Energie & Umwelt

Umstrittene CCS-Speichertechnologie leckt im größten Versuchsprojekt

Das weltgrößte Versuchsexperiment zur Kohlendioxid-Speicherung in unterirdischen Gesteinsschichten (CCS-Speichertechnologie / Carbon Capture and Storage) im kanadischen Saskatchewan nahe des Weyburn-Ölfeldes leckt. Bereits seit 10 Jahren wird dort das Kohlendioxid in den Boden verpresst, einerseits um die Emissionen zu reduzieren, andererseits um die Ausbeute aus dem Ölfeld zu erhöhen. Farmer berichteten zuerst von ungewöhnlicher Algenbildung, dann von in Seen hochsprudelndem Kohlendioxid und explosionsartig austretendem Grundwasser aus der Erde und nun von sterbenden Tieren. Die Consulting-Firma Petro-Find Geochem hat eine ungewöhnlich hohe Kohlendioxid-Konzentration in dem Boden festgestellt, das wegen seiner Isotopenzusammensetzung nur aus dem nahegelegenen Ölfeld stammen kann. Die Behörden wollen dies nun prüfen, ein Stopp des gigantischen Projekts käme jedoch nicht in Frage. In Deutschland hatten bereits Mitte 2010 mehrere regionale Wasserversorger vor der CSS-Technologie gewarnt: Diese würde das Trink- und Grundwasser gefährden. Bei Lecks droht den Anwohnern zudem eine ernsthafte Gefährdung. Die großen konventionellen Kraftwerksbetreiber sehen in der Technologie jedoch den rettenden Anker für Emissionsstarke (Kohle-)Kraftwerke. Ein Ausweg – nach eigenen Angaben ein „Meilenstein auf dem Weg zum Kohlendioxidfreien Kraftwerk“ – wird derzeit an dem Institut für Energiesysteme und Energietechnik an der TU Darmstadt entwickelt: Das sogenannte Carbonate-Looping (mittels Kalkstein) und das Chemical Looping. Beide Techniken nutzen natürliche Materialien, reduzieren die zur Kohlendioxid-Abscheidung nötige Energie auf weniger als die Hälfte und bedrohen im Gegensatz zur CCS-Speicherung in unterirdischen Gesteinsschichten nicht das Trinkwasser. Nach Abschluss der aktuellen Versuchsreihe soll mit dem Bau einer Demoanlage von kommerzieller Größe begonnen werden. Ab 2017 könnte dann die Serienproduktion beginnen.

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