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Teil 3: Von gelösten Schreibblockaden über den Rohtext hin zum Reintext

Im 1. Teil der Interviewreihe zu "Briefe optimieren – In 30 Tagen zum perfekten Werbebrief" hat Stefan Gottschling, einer der Spezialisten für verkaufsstarke Texte, allgemein über (Geschäfts-)Briefe erzählt, im 2. Teil über "Struktur und Konzept". Im heutigen Interview sprechen wir mit ihm über "Rohtext versus Reintext" und "wie überwinde ich Schreibblockaden".

 

Warum ist Schreiben so schwer, Herr Gottschling?

Weil wir ganz oft das falsche Ziel haben. Da setzt sich ein gestresster Mensch an den Schreibtisch und sagt zu seinem Gehirn: „Schreib! Jetzt! Druckreif!“ Kein Wunder, dass das Gehirn jetzt sagt: „Ich kann nicht!“ Aus dem Stand druckreif schreiben – das schaffen wirklich nur sehr wenige Menschen. Schreiben wird leichter ohne diesen Druck. Und so arbeiten Profis. Die zielen nicht auf den druckreifen Reintext, sondern auf einen breiteren Rohtext, der überhaupt nicht perfekt sein muss. Man will erst einmal das Thema fassen. Die Zauberformel heißt: „Erst der Inhalt, dann die Form“. Und wenn der Inhalt eines Textblocks steht, dann ist das Polieren, das endgültige Erreichen des perfekten Briefes, ein strukturiertes Vorgehen. Und einfach. Damit beschäftigen wir uns sehr intensiv im Workbook.

Haben Sie ein paar Tipps für unsere Leser, wie man Schreibblockaden überwindet?

Ja, gerne. Gerade für das Briefeschreiben gibt’s ein paar ganz einfache Techniken. So ein Brief ist ja wie ein Gespräch, das man nur zeitversetzt und auf lange Distanz führt. Da hilft es oft schon, sich das wieder klar zu machen und aufzuschreiben, wie man´s sagen würde. Ich würde ja nie zu Ihnen sagen: „Sehr geehrter Herr Foitzik, hiermit teile ich Ihnen mit …“ Das wäre unschön und sie würden denken, warum ist der jetzt so formell, ist der mir böse (lacht).

Passender wäre: „Lieber Herr Foitzik, heute hab ich eine spannende Nachricht für Sie …“ Dann ist es nicht nur Gesprächsstil, sondern auch der Sprachduktus eines guten Werbebriefs.

Übrigens hilft es auch, den Text direkt zu sprechen und aufzunehmen. Als Sprachmemo ins Handy oder auf ein Diktiergerät. Das mache ich sehr oft und spreche dabei ganz locker. Kein klassisches Diktieren mit Satzzeichen. Damit blockiert man sich wieder. Alternativ können Sie eine Sprachsoftware benutzen gleich in Ihr Word diktieren. Es gibt da heute wirklich tolle Werkzeuge.

Wenn der Rohtext steht – wie geht´s dann weiter?

Wahrscheinlich erhält man zuerst einen Rohtext, der viel zu lang ist. Das ist auch ok. Wir wollten ja, wie gesagt, erst einmal das Thema fassen. Jetzt arbeitet man sich Schritt für Schritt an den Reintext heran. Dafür haben wir einfache Systematiken entwickelt. Die haben bis heute viele tausend Seminarteilnehmer und Leser kennengelernt und die werden in vielen hundert Unternehmen eingesetzt. Alles, was Sie dazu brauchen, sind Texte und einen roten und einen grünen Stift. Damit kennzeichnet man in einem Textausdruck oder im echten Brief Schwachstellen und Stärken. Optimiert. Kennzeichnet wieder, bis nach zwei bis drei Durchgängen ein optimierter und fast druckreifer Text vor einem liegt. Wir zählen Satzlängen, Wortlängen, betrachten stilistische Merkmale, aber alles ganz systematisch.

Das ist unser wichtigstes Thema morgen. Da möchte ich Ihnen einige dieser Schritte zeigen.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch … und dann freue ich bereits auf morgen, Teil 4 unseres Gesprächs.

 

Das Interview mit Stefan Gottschling führte Oliver Foitzik (AGITANO / FOMACO GmbH).

 

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