Kolumnen

Solar-Stromer mit sonnigen Aussichten

Wirsol expandiert enorm. Supermarkt-Parkplätze als Tankstelle fürs Elektroauto. Franz Alt gab den Anstoß für die Firmengründung.

 

Westen der USA: Im US-Bundesstaat Colorado wird neuerdings in der Brauerei Odell Brewing Solar-Bier gebraut. Der Strom aus der 77 Kilowatt peak starken Anlage der Wirsol Solar- Gruppe (Waghäusel) treibt nicht nur Pumpen und Motoren der Brauerei an, sondern kühlt auch das frisch gebraute Bier. Wirsol expandiert kräftig. In den USA, in Italien, Spanien und Belgien hat der Fotovoltaik-Spezialist bereits Tochtergesellschaften.

 

Soeben kam ein Wirsol-Ableger in der Türkei hinzu, erläutert Vorstand Stefan Riel. In Münchberg bei Hof bauen die Kirrlacher mit sieben Megawatt peak auf rund 100 000 Quadratmeter Fläche derzeit eine ihrer großen Solaranlagen. Das rasante Wachstum wirkt sich aus: Der Gruppenumsatz soll in diesem Jahr auf 180 (2009: 72) Millionen Euro gesteigert werden. Zum Vergleich: Im Gründungsjahr 2004 hatte Wirsol gerade einmal 1,3 Millionen Euro zusammen bekommen.

 

Mit einem Vortrag von Franz Alt in Pforzheim fing alles an: Der Ex-Fernsehjournalist tingelt als Fotovoltaik-Papst durch die Lande. „Das hat uns begeistert“, sagt Riel, der zusammen mit Markus Wirth an der Spitze der Aktiengesellschaft steht. Ein Jahr nach Firmengründung profitierten sie von einer Sonderförderung in Walldorf. Das Wirsol- Team installierte dort in 120 Tagen 120 Anlagen und kam letztlich auf 11,7 Millionen Euro Jahresumsatz – was der Fachpresse auffiel.

 

Firmenmotto: „Strom machen kann jeder“

 

Längst ist Wirsol eine Marktgröße und kauft vor allem beim chinesischen Hersteller Yingli die Panels ein. Die Pläne der Bundesregierung, Zuschüsse für Solarstrom zu kürzen, sehe er gelassen, sagt Riel. Seine Prognose: Künftig ersetzten Solarpanels das klassische Ziegeldach.

 

Und mehr noch: Die Anlage auf dem Dach des Privathaushalts erzeugt den Strom auch für Wärmepumpen, die im Sommer für Kühle und im Winter für Wärme sorgen. Zudem reicht der erzeugte Strom aus, um die Batterien des Elektroautos aufzuladen. Der Clou: In der Nacht dienen die Batterien des Fahrzeugs als Speicher für den reduzierten Strombedarf des Hauses.

 

Weg vom Acker, hin zum Carport. Riel ist davon überzeugt, dass aus einer weiteren Vision Wirklichkeit wird: Die Deutschen stellen ihre Elektrofahrzeuge auf dem Supermarkt-Parkplatz ab und laden während ihres Einkaufs die Fahrzeugbatterien auf – erzeugt von großen Solarpanels auf Carports oder dem Supermarktdach.Für Investoren, die nicht über klassische Fonds ins Solargeschäft einsteigen wollen, gründen die Kirrlacher in diesem Jahr die Firma Wirsol Invest.

 

Hintergrund seien zahlreiche Anfragen von Privatiers und Großinvestoren, die maximale Rendite und Sicherheit bei internationalen Großprojekten wünschten. Das stärkere Engagement im Ausland gehört denn auch zur Wirsol-Strategie. Schwindelig werde ihm vom rasanten Expansions-Tempo nicht, bekräftigt Riel. Erträge habe man bislang im Unternehmen gelassen. Das Unternehmen will aber auch auch im Kleinsegment wachsen – dort hat es seine Ursprünge. Von Wettbewerbern als „Toy-Business“ („Spielzeug-Geschäft“) verspottet, setzte Wirsol von Anfang an auf Beratung, Installation und Unterhaltung von Solaranlagen auf Privathäusern.

 

Von 10 000 Firmen in Deutschland, die Fotovoltaikanlagen auf die Dächer bringen, seien nur 30 nach RAL zertifiziert, darunter Wirsol. Zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) habe man eine Software entwickelt.

 

Per Mausklick erkennen die Wirsol-Experten, welches Dach aufgrund seiner Größe, Neigung und Sonnenausrichtung für Fotovoltaikanlagen geeignet ist. Riel: „Die Software ermöglicht es, das solare Potenzial ganzer Gemeinden und Städte, egal in welchem Land, per Mausklick sichtbar zu machen.“

 

Ziel ist, den Markt in Baden weiter zu durchdringen

 

„Wir müssen nicht überall sein. Ab dort, wo wir sind, müssen wir Marktführer sein“, formuliert es der Vorstand. Wirsol habe beispielsweise im vergangenen Jahr über 600 Privatanlagen installiert und arbeitet dabei mit zwei Partnerfirmen zusammen, die 150 Monteure beschäftigen.

 

Zwischen Karlsruhe und Mannheim habe man einen Marktanteil von 50 Prozent. Auch mit großen deutschen Fertighausherstellern sei man im Gespräch, so der 43-Jährige, der vom dort, wo wir sind, müssen wir Marktführer sein“, formuliert es der Vorstand. Wirsol habe beispielsweise im vergangenen Jahr über 600 Privatanlagen installiert und arbeitet dabei mit zwei Partnerfirmen zusammen, die 150 Monteure beschäftigen.

 

Das rasante Wachstum von Wirsol hat Folgen

 

Die Solar-Stromer brauchen nach Riels Worten eine neue Firmenzentrale in der Region und führen derzeit Standortgespräche. 15 Hektar Fläche seien insgesamt nötig. Investoren wolle man dort auch in einer Photovoltaik- Ausstellung Aufdach-, Fassaden-,Carport- und Freiflächen-Anlagen zeigen.

 

Quelle: WIRSOL 2010

Erstveröffentlichung: Badische Neueste Nachrichten 05.02.2010 | Dirk Neubauer
 

 

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