Energie & Umwelt

Tepco gesteht dreifache Kernschmelze innerhalb von 100 Stunden ein

Tepco, der Betreiber des japanischen Katastrophen AKWs Fukushima, stand wegen seiner (Des-)Informationspolitik weltweit in der Kritik. Nun hat er über zwei Monate nach dem Beginn der Atomkatastrophe am 11. März 2011 zugegeben, dass das Ausmaß der Atomkatastrophe in Fukushima dramatischer ist als bislang bekannt. Demnach kam es in den Kraftwerksblöcken 1-3 bereits 60 bis 100 Stunden nach dem Beben aufgrund der ausgefallenen Kühlsysteme zu einer Kernschmelze, bei der die meisten Brennstäbe in den Reaktoren geschmolzen seien. Seither tritt Radioaktivität aus und Arbeiter bemühen sich, die Strahlenlecks zu schließen und die Kontrolle wiederzuerlangen. Die verflüssigte Masse aus den Kernschmelzen befinde sich nun am Boden der Reaktordruckbehälter, würde aber gekühlt und sei dem Unternehmen zufolge „stabil“.

Koichi Nakano, Professor für politische Wissenschaften an der Sophia University in Tokio, geht davon aus, dass Tepco durch das Verschweigen des wahren Ausmaßes des Vorfalls eine Panik habe vermeiden wollen, bis „sich die Leute an die Situation gewöhnt“ hätten. Sonst wären wahrscheinlich weit aus mehr Menschen aus dem 240 Kilometer entfernten Tokio geflohen, wenn klar gewesen wäre, um wie viel unsicherer die Lage tatsächlich ist.

Geschmolzene Stäbe sammeln sich am Boden des Reaktordruckbehälters als heißer Klumpen, der sich durch den Beton fressen kann und dabei zusätzlich Wasserstoff entstehen lässt. Dieser wiederum kann dann zu einer erneuten Wasserstoffexplosion führen, die die Arbeiter bei den Aufräumarbeiten akut gefährdet und bei der große Mengen an Radioaktivität in die Atmosphäre entweichen kann. Unklar ist bislang noch, wie viel Radioaktivität nun genau im und um den Reaktor freigesetzt wurde und wie viel ins Meer gelangte.

Die neuen Eingeständnisse Tepcos würde laut Greenpeace auch erklären, warum die japanische Regierung bis zum 12. April mit der Einstufung in die höchste Kategorie der INES-Störfallskala wartete und nicht sofort mit „ganz anderen Kraftakten“ der atomaren Bedrohung gegengesteuert hat. Beispielsweise errichteten bei der Tschernobylkatastrophe 1986 rund 90.000 Arbeiter in nur sechs Monaten den Sarkophag um den havarierten Reaktor. Und obwohl es in Fukushima gleich in drei Reaktoren zu Kernschmelzen kam ist das Engagement bislang deutlich geringer.

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