Panorama

Sind Wirtschaft und Ethik unvereinbar?

Ethik

Der VW-Abgasskandal, die FIFA-Bestechungsaffäre rund um die Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, regelmäßige Korruptions- und Schmiergeldskandale, Steuerhinterziehung wohlhabender Bürger, exorbitante Ausgaben für kirchliche Neubauten und und und. Egal, welche Branche – egal, wie groß oder klein– egal, welche Struktur und Organisation: überall regiert nur einer: der Euro, Dollar, Rubel, Yen, und so weiter. Es scheint, je höher man aufsteigt, je besser man verdient und je mehr Einfluss man eigentlich für soziale und gute Zwecke hätte, umso negativer schreitet die Entwicklung im ethischen Sinne voran.

Moral und Ethik Fehlanzeige?

Man sollte meinen, die großen Skandale der vergangenen Jahre hätten dazu geführt, dass sowohl in der „normalen“ Bevölkerung als auch innerhalb der Wirtschaftswissenschaften eine flächendeckende Debatte über die moralische Verantwortung und die Ethik innerhalb der Unternehmen entsteht. Schließlich besitzen Unternehmen einen gewaltigen Einfluss auf die Gesellschaft. Durch Werbung, PR, Markenbildung und Produktimage werden Produkte und Dienstleistungen zu Statussymbolen mit denen sich die Menschen schmücken. Sie fühlen sich dadurch glücklicher, bessergestellt oder dazugehörig. Somit lassen die Menschen in gewisser Weise zu, dass die Wirtschaft ihre Umwelt prägt – vor allem in Bezug auf Werte, Glück und Lebensqualität.

Unternehmen hätten somit die Chance, die Welt zu verbessern, indem sie soziale Werte und Normen verbreiten. Natürlich sind wirtschaftliche Organisationen darauf angewiesen Gewinn zu machen. Doch in unserer modernen Zeit, steht dieses Ziel über allem anderen. Selbst, wenn der Gewinn bereits hoch ist, werden bereitwillig illegale und höchst unmoralische Verfahren in Kauf genommen, um die Gewinne noch weiter zu maximieren. Bestes Beispiel dürfte der VW-Abgasskandal sein. VW, ein eingesessener und äußerst erfolgreicher Automobilhersteller, belügt Mitarbeiter, Kunden und Regierung, um den ohnehin schon großen Erfolg noch weiter auszubauen – auf Kosten von Steuerzahlern und vor allem der Umwelt. Was interessiert die langfristige Gesundheit des Planeten oder die Lebensqualität der kommenden Generationen, wenn man hier und heute noch ein paar Millionen mehr rausquetschen kann. Und wenn man erwischt wird, wird es zwar teuer, aber wirklich bedroht ist die Unternehmensexistenz trotzdem nicht.

Ein anderes Beispiel ist der aktuelle Dopingskandal der russischen Sportler bei den olympischen Winterspielen im eigenen Land. Staatlich organisiertes Doping, flächendeckend bei fast allen Athleten. Aber wird man dafür bestraft? Nein! Geld ist viel wichtiger als moralisch korrektes handeln und Gleichbehandlung. Russland ist zu groß und zu mächtig, da gibt man lieber klein bei. Moral und Ethik Fehlanzeige!

Es gibt unzählige solcher Beispiele. In einem Großteil der Fälle kommen Unternehmen, Verbände, Organisationen oder was auch immer mit ihrem Handeln davon. Wer genug Geld und Einfluss hat, kann sich alles erlauben, so scheint es. Kein Wunder, dass bei der Normalbevölkerung häufig Sprüche fallen wie: „Das sind doch alles Verbrecher!“

Der Mensch ist das Problem

Natürlich gibt es auch Unternehmen, die (zumindest scheinbar) mit gutem Beispiel vorangehen und soziale Werte und Normen an den Tag legen. Häufig sind das jedoch keine multinationalen Großkonzerne. Derartige Firmen sind somit auf Ehrlichkeit, Transparenz und ein gutes Image angewiesen, um langfristig erfolgreich wirtschaften zu können. Dass es tatsächlich auch lobenswerte Beispiele gibt, wollen wir gar nicht bestreiten – in Anbetracht der erschlagenden Unterzahl wirken diese jedoch beinahe wie ein gut gemeinter, aber hoffnungsloser Versuch. Ein wesentlicher Drang des Menschen ist es, sich zu verbessern und andere zu übertreffen. Wir wollen gelobt werden und Anerkennung erhalten. Dabei scheint es, je erfolgreicher man ist, umso unersättlicher und gieriger wird man. Es ist die Natur des Menschen immer mehr und mehr zu wollen. Betrachtet man die zunehmende Häufigkeit der Grenzüberschreitungen gegen weltliche Gesetze und Regeln, ist es nicht verwunderlich, dass moralische Werte und Normen sowie jegliche Ethik gänzlich verschwinden.

Diese Entwicklung kann langfristig nicht gut gehen. Bereits jetzt besitzt lediglich ein Prozent der Weltbevölkerung die Hälfte des globalen Reichtums – und dieser Trend setzt sich fort. Wohin die menschliche Gier unsere Welt letztendlich führt, können wir nur abwarten.

Markus Jergler

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