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Tourismuspolitischer Bericht: Wirtschaftsfaktor Tourismus auf stabilem Erfolgskurs

In ihrer Antwort auf eine Große Anfrage der Abgeordneten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur „Zukunft des Reiselandes Deutschland“ unterstreicht die Bundesregierung die Rolle des Tourismus mit 2,9 Millionen Erwerbstätigen, 97 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung sowie fast 280 Milliarden Euro Konsumausgaben als Jobmotor und bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland.

Laut der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ (siehe unten) beschäftigt die Tourismus-Branche in Deutschland 7% aller Erwerbstätigen und trägt 4,4% zur Wertschöpfung bei (BIP). Werden alle Vorleistungen, wie die Dienstleistungen an Flughäfen, von Bäckereien, Gaststätten oder Renovierungsarbeiten durch Handwerker im Hotel, hinzugerechnet, so ist der Tourismus sogar zu 12% an den Beschäftigten und zu 9,7% an der Wertschöpfung beteiligt.

Die Ergebnisse des Tourismusjahres 2012 in Deutschland waren mit über 407 Millionen Gästeübernachtungen hervorragend und stellten zum dritten Mal in Folge eine neue Rekordmarke dar. Besondere Dynamik kam dabei mit einem Zuwachs von über 8 Prozent aus dem Ausland. Deutschland erlebt damit als Reiseland einen anhaltenden Boom. Etwa 20 Prozent der Konsumausgaben werden auf Geschäftsreisen getätigt, die damit ein bedeutendes Segment des Tourismus in Deutschland ausmachen.

Ziel der Bundesregierung ist eine weiterhin dynamische Entwicklung der deutschen Tourismuswirtschaft. Deshalb engagiert sie sich für die Gewinnung von Fachkräften und die Förderung des barrierefreien Tourismus. Sie unterstützt den touristischen Mittelstand durch die gebündelte Auslandsvermarktung des Reiselands Deutschland durch die Deutsche Zentrale für Tourismus sowie durch die gezielte Professionalisierung ländlicher Reiseregionen.

Struktur der Tourismusbranche

Neben wenigen großen Touristikkonzernen, die verschiedene Reiseleistungen unter einem Dach anbieten, ist die deutsche Tourismuswirtschaft überwiegend mittelständisch geprägt. So sind in Deutschland derzeit rund 2.500 Reiseveranstalter, 10.400 Reisebüros und 4.500 Busunternehmen tätig. Darüber hinaus bestehen mehr als 173.000 Unternehmen im Gastgewerbe, darunter rund 41.300 Beherbergungsunternehmen und 131.700 gastronomische Unternehmen. Eine Vielzahl touristischer Unternehmen ist Mitglied in entsprechenden Branchenverbänden.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) vermarktet das Reiseland Deutschland im Ausland. Für das Inlandsmarketing sind die Tourismusmarketing-Organisationen der 16 Bundesländer zuständig. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kommunale und regionale Tourismusorganisationen, die sich für die Tourismusentwicklung engagieren. Dachverband der kommunalen, regionalen und landesweiten Tourismusorganisationen in Deutschland ist der Deutsche Tourismusverband e.V. (DTV). Dieser engagiert sich koordinierend und beratend für eine erfolgreiche touristische Entwicklung in Deutschland.

Entwicklung der Tourismusbranche

Der Tourismus gilt weltweit als wichtiger Wirtschaftsfaktor, der zu Wachstum und Beschäftigung beiträgt. Im Jahr 2012 haben sich weltweit erstmals mehr als eine Milliarde Menschen auf eine touristische Reise ins Ausland begeben. Damit ist die Zahl der Auslandstouristen seit 1950 um das Vierzigfache gestiegen.

Von den weltweit ca. 1,035 Milliarden internationalen Touristenankünften im Jahr 2012 (Zuwachs von 3,8 Prozent zum Vorjahr) reisten allein nach Europa 534,8 Millionen Menschen. Das entspricht einem Anteil von 51,7 Prozent. Bis zum Jahr 2013 – so schätzt die Welttourismusorganisation (UNWTO) – dürfte die Anzahl der Touristenankünfte weltweit auf 1,8 Milliarden ansteigen.

