Themenserien

Teil 7 – Die Routenmethode oder „Der Weg ist das Ziel“

… aus der Themenserie "Ein gutes Gedächtnis ist erlernbar!" des Gedächtnisweltrekordhalters und Gedächtnistrainers Boris Nikolai Konrad.

Haben Sie die Körperliste ausprobiert? Ein paar Inhalte dazu gelernt? Ich bin mir sicher, dass es Ihnen sehr leicht gefallen ist. Wie angedeutet, ist die Körperliste ein Beispiel für die Routenmethode oder Loci-Methode (von lateinisch Loci = Örter).

Diese Vorgehensweise, sich Dinge zu merken, haben schon die griechischen Rhetoriker entdeckt und die Römer weiterentwickelt. Und sie funktioniert heute noch genauso gut. Die Grundidee haben Sie mit der Körperliste schon selbst erlebt: Es gibt Inhalte, die unseren Gehirn sehr leicht fallen. Weil wir den Aufbau und die Reihenfolge schon kennen und es visuelle Inhalte sind, können wir dann auch problemlos verschiedene Punkte durchnummerieren. Mit diesen einzelnen Punkten werden dann über bildliche Assoziationen die eigentlichen, schwer lernbaren Informationen, verknüpft.

Besonders gut als solche Anknüpfungspunkte dienen bekannte Orte und Wege. Denken Sie bitte einmal an Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihre Arbeitsstelle. Wie sieht es dort aus? Wenn Sie die Tür öffnen, was befindet sich dann vor Ihnen? Sich das in Erinnerung zu rufen, ist leicht. Ihr Gehirn hat diese Orte sicher abgespeichert, mit hoher Detailfülle und Genauigkeit.

Um jetzt an diesem Ort eine Gedächtnisroute „anzulegen“, müssen Sie nur markante Punkte, Gegenstände, Objekte usw. der Reihe nach durchnummerieren. Fangen Sie zum Beispiel mit der Haustür an. Diese erhält Nummer 1. Und dann gehen Sie einfach rechtsherum das Zimmer durch. Ist in diesem nichts mehr zu finden, gehen Sie ins nächste. Das ist eigentlich schon alles!

Dazu aber noch ein paar Tipps, um es Ihnen und Ihrem Gehirn besonders leicht zu machen:

1. Nehmen Sie keine kleinen, beweglichen Gegenstände, die oft den Platz wechseln. Eine Tasse, die gerade auf dem Küchentisch steht, wäre also ungeeignet. Steht auf dem Tisch vielleicht auch ein Obstkorb, der zwar auch beweglich aber eben doch fast immer auf diesem Tisch ist, ist der dagegen sehr gut geeignet.

2. Achten Sie auf Unterscheidbarkeit. Wenn in Ihrer Wohnung vier Türen sind, die alle gleich aussehen, sollten Sie nur eine davon als Wegpunkt benutzen. Ist dagegen die Haustür massiv aus Holz, die Küchentür eine Schiebetür und die Badezimmertür aus Milchglas, können Sie alle drei benutzen. Die Unterscheidung ist dann groß genug.

3. Folgen Sie einer normalen Blick- und Gehrichtung. Sie dürfen gerne Dinge benutzen, die auf dem Fußboden sind oder unter der Decke hängen, eine Lampe vielleicht. Aber Sie sollten da nicht zwischen springen.

4. Versuchen Sie immer nach einer runden Anzahl von Punkten den Raum oder die Richtung zu wechseln. Zum Beispiel nach zehn Punkten ins nächste Zimmer wechseln, nach weiteren zehn Punkten wieder. Dies ist nicht nötig, um sich die Route zu merken, hilft aber, diese gedanklich schneller durchzugehen und „nach vorne zu springen“.

 

Der Aufwand, um sich die erste Route „einzurichten“ ist vermutlich deutlich geringer als Sie jetzt schätzen. Egal ob Sie in einem großen Haus wohnen oder in einer kleinen Einzimmer-Wohnung. 50 Routenpunkte sind auf jeden Fall möglich und es wird nicht länger als eine Stunde dauern, sich die 50 Punkte zu überlegen und zu merken. Mit diesen 50 Punkten können Sie sich dann schon sehr viele Informationen einprägen, und zwar der Reihe nach und ohne Gefahr, dass der rote Faden reißt, wenn eine einzelne davon fehlt. Und zwar, sofern Sie das wollen, für immer.

Bedeutet das nun, dass Sie sich ständig neue Routen überlegen müssen, wenn Sie dann einmal die 50 Punkte „belegt“ haben? Nein! Warum nicht, und wie man die Route wiederbenutzen kann, erläutere ich in zwei Wochen im nächsten Teil. Bitte nehmen Sie sich dafür einmal die Zeit um sich eine Route mit am besten 50, auf jeden Fall aber 20 bis 30, Punkten auszudenken und einzuprägen. Sie werden davon sehr profitieren!

Ihr  Boris Nikolai Konrad

 

Über den Autor:

Der Experte für Lernstrategien studierte erfolgreich Physik und angewandte Informatik mit den Nebenfächern Mathematik und Betriebswirtschaftslehre.

Bei der Gedächtnis-Weltmeisterschaft 2008 in Bahrain zeigte er sein Können und wurde Weltmeister mit der Mannschaft und Einzelweltmeister im Wörter und Namen merken. Zwei neue Weltrekorde hat er bei den Deutschen Gedächtnismeisterschaften im Jahre 2009 aufgestellt: 280 Wörter sowie 195 Namen und Gesichter in jeweils 15 Minuten merken – Weltbestleistung! Diese unglaubliche Leistung toppte er bei den Deutschen Meisterschaften 2010 wieder 201 Namen und Gesichter, neuer Weltrekord!

Boris Konrad ist 5-Sterne-Redner und Präsident von „MemoryXL“, der europäischen Gesellschaft zur Förderung des Gedächtnisses und des größten Gedächtnissportvereins der Welt.

Nähere Informationen zu Boris Nikolai Konrad finden Sie auch in seinem AGITANO-Expertenprofil.

 

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