Wirtschaft

Skandal um Urteil im Chodorkowski-Prozess in Moskau

Die Gerichtssekretärin und Pressesprecherin des Moskauer Chamowniki-Gerichts, Natalija Wassiljewa, hatte im Februar für einen Skandal gesorgt, als sie zum Urteil in dem Prozess gegen Chodorkowski und dessen ehemaligen Geschäftspartner Lebedew sagte, der Richter Danilkin habe das Urteil nicht selbst verfasst. Es sei ihm vom Moskauer Stadtgericht aufgezwungen worden. Sowohl das Moskauer Stadtgericht als auch der Richter wiesen diese Anschuldigung zurück. Wassiljewa wurde daraufhin nahe gelegt, besser nicht mehr im Gericht zu erscheinen. Sie hat nun gekündigt, bleibt jedoch bei ihrer Aussage. Chodorkowski und Lebedew waren am 30. Dezember 2010 in einem zweiten Prozess wegen Ölunterschlagung und Geldwäsche zu weiteren 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der im Zuge der undurchsichtigen und stark anrüchigen Privatisierungsphase Russlands in den 1990ern unglaublich schnell aberwitzig reich gewordene Oligarch Chodorkowski war einige Zeit der reichste Mann Russlands. Der Grund, warum nur er allein aus dem Kreis der im Sinne der politischen Wissenschaften nicht legitimierten Superreichen russischen Oligarchen zum zweiten Mal verurteilt wurde, wird darin gesehen, dass er als neoliberaler Politiker auch nach der politischen Macht in Russland greifen wollte und damit die Seilschaften aus Geheimdienst und Kremel herausgefordert hatte.
 

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