Kolumnen

Strom hilft beim Aufstieg aus der Armut – Beitrag von Eicke R. Weber

Die UN-Klimakonferenz hat sich nicht oder nur nebenbei mit einem Thema beschäftigt, das für mehrere Milliarden Menschen von unmittelbarer Bedeutung ist: dem Zugang zu elektrischer Energie, und am besten: zu CO–freier Energie. Natürlich ist das dringlichste Problem der sich entwickelnden Länder die Deckung des Bedarfs an Nahrungsmitteln, einschließlich des Zugangs zu sauberem Wasser. Aber an nächster Stelle steht gleich die Energie. (Kommentar von Eicke R. Weber)

 

Sie schafft für einen weiten Bevölkerungskreis die Basis für einen Aufstieg aus äußerster Armut. Die Herausforderung ist gewaltig: Während die Zahl der Menschen ohne ausreichende Nahrung bei etwa einer Milliarde liegt, haben etwa zwei Milliarden keinen Zugang zu elektrischer Energie.

 

Dabei bietet die Fotovoltaik zur dezentralen Herstellung von Strom, der nicht mit einem Netzwerk verbunden ist, eine interessante regenerative Energiequelle. Zur Zeit ist die hauptsächlich benutzte Quelle für elektrische Energie in entlegenen Dörfern ein Dieselgenerator, für den der Treibstoff mühsam per Jeep herangeschafft werden muss. Jede so erzeugte Kilowattstunde kostet leicht um einen Euro und mehr und trägt zur globalen Klimabelastung mit CO bei. Fotovoltaisch erzeugter Strom dagegen kann in sonnenreichen Gegenden zu weit weniger als der Hälfte dieses Preises erzeugt werden, und speziell für diesen Markt entwickelte Technologien sollten sicher weit weniger kosten, 0,10 Euro pro Kilowattsstunde wäre ein realistisches Nahziel.

 

Dies erfordert die Entwicklung kostengünstiger Ansätze für derartige kleine Solarsysteme, die einen Batteriespeicher einschließen sollten. Ein zweites großes Hindernis für eine schnelle globale Einführung dieser Technologie für einzelne Häuser oder Mininetzwerke für einzelne Dörfer ist der am Anfang erforderliche Finanzbedarf für Solarsysteme: Die beachtliche Anfangsinvestition kann erst über viele Jahre amortisiert werden. Dazu kommt die Betriebskontrolle der Systeme und die Notwendigkeit des regelmäßigen Einzugs von Zahlungen für den Strom.

 

Es ist bedauerlich, dass deutsche wie auch europäische und globale Entwicklungspolitik dieses Problem nicht ausreichend in den Fokus genommen hat. Natürlich gibt es einzelne Solarprojekte in der Dritten Welt. Häufig werden derartige Projekte publikumswirksam in Betrieb genommen. Aber sie verfallen nach wenigen Jahren, weil ein kleines Bauteil nicht mehr arbeitet und niemand in der Wartung geschult wurde. Auch sind kostenlos gelieferte Systeme problematisch, da sich niemand dafür verantwortlich fühlt.

 

Vernünftiger ist ein umfassender Ansatz, der auf kostengünstigen Systemen basiert, die den jeweiligen Bedingungen angepasst sind. Lokale Kräfte müssten geschult werden, damit sie einen Kontroll- und Wartungsplan realisieren können. Hinzu muss ein wirtschaftlich attraktives Finanzierungskonzept kommen. Nach einer sicher nicht unerheblichen Anfangsinvestition sollte ein solches Systeme zu einem Selbstläufer werden und die Vervielfältigung des Konzeptes weltweit erlauben. Ein solches Konzept zu erarbeiten und weltweit umzusetzen wäre eine lohnende Aufgabe unserer Entwicklungshilfe.

 

Es gibt ein interessantes Beispiel für einen funktionierenden Ansatz: In Bangladesch installiert Grameen Shakti, eine gemeinnützige Ausgründung der durch Mikrokredite bekannt gewordenen Grameen Bank, zur Zeit monatlich mehr als 20 000 solare Haussysteme in den Millionen Dörfern dieses Landes. Zu diesem Projekt gehört die Schulung Tausender Arbeitskräfte, die in lokalen Betriebsstätten Anlagen zusammensetzen und warten. Sie besorgen auch den Einzug der Zahlungen für die elektrische Energie. Die positiven Erfahrungen der Grameen Bank mit Frauen haben auch hier dazu geführt dass Grameen Shakti fast ausschließlich Frauen beschäftigt.

 

Mehr Debatten über die Solarenergie

 

Daher war es nur passend, dass die "Ashoka Stiftung für sozial verantwortliches Unternehmertum", die Canopus Stiftung und andere Partner vor zwei Wochen in Dhaka einen globalen Designwettbewerb mit dem Namen "Solar For All" ins Leben gerufen haben. Diese Initiative geht zurück auf einen Workshop in Freiburg. Ein erster Preis in Höhe von 250 000 Dollar wurde für das überzeugendste technologische Konzept ausgelobt und soll auf der Inter-Solar 2010 in San Francisco vergeben werden. Diese Initiative soll dazu beitragen, dass das Thema Solarenergie weltweit den ihm gebührenden Platz in den Debatten erhält.

 

 

Quelle: Eicke R. Weber 2010

Der Autor ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme

Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" 10.12.2009

 

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