und an Fuhrunternehmen verliehen. Es geht darum, Unternehmen die Möglichkeit einzuräumen, kurzfristig zusätzliche Arbeitskräfte anzuheuern, wenn Großaufträge mit dem eigenen Stammpersonal allein nicht bewältigt werden können oder Personalausfälle ausgeglichen werden müssen. Die Bezahlung ist nach dem iGZ-DGB-Tarifvertrag klar geregelt.

 

Auch unter Juristen hatte sich Schlecker in den letzten Jahren zum „Lieblingsbösewicht“ im Arbeitsrecht gemausert, als das Unternehmen, das bereits mehrfach vorgemacht habe, wie man es im Arbeitsrecht gerade eben nicht machen darf und kann. Lassen Sie uns das ins Positive umdrehen: Was macht eine gute Unternehmensführung mittlerweile aus?

Ich bin seit 15 Jahren ehrenamtlich Arbeitsrichter. Glauben Sie mir, die meisten Streitigkeiten haben das gleiche Muster. Der häufigste Fall der Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht ist der Streit um die Wirksamkeit einer Kündigung. Die Kündigung ist aber nur die Wirkung, nicht die Ursache. Die Ursachen wirken wie ein Muster. Schweigen statt Reden, Kompliziertheit statt Einfachheit, Gleichmacherei statt Einzigartigkeit. Mitarbeiter werden gemanagt, statt durch mitreißende Visionen inspiriert zu werden. Entscheidend für die Zukunft des erfolgreichen Unternehmens wird sein, dass sich der/die Unternehmer/innen zu Vorbild und Lebensberater/innen der Mitarbeiter entwickeln.

Der/die Unternehmer/innen investiert sich selbst in die Mitarbeiter. Das Resultat ist Begeisterung beim Mitarbeiter und beim Kunden.

Der Fachbegriff „Managerismus“ bezeichnet eine Fehlentwicklung der Unternehmensführung und Managementkultur, die durch die Vereinnahmung des Unternehmens durch das angestellte Management gekennzeichnet ist, sowie durch eine einseitige Kapitalmarktorientierung und Distanz zu den Mitarbeitern. Dies hat folgende Ausprägungen: Kurzfristdenken, vorrangige Gewinnmaximierung, Überdehnung, Wachstumssucht, Haftungsvermeidung, exzessive Vergütung, Karrierefixierung, Selbstüberschätzung und Selbstdarstellung, Verschiebung von Lasten auf die Gemeinschaft, nicht gelebte Corporate Governance und mangelnde gesellschaftliche Bindung. Kurz: Der Gegensatz zu einer klassischen, verantwortungsvollen Unternehmensführung. Kommt dies Ihrer Beobachtung nach nun nur in den börsennotierten Publikumsgesellschaften vor, oder grassiert dieser Virus im Unternehmertum unabhängig von der Unternehmensgröße und -form, also auch im Mittelstand?

Überall gibt es Menschen auch Unternehmer für die nur das „Einträgliche“ zählt. Wer so denkt wird „Unerträglich“. In der Zeit, in der wir arbeiten, fressen nicht mehr die Großen die Kleinen, die Schnellen die Langsamen oder die Starken die Schwachen. Gewinner sind Unternehmen, denen es gelingt, anders zu denken. Dabei erfinden sich diese Unternehmen ständig neu. Diese Unternehmen leben die Formel: privates Glück + berufliches Glück = erfülltes Leben. Diese Art von Unternehmen versprühen so viel Leidenschaft und Feuer, dass die Herzen der Kunden und der Mitarbeiter dahin schmelzen, z.B. wie eine 99 Cent Eistüte in der glühenden Sahara. Es geht in solchen Unternehmen nicht um Leben und Tod!!! NEIN, es geht um VIEL VIEL mehr!!! Ich möchte SO eine Firma, nichts anderes. Ich möchte auch nur noch Menschen um mich haben, die genau so denken, ohne Kompromisse.

Vielen Dank für die interessanten Ausführungen im ersten Teil. Morgen werden wir im zweiten Teil das Thema noch stärker in Richtung Managerismus und Unternehmertum lenken.

 

Das Gespräch mit Mike Fischer führte Marc Brümmer (Redaktionsleiter AGITANO).

 

Zum Interviewpartner:

Bei allem, was er beruflich anpackt – ob Fahrschule, Friseurkette, Bauunternehmung, Pizzalieferdienst oder die Ausbildung von Nachwuchskräften – ist der Erfolg sein zuverlässiger Begleiter. Es muss also mehr sein, als nur eine Glückssträhne. Das Lebenswerk von Mike Fischer steckt längst voller Superlative und dabei ist er gerade mal 48 Jahre jung.

Angefangen als junger Fahrlehrer, ist er heute Inhaber einer der erfolgreichsten Fahrschulbetriebe Deutschlands, mit einem innovativen Geschäftsmodell, das von Gera aus bundesweit Schule macht. Mike Fischer hat Firmen mit 1.000 DM Startkapital gegründet und daraus Millionenunternehmen gemacht. Er sieht Chancen, wo andere nur Probleme wälzen und entdeckt auf Wegen, die scheinbar schon ausgetreten sind, auf Anhieb neue Perspektiven. Als der Neubau eines Firmengebäudes anstand, wurde er kurzerhand zum Bauunternehmer. Und als er – spät, aber doch – in die Systemgastronomie einstieg, wurde er innerhalb von zwei Jahren einer der größten und umsatzstärksten Pizzabäcker Deutschlands.

Wie er das schafft? Eines seiner wichtigsten Erfolgsprinzipien ist der offene, gleichsam fordernde wie fördernde Umgang mit seinen Mitarbeitern. Sie stehen für ihn im Mittelpunkt – und das ist für ihn keine der üblichen Schönredner-Phrasen, sondern durch und durch in aller Konsequenz gelebtes Unternehmertum. Mit der Auszeichnung „Bester Arbeitgeber des Jahres 2011“ zählt Fischer zu den TOP 5 Arbeitgebern im deutschen Mittelstand. Seine Erfolge machen Mut und geben Zuversicht. Darauf, dass die Zukunft voller Möglichkeiten steckt. Gerade auch in schwierigen Zeiten. Was zu tun ist, um diese Chancen zu erkennen und zu nutzen, erzählt Ihnen Mike Fischer am besten selbst.

 

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