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So wichtig sind Weiterbildungen!

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In der Jugend einen Beruf erlernen – und danach nie wieder die Schulbank drücken! In einer hoch technisierten und auf Wissenstransfer ausgerichteten Arbeitswelt ist dieser Grundsatz schon lange überholt. Der Begriff vom lebenslangen Lernen hat sich in fast alle Wirtschaftsbereiche und Berufsfelder durchgesetzt. Es geht heute darum, Erlerntes aufzufrischen und neue Fertigkeiten zu entwickeln. Ein Ansatz, der allein schon aufgrund der wachsenden Durchdringung vieler Berufsbilder mit IT an Bedeutung gewinnt. Weiterbildung kann sowohl von Beschäftigten als auch von Unternehmen ausgehen. Wie stark dieser Aspekt inzwischen im Berufsleben verwurzelt ist, zeigen die Statistiken. So hat das Statistische Bundesamt Daten zum Anteil der Weiterbildungen in unterschiedlichen Berufsgruppen gesammelt. Die interessante Erkenntnis: In der Altersgruppe zwischen 35 bis 55 Jahren nimmt einer von zwei Beschäftigten im Jahr an einer Weiterbildung teil. Zwischen 25 und 34 Jahren liegt der Anteil sogar bei knapp 60 Prozent. Wie profitieren Unternehmen und Beschäftigte im Detail von Weiterbildungen? Und in welchem zeitlichen Abstand sollten Maßnahmen stattfinden? Wir haben mit Heinz Patzelt von www.sportwettentest.net in einem Interview die wichtigsten Fragen zu diesem Thema gestellt.

Interview mit Heinz Patzelt zum Thema Weiterbildungen

Herr Patzelt, wer profitiert von einer Weiterbildung eher – das Unternehmen oder der Beschäftigte?

Diese Frage ist eigentlich zu trivial gestellt, da hier keinerlei Differenzierung stattfindet. Grundsätzlich ist zu betrachten, von welcher Seite die Initiative ausgeht und welches Ziel verfolgt wird. Beispiel: Ein Beschäftigter holt die Allgemeine Hochschulreife in der Abendschule nach – zum Zweck eines anschließenden Studiums, um sich neu zu orientieren. Hieraus zieht das Unternehmen natürlich keinen direkten Nutzen, weil der Beschäftigte unter Umständen dann auch den Betrieb wechselt. Ein großer Anteil der Weiterbildungen findet heute aber im gegenseitigen Konsens zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber statt. Hieraus ergibt sich natürlich eine Win-win-Situation, sodass sowohl Arbeitnehmer als auch Unternehmen Gewinn aus der Weiterbildung ziehen.

Was genau bringt eine Weiterbildung den Arbeitnehmern?

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Weiterbildungen haben einen hohen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft (© de.statista.com / CC BY-ND 3.0)

An diesem Punkt ist zu klären, worauf der Begriff Weiterbildung eigentlich genau abzielt. Sehr weit reicht die Begriffserklärung im Rahmen der Erwachsenenbildung. Deutlich enger ist die hier im Mittelpunkt stehende berufliche Weiterbildung gefasst. Es geht im Prinzip um die Erweiterung und Vertiefung der bereits erworbenen berufsrelevanten Kenntnisse. Daher gehen hierin auch Aspekte wie Umschulung, Zusatzqualifikationen und Fortbildungen auf. Für letztgenannte Weiterbildung taucht in den DIHK Statistiken übrigens ein deutlicher Sprung in den Prüfungszahlen zwischen 2014 und 2015 auf. Das zeigt, wie wichtig Weiterbildungen den Arbeitnehmern sind.

Arbeitnehmer können aus der Weiterbildung grundsätzlich mehrfachen Nutzen ziehen. Klar im Vordergrund steht die mit dem Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten verbundene Aufwertung der Position im Unternehmen. Im besten Fall zieht die Weiterbildung die Übernahme neue Aufgabenbereiche und von Personalverantwortung, ein Anwachsen der persönlichen Verantwortung und den Aufstieg in der Führungshierarchie nach sich. Beschäftigte erhalten mehr Anerkennung – nicht selten in Verbindung mit einem höheren Gehalt. Parallel kann die Weiterbildung die Position im Unternehmen festigen oder ist ein Argument im Fall der beruflichen Neuorientierung. Besser qualifizierte Mitarbeiter sind nicht so schnell austauschbar und können besser mit den täglichen beruflichen Herausforderungen umgehen.

