Kolumnen

Umwälzung der Erde – Konflikte um Ressourcen

„Seal a Deal“ – schließt einen Pakt zur Rettung der Welt! Der Generalsekretär der Vereinten Nationen meinte es ernst: Die Weltwirtschaft müsse sauberer, grüner und nachhaltiger werden; sie sei zu schmutzig, zu schwarz und nicht zukunftsfähig. Er suchte Unterstützung für seine Vertragsidee dort, wo er starke Verbündete vermutet – in der Wirtschaft. Vorwort von Professor Udo E. Simonis zu "Umwälzung der Erde – Konflikte um Ressourcen" – Jahrbuch Ökologie 2010.

 

Und er forderte die Wirtschaftslenker auf mitzuhelfen, auch die politische Führung auf den Pakt einzuschwören. Es ginge schließlich um viel, um die Klimafrage, um den Erfolg der entscheidenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Es geht aber noch um viel mehr: Es geht um die Ressourcenfrage!

 

Die Kolonialgeschichte ist voller Beispiele von Ressourcenkonflikten; Plünderung, Gewalt und Übervorteilung waren ihre Kennzeichen. Konflikte nehmen zu und werden heftiger, wenn die Ressourcen knapper werden oder die Zahl der Nachfrager steigt. Wir sind ganz offensichtlich in einer neuen Phase der Konfliktverschärfung angelangt: Bei vielen nicht-erneuerbaren Ressourcen ist die maximale Extraktion (peak) überschritten, steht unmittelbar bevor oder ist bereits in absolute Knappheit übergegangen, während die Nutzung erneuerbarer Ressourcen überzogen wurde, erst noch aufgebaut werden muss oder zu neuartigen Widersprüchen führt. Die Weltbevölkerung nimmt weiterhin jährlich um 80 Millionen Menschen zu und wirtschaftlich  dynamische Länder tauchen auf dem Weltmarkt auf und unternehmen vielfältige Anstrengungen, den Wettbewerb um Ressourcen zu ihren Gunsten zu entscheiden.

 

Wenn Wettbewerb entsteht, kommt es aber auch zu neuen strategischen Ideen und Konzepten. „Steigerung der Ressourceneffizienz“ und „Erhöhung der Materialproduktivität“ wurden zu Leitideen. Bei den erneuerbaren Ressourcen wurde Schonung zum Thema, bei den nicht-erneuerbaren Ressourcen steht Recycling seit geraumer Zeit oben an – neuerdings gar in Dimensionen, für die es im Deutschen noch gar keine Begriffe gibt: „urban mining“ und „waste mining“. Und es gibt Begrenzungskonzepte, die aus der Not geboren wurden: Weil die Grenzen der Biokapazität weit überschritten sind, weil die Spuren, die wir dem Planeten Erde aufdrücken und die Lasten, die wir ihm aufbürden, zu groß und zu schwer geworden sind, muss der „ökologische Fußabdruck“ kleiner, der „ökologische Rucksack“ leichter werden.

 

Aber wie soll das geschehen? Bessere Technik kann helfen, ein Faktor X ist möglich, Eco-Design muss her – sagen die einen. Aus der Wachstumsfalle heraustreten, Genügsamkeit zum Thema machen, Gerechtigkeit walten lassen – sagen die anderen. Die Entzündlichkeit der Welt ist ohne Zweifel größer geworden, doch Krieg um Ressourcen muss es nicht unbedingt geben, wenn, ja wenn die ökologische Lernfähigkeit allüberall zunimmt und der politische Wille zu smarter Regulation steigt, die den Markt begrenzt und zugleich befriedet.

 

Das vorliegende Jahrbuch ist zeitlich umfassend, mit Rückblick in die Geschichte und Ausblick in die Zukunft. Es ist inhaltlich und konzeptionell voll spannender Ideen und Beispiele um die Erschließung, die Schonung und das Recycling von Ressourcen. Es zeigt, wie wir vom  „Ressourcenfieber“ befreit werden können, wie die Wirtschaft schlanker, die Gesellschaft genügsamer, wie Institutionen zu Umweltkommissaren werden können.

 

Und natürlich geht es auch um die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Autoren und Herausgeber des Jahrbuchs Ökologie haben sie kommen sehen, weil sie auf ungebremstem Wachstumsdrang, auf Gier, Rücksichtslosigkeit und institutionellen Schwächen beruhen, jenen Faktoren, die schon früh die Ökologiefrage hatten entstehen lassen. Daher wurden die Beiträge zur aktuellen Weltkrise perspektivisch an den Anfang gestellt – darunter ein Beitrag in Englisch, die aufrüttelnde Rede des obersten Treuhänders des Planeten Erde, Ban Ki-moon. Diese Krisen-Beiträge sind inhaltlich klar und eindeutig: Ökologischer Strukturwandel, De-Materialisierung, neue Balance zwischen Staat und Markt, langfristig tragfähige Lebensweise – allesamt Versuche der Verständigung über den ökologischen Imperativ.

 

Das Jahrbuch Ökologie, das nunmehr zum 19. Mal erscheint, sollte auch mit dem Jahrgang 2010 wiederum viele Leserinnen und Leser finden.

