Kolumnen

Tanken wir künftig an der Steckdose?

Ein Benzinauto ist unglaublich ineffizient. Sieben Achtel des Treibstoffs werden für Leerlauf, Kraftübertragung und die Reifen eingesetzt. Nur ein Achtel erreicht die Räder, die das Auto bewegen. Und davon erwärmt noch die Hälfte die Reifen, die Luft und den Straßenbelag. 95% des Gewichts steckt im Auto und nicht im Menschen selbst. Um 70 kg Mensch zu bewegen, werden also bis zu eineinhalb Tonnen Blech transportiert.

 

Unterm Strich wird nur ein Prozent der eingesetzten Energie für den Transport des Fahrers gebraucht. Benzin-Autos haben eine miserable Energie-Bilanz. Unsere 44 Millionen Benzin-Autos in Deutschland müssen endlich energieeffizienter fahren. Ist das Elektroauto die Lösung? Werden wir künftig an der Steckdose tanken?

 

Angela Merkel lädt am 3. Mai zum Elektroauto-Gipfel ins Kanzleramt ein.   Jetzt reden alle vom Elektroauto. Und die Autobosse geben sich an diesem Tag selten bescheiden. Daimler-Chef Zetsche wird vor dem Kanzleramt mit einem Mini-Smart vorfahren und BMW-Chef Reithofer ebenfalls mit einem Elektro-Mini.

 

Doch es könnte Jahre dauern bis Normalverbraucher ein Elektroauto bezahlen und fahren können. Vor allem in Deutschland wird es noch dauern. In Japan kann man schon heute ein Elektroauto zum Normalpreis kaufen, weil der Staat 13.000 Euro Zuschuss gibt. Dafür ist in Deutschland natürlich kein Geld  da.

 

Schließlich hat die Regierung 2009 sechs Milliarden Euro für die Abwrack-Prämie ausgegeben, damit sich die Deutschen ineffiziente Benzinautos kaufen. Selten hat eine Regierung mit der Autolobby zusammen ohne jeden Sinn und Verstand so viel Geld verbrannt.

 

Gegenwartsversessen und zukunftsvergessen. Dabei ist das Elektroauto eine Schlüsselindustrie für jede moderne Industriegesellschaft. Am E-Auto basteln zwar auch die Deutschen, aber an der Weltspitze stehen Japan, China, die USA und Südkorea.

 

Das Elektroauto allein ist freilich nicht die Lösung der Umwelt- und Verkehrsprobleme. Noch dringlicher ist endlich der massive Ausbau des Öffentlichen Verkehrs mit schon lange elektrisch betriebenen Eisen- und Straßenbahnen, U- und S-Bahnen.

 

Und wichtig ist die Frage: Woher kommt der Strom? Ein E-Auto ist nur zukunftsfähig, wenn sein Antriebssaft aus erneuerbaren Energiequellen gespeist wird.

 

Dennoch führt kein Weg am Elektroauto vorbei. Denn die Ölvorräte gehen zu Ende. Und die Umweltbelastung steigt dramatisch. Die große Schwachstelle der heutigen Elektromobilität ist noch immer die Batterie und die fehlende Infrastruktur zum Aufladen.

 

Dennoch: Millionen Steckdosen sind einfacher zu installieren als zehntausende neue Tankstellen. Und Millionen Deutsche produzieren künftig ihren Strom selber mit Solarzellen auf Dach oder Garage oder sie kaufen Ökostrom.

 

Wenn also die verschlafenen und selbstgenügsamen deutschen Autobauer künftig weltweit noch eine Rolle spielen wollen, müssen sie endlich lernen, leichtere und kleinere Autos zu bauen, die an der Steckdose betankt werden. Dazu muss auch die Politik mehr Tempo bei der Automobilität vorlegen. Was von China bis Japan und von USA bis Frankreich schon heute an E-Mobilität möglich ist, könnte auch in Deutschland, dem Mutterland der Elektrizität, rasch realisiert werden.

 

Der effektivste Start, schlägt Hermann Scheer vor, ist, wenn die deutsche Regierung tut, was die französische vormachte: Der Staat unserer Nachbarn bestellte 50.000 Elektroautos und geht mit gutem Beispiel beim Umstieg voran.

 

So könnte auch das deutsche Elektroauto schon 2011 in die Serien-Produktion kommen. Und 2020 könnten auf Deutschlands Straßen 10 Millionen Elektroautos rollen – geräuschlos und umweltfreundlich, energieeffizient und preiswert.

 

Denn der Sprit für ein Elektroauto kostet, wenn der Strom ökologisch erzeugt wird, künftig etwa ein Fünftel gegenüber dem bisherigen Benzin.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

 

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