Regionales

Thüringen: Weimar bewirbt sich für UNESCO-Netzwerk kreativer Städte

Das Thüringer Wirtschaftsministerium unterstützt die geplante Bewerbung Weimars um Aufnahme in das „Creative-Cities“-Netzwerk der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO). Dazu haben Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig und Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf heute eine „Gemeinsame Erklärung“ unterzeichnet, die zugleich Startschuss für den Bewerbungsprozess ist. „Für Weimar eröffnet sich damit die Chance, Teil eines weltweiten Netzwerkes von derzeit 29 Städten und damit Botschafter für die Thüringer Kreativbranche zu werden“, sagte Machnig. Damit könne ganz Thüringen im weltweiten Wettbewerb um kreative Köpfe gestärkt werden.

Das Creative Cities Network wurde von der UNESCO im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Das Netzwerk verbindet weltweit Städte, die Erfahrungen und Ideen im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft austauschen wollen, und unterstützt sie dabei, ihr kreatives Potential für die eigene wirtschaftliche Entwicklung nutzbar zu machen. Mitglieder des Netzwerks sind Exzellenz-Zentren in einem der sieben Bereiche Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst, Handwerk oder Literatur. Bisher arbeiten 29 Städte in dem UNESCO-Netzwerk zusammen, darunter Assuan und Santa Fé als Städte der Volkskunst; Berlin, Buenos Aires und Montreal als Städte des Designs; Popayan als Stadt der Gastronomie; Edinburgh und Melbourne als Städte der Literatur; Bologna, Glasgow und Sevilla als Städte der Musik; Lyon als Stadt der Medienkunst.

Für Weimar, das zu den Orten mit den meisten UNESCO-Kulturerbestätten weltweit zählt, ist die Bewerbung auch eine Chance, sich nicht nur als kulturhistorisch bedeutsame Stadt, sondern auch als lebendiges Ideen- und Gestaltungszentrum der aktuellen Kultur- und Kreativszene zu positionieren. „Mit meiner Initiative zur Aufnahme Weimars in das Netzwerk kreativer Städte möchte ich Weimar als Ort einer neuen kreativen Advantgarde für das 21. Jahrhundert positionieren und damit als Modell einer Stadt der Kulturen und des interkulturellen Austausches“, sagte Oberbürgermeister Wolf.

Als Hintergrund der Bewerbung verweist Wolf auf die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre. So ist es in Weimar gelungen, die Kreativwirtschaft als wichtige Wirtschaftsbranche zu etablieren. Mit der Schaffung einer eigenen Stelle im Stab des Oberbürgermeisters konnten Initiativen wie die Kreativetage am Goetheplatz und jüngst das Modellvorhaben in der Bauhausstraße 1 begleitet werden.

In einem ersten Schritt wird der Weimarer Oberbürgermeister die organisatorischen Voraussetzungen für den Bewerbungsprozess schaffen. Dazu gehört die Anbindung eines Beauftragten für Kreativwirtschaft, Hochschulen und Internationalen Austausch sowie die Einrichtung eines Projektbeirates aus Vertretern von kulturellen Institutionen, der Weimarer Hochschulen, freien Initiativen der Kreativwirtschaft, Verwaltung und Verbänden. Für den Frühsommer sind die ersten öffentlichen Workshops geplant, mit denen die lokalen Akteure in den Prozess eingebunden werden sollen. Hier soll auch geklärt werden, in welcher der möglichen Rubriken sich die Stadt Weimar bei der UNESCO bewerben wird. Der Bewerbungsprozess wird 12 bis 18 Monate dauern und könnte im Herbst 2013 abgeschlossen sein. Mit einer Entscheidung der UNESCO kann dann im Frühjahr 2014 gerechnet werden.

Hintergrund: Kreativwirtschaft in Thüringen

Laut Potenzialanalyse des Thüringer Wirtschaftsministeriums besteht die Kreativwirtschaft in Thüringen aus elf Teilmärkten mit rund 3.200 Unternehmen und 22.400 Erwerbstätigen, die einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden Euro erwirtschaften. 14 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in Weimar. Weimar hat bundesweit die höchste Architektendichte, gemessen an der Einwohnerzahl. Neben der Architektur sind die Musik, Kunst, außerdem Design und Medien die dominierenden Bereiche der Kreativwirtschaft in Weimar.

Initiativen des Thüringer Wirtschaftsministeriums:

Mit dem „Thüringer Kreativradar 2011“ startet das Thüringer Wirtschaftsministerium erstmals einen Wettbewerb für die Kreativbranche. Elf Unternehmen mit einem Preis in Höhe von jeweils 2.000 Euro ausgezeichnet.

Im Januar 2012 nahm die neue Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft (ThAK) in Erfurt ihre Arbeit auf. Die ThAK wird mit ihrem Leiter Dirk Kiefer insgesamt sieben Mitarbeiter haben. Das Thüringer Wirtschaftsministerium fördert die Agentur bis 2013 mit insgesamt rund 840.000 Euro aus ESF- und Landesmitteln.

Im April 2012 starteten die Bauarbeiten für ein neues Zentrum für Unternehmen aus der Kreativwirtschaft in Weimar. Hier können z.B. Werbeagenturen, Software-Unternehmen und Verlage in der Gründungs- und Startphase Räume mieten. Das ca. 2500 Quadratmeter große Gebäude kostet rund 5,7 Millionen Euro, das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt mit rund 4,9 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW).

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