Frauen im Business

Starke Frauen und der Weg zu mehr Charisma

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Haben Sie sich schon mal gefragt, wie es manche Frauen schaffen, so charismatisch aufzutreten und ihren Reden alle Zuhörer überzeugen? Jennifer Victoria Withelm weiß ganz genau, wie man Charisma erlernen kann und welche Faktoren ein charismatisches Auftreten fördern. Den Vortrag zum Thema können Sie am 30.04.2016 auf dem Feminess Kongress 2016 in München hören. Wir haben Frau Withelm vorab über die fünf Säulen des Charisma befragt.

Hallo Frau Withelm, ist Charisma für Frauen in Führungspositionen wichtiger als für Männer in Führungspositionen?

Charisma ist ein Konstrukt aus mehreren Persönlichkeitsbereichen. Wer sich selbst reflektieren kann, der hat auch den Zugang dazu an seinem eigenen Verhalten als Führungskraft zu arbeiten. Die Fähigkeit zur Selbstreflektion ist sowohl für Männer als auch für Frauen gleichermaßen von Bedeutung.

Gibt es drei einfache Grundregeln, die eine Frau beherrschen sollte, um stets charismatisch aufzutreten?

Charisma ist ein komplexer Persönlichkeitsmix, da ist es nicht ganz einfach nur drei Grundregeln zu nennen. In meinen Forschungen habe ich fünf Säulen hergeleitet, die das Fundament von Charisma bilden. Ich nenne sie Integrität, Emotionalität, Extraversion, Empathie und Gewissenhaftigkeit. Zu den wichtigsten drei Regeln zählen unter anderem:

  1. Ehrlichkeit zu sich selbst. Sage und tue nur Dinge, zu denen Du selbst stehst. Die Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln ist für Charisma ganz entscheidend – ich habe noch nie einen charismatischen Menschen gesehen, der Wasser predigte und Wein trank.
  2. Kontrolle über die eigenen Emotionen. Menschen, die impulsiv und unbewusst handeln haben keine Macht mehr über ihre eigene Gefühlswelt. Charismatische Menschen können und sollen emotional sein – aber nur dann, wenn sie sich bewusst für diesen Kommunikationsstil entschieden haben.
  3. Empathie. Aktives Zuhören, Präsenz und ungeteilte Aufmerksamkeit – das waren schon die Zeichen der Wertschätzung von Womanizer John F. Kennedy. Einfühlungsvermögen bedeutet dabei nicht, dass man immer der gleichen Meinung wie der Gesprächspartner sein muss. Empathie bedeutet vielmehr, auf einer Metaebene den Standpunkt des anderen zu verstehen, Verständnis zu signalisieren und einen Konsens zu finden.

Wie ermuntern Sie schüchterne Damen, damit sie aus sich herauskommen und sich vor allem in Führungspositionen stolz präsentieren?

Auch introvertierte Menschen können charismatisch sein. Die Extrovertierten haben es vielleicht nur etwas leichter weil sie schneller „Hallo, hier bin ich!“ schreien können. Es geht mit kleinen Schritten los: Stille Wasser müssen nicht unentwegt reden – einen Dampfplauderer will sicherlich auch keiner. Aber wenn die introvertierte Führungskraft etwas sagt, dann muss das von Bedeutung sein. Sie bringt die Dinge auf den Punkt und redet nicht lange Drumherum. Diese Eigenschaft haben stark introvertierte Menschen mehr als andere: Sie hören sich erst einmal alle Lager an, wägen ab und fällen eine Entscheidung. Wenn sie bereit sind zu sprechen, sitzt das in der Regel auch – sie müssen nur das Selbstbewusstsein bekommen, ihre Botschaft mit fester Stimme und voller Zuversicht zu transportieren. Ich stärke diese Stärke der Introvertierten. Sind die ersten Erfolgserlebnisse zu sehen ergreifen auch schüchterne Menschen schneller und voller Selbstvertrauen das Wort.

