Energie & Umwelt

Türkei und Shell planen gemeinsame Erdölförderung im Mittelmeer

Die Türkei hat sich für die Erschließung seiner Offshore-Lagerstätten mit dem britisch-niederländischen Ölkonzern Shell einen der einflussreichsten Branchenvertreter ins Boot geholt. Die Explorationsarbeiten in 2,5 Kilometern Tiefe innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone vor der Küste von Antalya sollen noch im Dezember beginnen. Die Einnahmen sollen dann zu gleichen Teilen geteilt werden. Zudem wollen die beiden Partner auch gemeinsam Schiefergas im Südosten des Landes gewinnen. Diese Region wird seit Jahren durch den bewaffneten Sezessionskampf der Kurden geprägt.

Ungelöst ist auch der Konflikt um die riesigen Öl- und Gaslagerstätten im östlichen Mittelmeer: Anfang 2011 wurden rund 130 Kilometer nordwestlich von Haifa (Israel) und 60 Kilometer vor Zypern ein riesiges 450 Milliarden Kubikmeter großes Erdgasfeld entdeckt („Leviathan“). Bereits 2009 war das benachbarte ungefähr halb so große Gasfeld „Tamar“ entdeckt worden. Auf die Bodenschätze erheben allerdings bis zu fünf Staaten Anspruch: Israel, der Libanon, das EU-Mitglied Republik Zypern und die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern – mit dem Fürsprecher Türkei – und auch Griechenland erhebt Ansprüche auf Teile der Region. Vor diesem Hintergrund der noch ungeklärten Aufteilungsfrage haben bereits Israel im Verbund mit dem US-Unternehmen Noble Energy, sowie die Türkei zusammen mit Nordzypern mit den Vorbereitungen zur Gewinnung von Öl und Gas in dem umstrittenen Mittelmeergebiet begonnen. Die Türkei hatte Ende September auch damit gedroht, Kriegsschiffe zu entsenden, die die Situation „kontrollieren“ sollen. Die Türkei strebt zur Deeskalation zunächst eine Lösung der noch immer offenen Zypernfrage an. Israel wiederum hat seit August damit begonnen, die Offshore-Gasfelder mit Militär-Drohnen 24 Stunden None-stopp zu überwachen. Hintergrund ist eine Drohung der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon. Da die Gasfelder auch vom Libanon beansprucht werden, hatte die Hisbollah angekündigt, israelische Förderaktivitäten in diesem Gebiet mit militärischen Mitteln zu bekämpfen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund brisant, dass es zwischen den beiden Nachbarstaaten immer noch keinen Friedensvertrag gibt, der Kriegszustand also offiziell auch nach Jahrzehnten noch andauert, so dass ein militärischer Angriff nicht unter die Zuständigkeit des UN-Sicherheitsrats fallen würde, da es derzeit nach offizieller Lesart keinen Frieden gibt, der bedroht werden könnte.

(mb)

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