Auch in Deutschland entwickelt sich der Tourismus sehr erfolgreich. Zum dritten Mal in Folge konnte 2012 ein neuer Rekord bei touristischen Übernachtungen erzielt werden und zum ersten Mal wurde die Grenze von 400 Millionen Übernachtungen übertroffen. Die Übernachtungen in- und ausländischer Gäste stiegen 2012 um 3,6 Prozent auf 407,3 Millionen, darunter bei ausländischen Gästen um 8,1 Prozent auf 68,8 Millionen.

Die Einkommens- und Beschäftigungseffekte des Tourismus werden in der amtlichen Statistik nicht widergespiegelt. Deshalb haben Eurostat, die OECD und die Welttourismusorganisation eine weltweit anerkannte Methodik entwickelt, die es ermöglicht, den Beitrag des Tourismus zur Gesamtleistung der Deutschen Wirtschaft und der Beschäftigung zu ermitteln.

Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte und vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in Auftrag gegebene Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“, die im Februar 2012 veröffentlicht wurde, stellt die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus anhand konkreter Zahlen dar:

  • Touristen gaben 2010 bei Privat- und Geschäftsreisen in Deutschland 278,3 Milliarden Euro aus. Davon entfielen 241,7 Milliarden auf deutsche und 36,6 Milliarden Euro auf ausländische Touristen.
  • Der direkte Beitrag des Tourismus zur Gesamtheit der wirtschaftlichen Leistung lag 2010 bei 97 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 4,4 Prozent an der Gesamtwirtschaft.
  • Im selben Jahr waren rund 2,9 Millionen Beschäftigte direkt im Tourismus tätig. Das entspricht einem Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt von 7 Prozent.

Die oben genannten Zahlen beziehen sich nur auf die so genannten direkten Effekte. Dabei werden die Umsätze und Beschäftigte nur derjenigen Unternehmen betrachtet, die ausschließlich im Tourismus tätig sind. Von indirekte Effekten spricht man, wenn man diejenigen Unternehmen mit einbezieht, die Güter oder Dienstleistungen an Unternehmen der Tourismuswirtschaft verkaufen. Schließlich gibt es auch noch induzierte Effekte. Das sind solche, die von den direkt und indirekt im Tourismus tätigen Unternehmen erzeugt werden. Rechnet man die indirekten und induzierten Effekte hinzu, ergibt sich das folgende Bild:

  • Einschließlich der indirekten und der induzierten Effekte trug der Tourismus 2010 mit rund 214 Milliarden Euro zur wirtschaftlichen Gesamtleistung Deutschlands bei und erreichte damit einen Anteil von 9,7 Prozent.
  • Unter Berücksichtigung der indirekten und induzierten Effekte des Tourismus sind insgesamt 4,9 Millionen Erwerbstätige im Tourismus beschäftigt, das sind 12 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.

Die Studie belegt die große Bedeutung der Tourismuswirtschaft innerhalb der deutschen Gesamtwirtschaft. Schon jetzt hat die Tourismuswirtschaft eine höhere Bruttowertschöpfung als die Kfz-Industrie, der Maschinenbau sowie die Bankwirtschaft. Zugleich macht die Studie deutlich, dass der Tourismus eine sehr arbeitsintensive Branche ist und damit zur Schaffung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen beiträgt.

-> Link zum kostenfreien Download des „Tourismuspolitischen Berichts der Bundesregierung“ (PDF: 661 KB)
-> Link zum kostenfreien Download der BMWi-Publikation „Wirtschaftsfaktor Tourismus Deutschland – Kennzahlen einer umsatzstarken Querschnittsbranche“ / Langfassung ( PDF: 3,4 MB )  / Kurzfassung ( PDF: 2,9 MB )

(mb / mit Informationen des BMWi)

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Marc Brümmer

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