Wirtschaft

Steckt die Yakuza hinter dem Finanzskandal beim Kamerahersteller Olympus?

Vorletzte Woche wurde bekannt, dass der japanische Hersteller von Kameras und Medizintechnik Olympus seit Jahren seine Bilanzen gefälscht hat. Damit sollten die seit den 1990er-Jahren angehäuften Investment-Verluste mit Hilfe von Übernahmen verschleiert werden. Auch weitere Ungereimtheiten kamen ans Licht: So sind allein beim Kauf des britischen Medizintechnik-Spezialisten Gyrus einem einzigen Finanzberater insgesamt 687 Millionen Dollar zugeflossen – rund ein Drittel des Gyrus-Übernahmepreises von 1,92 Milliarden Dollar. Der Mann ist inzwischen nicht mehr auffindbar und wird, da die Beraterfirma einen Sitz in den USA hat, mittlerweile auch vom FBI gesucht.

Auslöser des Bilanzskandals war die Fehde zwischen dem geschassten britischen Firmenchef Woodford und dem Firmenpatriarchen und Aufsichtsratsvorsitzenden Kikukawa. Woodford hatte ihn zum Rücktritt aufgefordert, dieser setzte dann jedoch den Briten vor die Tür: „Sie haben mir gesagt, ich soll mir einen Bus zum Flughafen nehmen.“ Allerdings musste dann auch Kikukawa kurz darauf aufgrund des Aktionärsdrucks seinen Sessel räumen.

Nun besteht ein neuer Verdacht: Laut der „New York Times“ haben Ermittler in den Olympus-Bilanzen eine Lücke von rund fünf Milliarden Dollar entdeckt. Zwischen 2000 und 2009 sind 4,9 Milliarden Dollar, meist für Beratungshonorare, nicht in den Bilanzen aufgetaucht. Nach Ansicht der Ermittler ist ein Großteil des Geldes an Verbrecher-Syndikate geflossen, vornehmlich an die japanische „Mafia“, die Yakuza – und hier an das größte Yakuza-Syndikat des Landes, Yamaguchi Gumi. Möglicherweise sei das Unternehmen dabei von den Kriminellen erpresst worden. Ein möglicher Angriffspunkt wäre, dass sie dem Unternehmen in der Vergangenheit bei Finanzfälschungen geholfen hätten. Olympus-Chef und Woodford-Nachfolger Shuichi Takayama war bereits Ende Oktober mit den Vorwürfen einer Verbindungen zum organisierten Verbrechen konfrontiert worden. Olympus hat die neuen Berichte bislang noch nicht kommentiert.
 

 

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