Charisma wird oft mit Arroganz gleichgesetzt. Leider vermittelt dies sofort ein negatives Bild, was für Frauen in Führungspositionen nicht von Vorteil ist. Wie schaffe ich es, die Balance auf dieser Gratwanderung zu halten?

Ich nehme das nicht so wahr. Arroganz ist für mich eine oberlehrerhafte Kühle, die alle anderen Ansichten von sich weist. Charismatische Menschen wirken auf mich ganz anders. Empathie ist eine für Charismatiker entscheidende Säule. Einfühlungsvermögen vermisse ich komplett bei arroganten Menschen, die mit ihrer Distanz letztlich nur ihr mangelndes Selbstbewusstsein vertuschen möchten.

Was denken Sie, warum Frauen in Führungspositionen sich noch immer beweisen müssen?

Müssen sich Männer in Führungspositionen denn nicht mehr beweisen? Es ist für jeden Menschen ein Kompliment, wenn ihm die Führung mehrerer anderer Personen anvertraut wird. Jeder hat die Macht, diese verantwortungsvolle Position zu nutzen und nachhaltig etwas für die Mitarbeiter, die Firmenvision und nicht zuletzt auch sich selbst zu bewirken. Meine Erfahrung ist, dass viele Frauen immer noch meinen, dass sie sich oder den männlichen Kollegen irgendetwas beweisen müssen – dann wirken sie schnell verbissen, aggressiv und nehmen Dinge zu schnell persönlich. Sie wollen gleichberechtigt behandelt werden, fühlen sich bei einem ruppigen Ton aber schnell persönlich angegriffen. Diese Frauen haben es schwer, weil sie es sich selbst schwer machen. Wer die eigenen Emotionen im Griff hat, authentisch und gerne auch feminin bleibt, der hat mit Männern im Job meistens kein Problem.

Was können die Teilnehmerinnen des Feminess Kongress 2016 am 30. April 2016 von Ihrem Vortrag „Charismatisch sein ist einfach: Wie Göttinnen Charisma lernen“ mitnehmen?

Charismatisch zu sein ist ehrlich gesagt nicht einfach, sondern eine lebenslange Fleißaufgabe. Charismatische Wirkung kann gelernt, aber genauso verlernt werden Die Mühe lohnt sich: Charisma macht nicht nur sexy, sondern erleichtert die Kommunikation zwischen Menschen ungemein. Für Frauen ist Charisma aber tatsächlich einfacher: Meine Erfahrung ist, dass Frauen sich selbst ehrlicher hinterfragen als Männer. Damit haben sie es wesentlich leichter als das „starke Geschlecht“. Wer sich selbst reflektieren kann, eigene Stärken und Schwächen schnell erkennt und das Beste aus sich herausholen möchte, der ist schon den halben Weg gegangen. Die eigene Persönlichkeit zu reflektieren ist schwierig und man weiß oft nicht, wo man anfangen soll. Ich gebe beim Feminess Kongress in München einen Leitfaden für die Praxis mit dem die Zuhörer arbeiten können.

Frau Withelm, vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß beim Feminess Kongress 2016.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Gründer der FOMACO GmbH und Redakteur beim Wirtschafts- und Mittelstandsmagazin AGITANO.

 

Über Jennifer Victoria Withelm

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„Charisma kann gelernt und verlernt werden.“ (© Nena Diana Fotografie)

Die geborene Münchnerin Jennifer Withelm absolvierte den Master of Arts in Kultur- und Medienmanagement mit der Abschlussarbeit „Charisma in Führungspositionen“. Zuvor war sie rund fünf Jahre selbstständige Journalistin und TV-Moderatorin und wechselte schließlich in verschiedene Führungspositionen. Heute berät sie als Consultant, Trainer und Vortragsrednerin Konzerne und mittelständische Unternehmen zum Thema Leadership.

Ihr aktuelles Buch „Charismakompetenz: 25 charismatische Frauen. Impulse für Führungskräfte” ist seit Kurzem im Handel erhältlich.

Lydia Hagen

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