Wirtschaft

Siemens wird bei Seltenen Erden Selbstversorger – Überblick über die Vorkommen

China, das mit 50% der Weltreserven derzeit rund 95% des Weltmarkts an den Hightech-Metallen „Seltene Erden“ bedient, führt seit letztem Jahr die Produktion kontinuierlich zurück. Einerseits aufgrund des Eigenbedarfs, andererseits führt China Umweltaspekte und den nachhaltigen Umgang mit den eigenen Ressourcen an. In dem letzten Jahrzehnt haben die hohen Umweltverschmutzungen im Zuge des Abbaus dieser Metalle dazu geführt, dass sich der Abbau nahezu ausschließlich auf China konzentrierte. In der ersten Jahreshälfte 2011 soll der chinesische Export nun um weitere 35% zurückgefahren werden, so dass der Marktanteil von China daher in den nächsten zwei Jahren auf rund 60% zurückgehen dürfte. Die Hightech-Metalle werden vor allem für Handys, Elektroautos, Solarzellen, Batterien und auch Windenergieanlagen benötigt. Die steigende Nachfrage bei einem zunehmend verknappten Angebot hat in der Folge zu stark steigenden Preisen geführt: Die leichten seltenen Erden haben sich seit Jahresanfang im Schnitt verdreifacht, die schweren sind mittlerweile gut fünfmal so teuer.

Um die Versorgung mit den begehrten Metallen sicherzustellen – namentlich mit Neodym, das für die Produktion von Magneten für Motoren und die Turbinen in Windrädern benötigt wird – will Siemens nun ein Joint Venture mit dem australischen Bergbauunternehmen Lynas gründen. Siemens werde sich an dem JV mit 55%, Lynas mit 45% beteiligen.

Ausbau der Förderung: Das US-Bergbauunternehmen Molycorp („The Rare Earth Company“)  besitzt das größte erschlossene Vorkommen an Seltenen Erden außerhalb Chinas. Seine wichtigste Mine, in Kalifornien, wurde aus Rentabilitätsgründen 2002 geschlossen, soll aber bis 2012 zur modernsten der Welt ausgebaut werden. Mit einer angepeilten Jahresproduktion von fast 40.000 Tonnen in 2012 könnte allein das US-Unternehmen dann 21% des Weltmarktes abdecken. Südkorea hat zudem Anfang Januar 2011 angekündigt, seinerseits im Verbund mit Japan Ressourcen in Vietnam, Australien, Kirgistan und Südafrika zu erschließen. Die Lithium-Lagerstätte Zinnwald-Georgenstadt im Erzgebirge wiederum gilt unter Forschern mit bis zu 50.000 Tonnen als eine der größten der Welt. Im sächsischen Ort Storkwitz lagern in 170 bis 900 Metern Tiefe offenbar 41.600 Tonnen Seltene-Erden-Metalle, darunter das begehrte Neodym. Auch das australische Unternehmen Global Advanced Metals (GAM) öffnet seine 2008 geschlossene Tantalmine in Westaustralien wieder. Sie enthält das größte bekannte Vorkommen des begehrten Rohstoffs und kann bei Vollauslastung mit 700 Tonnen Erz fast ein Drittel des Weltbedarfs abdecken (Tantal ist binnen Jahresfrist von 200 Dollar auf 500 Dollar je Kilo gestiegen). Der australische Bergbaukonzern Lynas plant, auf der südostasiatischen Halbinsel Malaysia die raren Hightech-Metalle „Seltene Erden“ abzubauen. Eine malaysische Kommission soll nun die Raffineriesicherheit des australischen Projekts überprüfen. Dabei gilt die Hauptsorge einer möglichen Freisetzung von radioaktivem Material während des Raffinerieprozesses. Lynas kündigte unterdessen die Verwendung modernster Umweltschutzsysteme an.

Fortschritte in der Forschung: Japan ist als Rohstoffarmes Hightech-Land im Besonderen auf Rohstoffimporte angewiesen. Aufgrund territorialer Differenzen um einige Inseln im Pazifik hatte China dem Inselstaat im Herbst 2010 kurzerhand den Hahn für Seltene Erden abgedreht. Pünktlich mit dem Boykott stellten viele japanische Firmen und Forschungseinrichtungen Möglichkeiten vor, die Seltenen Erden zu ersetzen. Die Forschung nach Eratzstoffen reicht hier bereits rund 10 Jahre zurück, getrieben von dem Wunsch nach günstigeren Alternativen und einer Reduzierung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Importen. Beispiele: So gelang es dem Konzern Toshiba, Neodym oder Dysprosium in Elektromotoren durch Ferrit und andere Metalle zu ersetzen (Samarium-Kobalt-Magnet / Einsatz in Waschmaschinen seit 2009). Auch der Toyota-Zulieferer Aichi Steel hat bereits Magnete entwickelt, die ohne Dysprosium auskommen. An der Universität Hokkaido wurden neuartige Ferritmagnetmotoren entwickelt. Wissenschaftler der Universität Kioto entwickelten eine Methode, das teure Metall Palladium zu ersetzen. Dabei gelang es erstmals, Silber und Rhodium, die sich normalerweise nicht kombinieren lassen, mit nanotechnischen Verfahren mit einander zu verbinden. Das neu geschaffene Material soll dabei die gleichen Eigenschaften wie Palladium aufweisen. Die Alternativen benötigen allerdings in der Regel noch 2-3 Jahre bis zur Marktreife. Zuerst müsse noch geprüft werden, ob die Ersatzstoffe den Belastungen lange genug durchhalten. Ein großes Potential steckt auch im Recycling von Seltenen Erden ("urban mining").

Bis zur Marktreife wird die Suche nach neuen Bezugsquellen außerhalb Chinas, die Erschließung neuer Fördergebiete und auch die Suche der Wissenschaft nach Alternativen weitergehen. Allerdings dürfte, bis die Anstrengungen Erfolge zeitigen, der Preis für die begehrten Rohstoffe die nächsten 2-3 Jahre weiterhin hoch bleiben.
 

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