 

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Quelle: Professor Udo E. Simonis 2009

 

 

„Seal a Deal“ – schließt einen Pakt zur Rettung der Welt! Der Generalsekretär der Vereinten Nationen meinte es ernst: Die Weltwirtschaft müsse sauberer, grüner und nachhaltiger werden; sie sei zu schmutzig, zu schwarz und nicht zukunftsfähig. Er suchte Unterstützung für seine Vertragsidee dort, wo er starke Verbündete vermutet – in der Wirtschaft. Vorwort von Professor Udo E. Simonis zu "Umwälzung der Erde – Konflikte um Ressourcen" – Jahrbuch Ökologie 2010.

 

Und er forderte die Wirtschaftslenker auf mitzuhelfen, auch die politische Führung auf den Pakt einzuschwören. Es ginge schließlich um viel, um die Klimafrage, um den Erfolg der entscheidenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Es geht aber noch um viel mehr: Es geht um die Ressourcenfrage!

 

Die Kolonialgeschichte ist voller Beispiele von Ressourcenkonflikten; Plünderung, Gewalt und Übervorteilung waren ihre Kennzeichen. Konflikte nehmen zu und werden heftiger, wenn die Ressourcen knapper werden oder die Zahl der Nachfrager steigt. Wir sind ganz offensichtlich in einer neuen Phase der Konfliktverschärfung angelangt: Bei vielen nicht-erneuerbaren Ressourcen ist die maximale Extraktion (peak) überschritten, steht unmittelbar bevor oder ist bereits in absolute Knappheit übergegangen, während die Nutzung erneuerbarer Ressourcen überzogen wurde, erst noch aufgebaut werden muss oder zu neuartigen Widersprüchen führt. Die Weltbevölkerung nimmt weiterhin jährlich um 80 Millionen Menschen zu und wirtschaftlich  dynamische Länder tauchen auf dem Weltmarkt auf und unternehmen vielfältige Anstrengungen, den Wettbewerb um Ressourcen zu ihren Gunsten zu entscheiden.

 

Wenn Wettbewerb entsteht, kommt es aber auch zu neuen strategischen Ideen und Konzepten. „Steigerung der Ressourceneffizienz“ und „Erhöhung der Materialproduktivität“ wurden zu Leitideen. Bei den erneuerbaren Ressourcen wurde Schonung zum Thema, bei den nicht-erneuerbaren Ressourcen steht Recycling seit geraumer Zeit oben an – neuerdings gar in Dimensionen, für die es im Deutschen noch gar keine Begriffe gibt: „urban mining“ und „waste mining“. Und es gibt Begrenzungskonzepte, die aus der Not geboren wurden: Weil die Grenzen der Biokapazität weit überschritten sind, weil die Spuren, die wir dem Planeten Erde aufdrücken und die Lasten, die wir ihm aufbürden, zu groß und zu schwer geworden sind, muss der „ökologische Fußabdruck“ kleiner, der „ökologische Rucksack“ leichter werden.

 

Aber wie soll das geschehen? Bessere Technik kann helfen, ein Faktor X ist möglich, Eco-Design muss her – sagen die einen. Aus der Wachstumsfalle heraustreten, Genügsamkeit zum Thema machen, Gerechtigkeit walten lassen – sagen die anderen. Die Entzündlichkeit der Welt ist ohne Zweifel größer geworden, doch Krieg um Ressourcen muss es nicht unbedingt geben, wenn, ja wenn die ökologische Lernfähigkeit allüberall zunimmt und der politische Wille zu smarter Regulation steigt, die den Markt begrenzt und zugleich befriedet.

 

Das vorliegende Jahrbuch ist zeitlich umfassend, mit Rückblick in die Geschichte und Ausblick in die Zukunft. Es ist inhaltlich und konzeptionell voll spannender Ideen und Beispiele um die Erschließung, die Schonung und das Recycling von Ressourcen. Es zeigt, wie wir vom  „Ressourcenfieber“ befreit werden können, wie die Wirtschaft schlanker, die Gesellschaft genügsamer, wie Institutionen zu Umweltkommissaren werden können.

 

Und natürlich geht es auch um die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Autoren und Herausgeber des Jahrbuchs Ökologie haben sie kommen sehen, weil sie auf ungebremstem Wachstumsdrang, auf Gier, Rücksichtslosigkeit und institutionellen Schwächen beruhen, jenen Faktoren, die schon früh die Ökologiefrage hatten entstehen lassen. Daher wurden die Beiträge zur aktuellen Weltkrise perspektivisch an den Anfang gestellt – darunter ein Beitrag in Englisch, die aufrüttelnde Rede des obersten Treuhänders des Planeten Erde, Ban Ki-moon. Diese Krisen-Beiträge sind inhaltlich klar und eindeutig: Ökologischer Strukturwandel, De-Materialisierung, neue Balance zwischen Staat und Markt, langfristig tragfähige Lebensweise – allesamt Versuche der Verständigung über den ökologischen Imperativ.

 

Das Jahrbuch Ökologie, das nunmehr zum 19. Mal erscheint, sollte auch mit dem Jahrgang 2010 wiederum viele Leserinnen und Leser finden.

 

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Quelle: Professor Udo E. Simonis 2009

 

 

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