Und welche Vorteile ziehen Unternehmen daraus, wenn sich ihre Angestellten weiterbilden?

Im ersten Moment ist nur eines offensichtlich: Die Weiterbildung der Beschäftigten kostet Geld. Einerseits fallen Aufwendungen für das Kursangebot – egal, ob intern oder extern durchgeführt – an. Auf der anderen Seite stehen für den Zeitraum der Weiterbildung die Mitarbeiter dem Betrieb nicht zur Verfügung.

Aber: Auch Unternehmen profitieren von Bildungsangeboten. Einerseits entsteht so eine gewisse Bindung zwischen Arbeitnehmer und Unternehmen. Beschäftigte nehmen die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung als Form der Wertschätzung und Motivation wahr. Auf diese Weise erhöht sich nicht nur die Leistungsbereitschaft. Unternehmen entwickeln im Wettstreit um die besten Fachkräfte durch umfassende und maßgeschneiderte Bildungsangebote gewisse USP (Unique Selling Points). Und heutzutage ist die Bindung von Fachkräften ans Unternehmen eine echte Herausforderung.

Gleichzeitig zieht ein Unternehmen auf diese Weise mehr High-Potentials mit entsprechendem Know-how an. In vielen Branchen verändern sich Prozesse und wissenschaftliche Grundlagen stetig. Durch Bildungsangebote für Beschäftigte gewinnt das Unternehmen an Innovationspotenzial – und hat einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Was ist bei einer Weiterbildung zu beachten?

Prinzipiell unterscheidet sich die Antwort entsprechend des Standpunktes sehr deutlich. Ein Unternehmen wird mit ganz anderen Zielsetzungen an dieses Thema herantreten als der Beschäftigte. Betrachten wir das Unternehmen, steht der monetäre ROI (Return of Investment) im Vordergrund. Die Weiterbildung muss einen positiven Impuls zum betrieblichen Ergebnis leisten – etwa durch effizientere Prozesse, Innovationen oder Ähnliches.

Um diesen unternehmerischen Anspruch zu erreichen, müssen Betrieb und Weiterbildner klare Zielvorgaben entwickeln. Hier ist unter anderem zu klären, inwiefern sich Bildungsinhalt/Weiterbildungsziel in die strategische Zielsetzung des Unternehmens integrieren lässt oder wie der Wissenstransfer ins Unternehmen stattfinden kann. Gleichzeitig muss an diesem Punkt eine klare Kosten- und Nutzenabwägung auf allen beteiligten Ebenen stattfinden.

Vom Standpunkt des Beschäftigten aus betrachtet ergibt sich ein anderes Bild. Hier steht meist weniger stark im Fokus, wie sich die Weiterbildung strategisch ins Unternehmen einfügt. Beschäftigte haben – durchaus nachvollziehbar – Interesse an Bildungsoptionen, für welche eine Transformation in neue berufliche Umfelder möglich ist. Parallel ist hier darauf zu achten, dass Weiterbildungen anerkannt und zertifiziert sind. Nur wenn später ein Nachweis möglich ist, werden Arbeitnehmer von der beruflichen Weiterbildung profitieren können.

Herr Patzelt, vielen Dank für das interessante Interview zum Thema Weiterbildung.  Wie wir gut sehen konnten, proftieren beide Seiten von Weiterbildungen – sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer.

Das Interview mit Heinz Patzelt führte die AGITANO Redaktion.

 

Fazit: Optimale berufliche Weiterbildungen trotz unterschiedlicher Interessen

Eine umfassende und fundierte Bildung bzw. Ausbildung ist heute eine Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Bildung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch, wenn das Konzept des lebenslangen Lernens nicht überall kritiklos wahrgenommen wird, führt an dieser Erkenntnis kein Weg vorbei. Wer heute als Arbeitnehmer im Unternehmen die Karriereleiter nach oben klettern will, wird auf Weiterbildungen nicht verzichten können. Für Betriebe ist das Ganze – wie das Interview deutlich zeigt – eine Frage des innovativen Know-hows, der operativen Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Weiterbildung heißt heute nicht mehr ausschließlich Inhalte ins Unternehmen zu holen, sondern Fachkräfte am immer stärker umkämpften Arbeitsmarkt zu halten. Und diese Fachkräfte fehlen am Ende nicht nur Konkurrenten – sondern stellen ihr Potenzial dem eigenen Unternehmen zur Verfügung. Ein Vorteil, der in der aktuellen Marktsituation nicht zu unterschätzen ist.

Oliver Foitzik

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