Energie & Umwelt

Steigernder EU-Verbrauch und Import von Erdgas bis 2030 prognostiziert

Die 27 Staaten der EU einschließlich des Beitrittsaspiranten und wichtigen strategischen Partners Türkei haben 2010 zusammen 547 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. Davon wurden 175 Milliarden Kubikmeter selber produziert und die restlichen 372 Milliarden Kubikmeter importiert. Die Prognosen sagen für 2020 einen Anstieg des Verbrauchs auf 641 Milliarden Kubikmeter vorher, während die Eigenproduktion auf 120 Milliarden Kubikmeter fällt und die Importe auf 447 Milliarden Kubikmeter steigen. Daraus ergibt sich eine Versorgungslücke von 73 Milliarden Kubikmetern. Der Trend setzt sich bis 2030 fort, wo dann 667 Milliarden Kubikmeter verbraucht werden sollen, von denen 67 Milliarden durch die Eigenproduktion gedeckt werden, die Importe sollen dann 431 Milliarden Kubikmeter betragen – eine Versorgungslücke von 169 Milliarden Kubikmetern. Laut dem österreichischen Mineralölkonzerns OMV ist das kaspische „Aserbaidschan eines der wichtigsten Lieferländer von Erdgas, um die wachsende Nachfrage in Europa zu decken“. Der Iran könnte ebenfalls bei einer Verbesserung des politischen Klimas als Lieferland an das Nabucco-Projekt für Gaslieferungen aus der Kaspischen Region unter Umgehung Russlands über die Türkei nach Europa angeschlossen werden. Letzte Woche hat OMV nun ein Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) mit der staatlichen Ölgesellschaft SOCAR für eine intensivere Zusammenarbeit gezeichnet. Dabei geht es um eine Zusammenarbeit im Midstream-Bereich (Pipeline) und auch im Upstream-Geschäft, also der Förderung und Produktion. Mitte April hatte die Regierung in Aserbaidschan Europa wieder mehr Hoffnungen im Poker um dessen Gasreserven gemacht. Mit europäischen Investitionen im Umfang von 20 Milliarden Euro würde sich die Exportmenge von derzeit 17-18 Milliarden Kubikmeter pro Jahr mindestens verdoppeln lassen, hieß es. Seit einigen Jahren konkurrieren Russland, die EU und zuletzt auch das energiehungrige China um die reichen Gasfelder Aserbaidschans. Dieses ist sich seiner Schlüsselrolle durchaus bewusst und reizt seine Karten aus (das Pipelinenetz verbindet Aserbaidschan mit Russland, über die Öl- und Gasreichen zentralasiatischen Ländern an dem Ostufer des kaspischen Meeres mit China, über Georgien mit den türkischen Mittelmeerhäfen und über die geplante Nabucco-Pipeline dann mit Europa unter Ungehung Russlands.) Die Reserven des Landes belaufen sich auf rund 850 Milliarden Kubikmeter. 1.000 Kubikmeter Erdgas bringen derzeit rund 350 Dollar, somit sind die Reserven nach jetzigem Stand rund 297,5 Milliarden Dollar wert – Tendenz steigend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.