Panorama

„Shitstorm“ ist der Anglizismus des Jahres 2011

Aus rund 60 eingereichten Vorschlägen wurde der Begriff „Shitstorm“ zum Anglizismus des Jahres 2011 ausgewählt: „Das Wort füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres von der Netzgemeinde aus auf den allgemeinen Sprachgebrauch ausgebreitet und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt.“

Um die Auszeichnung Anglizismus des Jahres zu erhalten, muss ein englisches Lehnwort eine Lücke im Wortschatz füllen, über eine breite Akzeptanz im Sprachgebrauch verfügen und gut in die lautliche und grammatische Struktur des Deutschen integriert sein. Das diesjährige Siegerwort „Shitstorm“ überzeugte in allen drei Kategorien. Es bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher
Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt. „Diese neue Art des Protests unterscheidet sich in Art und Ausmaß deutlich von allem, was man in früheren Zeiten als Reaktion
auf eine Äußerung oder Handlung erwarten konnte“, sagt Jurymitglied Michael Mann und seine Kollegin Susanne Flach ergänzt: „Das Wort Shitstorm ermöglicht eine klare Bedeutungsdifferenzierung gegenüber Wörtern wie Kritik, Protest, Sturm der Entrüstung.“

Auf den zweiten Platz setzte die Jury das Wort Stresstest, das im Dezember schon zum „Wort des Jahres“ gewählt wurde. „Das Wort ist interessant, weil es auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht“, sagt Jurymitglied Kristin Kopf. „Sowohl Stress als auch Test sind längst bestens integriert.“ Trotzdem hätte sich das Kompositum Stresstest nicht ohne Weiteres aus den bereits entlehnten Einzelteilen bilden lassen, da das Wort Stress in der deutschen Alltagssprache auf psychische Belastungen beschränkt sei.

Auf den dritten Platz wählte die Jury mit dem Verb circeln („jemanden im sozialen Netzwerk Google+ zu einer Kontaktliste hinzufügen“) ein klassisches Lehnwort, das gemeinsam mit einer neuen Kulturtechnik in die Sprache übernommen wurde. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es sich
tatsächlich durchsetzen kann, da es mit dem deutschen einkreisen konkurriert. Flach sieht aber Potenzial, da circeln die neutralere Alternative sei: „Will man seine Freunde wirklich einkreisen?“

Weitere eingereichte Vorschläge waren außerdem Cyberkrieg / Cyberwar, Tablet , Cloud, Occupy, Masterand und das Affix – gate . In einer parallel durchgeführten Publikumsabstimmung setzte sich ebenfalls das Wort Shitstorm durch, dicht gefolgt von Occupy und Cloud.

(sm)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.