Wirtschaft

Suizidserie bei France Telecom – Arbeitsbedingungen im Brennpunkt

Im französischen Mérignac bei Bordeaux verbrannte sich am gestrigen Dienstag erneut ein 57-jähriger Angestellter von France Telecom auf dem Firmenparkplatz. Seit 2008 haben sich bereits mehr als 60 Beschäftigte des Telekomriesen in einer Suizidwelle das Leben genommen. Als Grund geben Arbeitnehmervertreter unmenschliche Arbeitsbedingungen an, sowie das Programm „time to move“ zum schnellen Stellenwechsel: Ein Anfang 2010 veröffentlichter Untersuchungsbericht erhob schwere Vorwürfe gegen die mittlerweile abgelöste Konzernspitze. Unter anderem war von Mobbing die Rede und auf Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten und Krankenkassen sei völlig unzureichend reagiert worden. In den vergangenen Jahren wurden die Stellen um 22.000 auf 100.000 reduziert. Eine ähnliche Selbstmordwelle gab es Anfang 2010 beim weltweit größten Elektronik-Hersteller „Foxconn“ (China), der Zulieferteile für Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony und Nokia fertigt. Die 800.000 Angestellten des Multimillardärs Terry Gou erreichten schließlich eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und eine Anhebung ihrer selbst im nationalen Vergleich niedrigen Löhne. In der Reaktion wurde jedoch gedroht, die Produktion zu verlagern ("Löhne in Shenzen zu hoch: Foxconn wechselt Standort"). Arbeitsrechtler riefen daraufhin zu einem Boykott dieser Produkte auf (speziell des iPhones) – verantwortungsbewusste Käufer sollten ihre Verbrauchermacht einzusetzen, anstatt der Marketingmaschinerie willenlos zu erliegen.
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.