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Studie zum Fachkräftemangel: Kein Mangel an Ingenieuren in Deutschland – DIW erwartet Überangebot

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) widerspricht den gebetsmühlenartigen Wiederholungen über den Fachkräftemangel in Deutschland. Laut einer aktuellen DIW-Studie ließe der Zulauf auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze sogar eher Überangebot an Fachkräften erwarten. Die Ergebnisse widersprechen dabei auch den kürzlichen Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Dieser hatte ausgehend von dem angegebenen Durchschnittsalter der Ingenieure von gut 50 Jahren prognostiziert, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller Ingenieure in den Ruhestand wechseln werde. Hieraus leitete der VDI dann bereits heute schon einen jährlichen Ersatzbedarf von 40.000 Ingenieuren ab. „Diese Forderungen kann ich nicht nachvollziehen“, so Karl Brenke, der die VDI-Angaben den Daten des Mikrozensus und der Bundesagentur für Arbeit gegenübergestellt hat.

Laut dem Mikrozensus waren im Jahr 2008 rund 750.000 Ingenieure in Deutschland tätig. Ihr tatsächliches Durchschnittsalter lag bei 43,3 Jahren und nur weniger als ein Drittel von ihnen war über 50 Jahre alt. „Ich halte es nicht für realistisch, dass von 2008 bis heute das Durchschnittsalter um sieben Jahre auf 50 bis 51 Jahre gestiegen ist“, so Brenke. Schließlich sind auch in dem Zeitraum dazwischen laufend neue Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt hinzugekommen. Dies werde auch durch die aktuelle Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit von Juni 2011 gestützt.

„Ein jährlicher Bedarf von 40000 Ingenieuren – allein um die Ruheständler zu ersetzen – ist aus den vorliegenden Zahlen nicht realistisch abzuleiten“, so Brenke. Das DIW Berlin geht von einem etwa halb so großen Ersatzbedarf an Ingenieuren für die kommenden Jahre aus. „Wenn man fair rechnet, kommt man auf ungefähr 20.000 Personen, die jedes Jahr aus Altersgründen ausscheiden.“ Dieser künftiger Bedarf ließe sich aber durch die Uniabsolventen decken. Allein 2010 haben rund 50.000 Studenten ihr Studium in einem industrienahen Ingenieurstudiengang absolviert. „Allein die Absolventen, die gegenwärtig aus den Unis kommen, können den Gesamtbedarf an Ingenieuren decken.“ Brenke plädiert daher für eine realistischere Betrachtung des Ingenieurbedarfs im laufenden Jahrzehnt. „Der Berufseinstieg kann für junge Ingenieure zunehmend schwierig werden, wenn es eine Absolventenschwemme gibt.“
(mb / Quelle: DIW)

 

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