Historie

Unsere moderne Arbeitswelt: Entwicklungslinien und Arbeitsteilung

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Heute ist vor allem der Wissensarbeiter hoch angesehen in der arbeitsteiligen Gesellschaft. (Bild: startupstockphotos.com)

Deutschland als hochindustrialisiertes Land verfügt über sehr viele verschiedene Studiengänge, Ausbildungsberufe und Arbeitsteilung auf höchstem Level. Doch welche Aspekte der Arbeitswelt haben sich im Laufe der Zeit verändert? Wie entstand die moderne Arbeitsteilung, wie wir sie heute kennen? Denn Arbeitsteilung und funktionale Differenzierung spiegeln auch den Entwicklungsgrad unserer gesamten Gesellschaft wider.

 

Prähistorie: Die Anfänge der Arbeitsteilung

Selbstverständlich fällt es schwer, bei Urzeitmenschen mit einem Begriff wie Arbeitsteilung anzuknüpfen. Doch alleine die Vorstellung, dass Männer als Jäger und Sammler in der Umgebung der Behausung umherstreifen, während die Frauen Heim und Kinder versorgen (Die Arbeitsteilung von Mann und Frau ist auch ein etablierter Forschungszweit an Universitäten), hat einen wahren Kern, der deutlich macht, worauf es ankommt: Es gibt so viele verschiedene Arbeiten, dass Menschen

  • unterschiedlicher Geschlechter,
  • verschiedener Altersstufen sowie
  • verschiedenartiger Fähigkeiten und Wissensstände

sie nicht alle gleich kompetent verrichten können. Somit ist die Arbeitsteilung ein erster wichtiger Begriff, der am Anfang der Entwicklung steht.

Geistige und körperliche Arbeit

In Antike und Mittelalter entwickelte sich eine stärker abgestufte Gesellschaft, die sich vor allem in der Herrschaft von Adligen und kirchlichen Würdenträgern zeigte. Hierbei ist hervorzuheben, dass Bildung in der Antike der Zugang zu geistiger Arbeit war, die bereits von altgriechischen Philosophen im Gegensatz zu körperlicher Arbeit als höher angesehen wurde.

Zwar besteht diese Einteilung bis heute. Doch dass nur eine kleine Elite an Philosophen oder später Mönchen lesen oder schreiben konnte, während sich Bauern oder Handwerker körperlichen Arbeiten widmeten, hat sich durch die immense Verbesserung der Bildung, etwa durch die allgemeine Schulpflicht und das moderne Bildungssystem deutlich verändert. In Deutschland ist die Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben kein Vorteil mehr, da beinahe alle Arbeitenden sie aufweisen.

Fron und Abhängigkeit

Die entstandene Hierarchie führte in der Arbeitswelt des Mittelalters zu großen Abhängigkeitsverhältnissen weiter Bevölkerungsschichten. In vielen Orten in Deutschland existieren noch heute Straßenbezeichnungen mit dem Bestandteil „Zehnt“, die darauf hinweisen, dass Bauern zehn Prozent ihrer Erzeugnisse an den Klerus oder weltliche Herrscher abgeben mussten. Das Land, auf dem sie arbeiteten, gehörte einer dieser beiden Obrigkeiten, dafür mussten die Bewohner Pacht zahlen.

Noch im 19. Jahrhundert war Deutschland ein sogenannter Flickenteppich kleiner Fürstentümer und Herrschaften, in denen absolutistische Herrschaften eher Regel als Ausnahme waren. Somit konnten Kleinfürsten ihre Untertanen beispielsweise aus nichtigen Gründen in Kriege schicken, in welchen diese oft ihr Leben lassen mussten. Viele Gewerbe waren nicht selbstständig, sondern direkt abhängig von den damaligen Herrschenden.

Die Zünfte als Beispiel für die Arbeitsteilung

Ein bekanntes Beispiel für die Entwicklung der Arbeitsteilung im deutschsprachigen Raum – in der Schweiz bestehen sie bis heute – sind die Zünfte. Es handelte sich um ständische Körperschaften von Handwerkern, die mit einer Stimme ihre Bedürfnisse der Obrigkeit gegenüber vertreten wollten.

Beispiele für diese Berufe sind Weber, Schmiede, Schneider, Bäcker, Schuster oder Gerber. All diese Berufsgruppen waren dann innerhalb der Städte und Gemeinden meist auch in bestimmten Gassen oder Straßen angesiedelt. Auch dies ist vielerorts noch an den herrschenden Bezeichnungen ablesbar.

Demokratie und Bürgertum

Die Entstehung eines Bürgertums, das unabhängig von Kirche und weltlichen Herrschern an Einfluss und finanzieller Kraft gewann, leitete eine wichtige Änderung in der Berufswelt ein. Nicht mehr nur die Herkunft war entscheidend für das Fortkommen eines Menschen. Seine Leistung wurde immer wichtiger.

Dennoch war man nicht – wie heute – völlig frei bei der Berufswahl. Denn in den Zünften wurden die Söhne von den Eltern im jeweiligen Handwerk ausgebildet und hatten kaum Möglichkeiten, etwas anderes zu wählen. Insgesamt verbesserte sich jedoch die Arbeitssituation breiter Bevölkerungsschichten.

Durch die Mitbestimmung, die durch die Verbreitung demokratischer Ideen befördert wurde, wuchs das Bewusstsein, für seine Arbeit selbst verantwortlich zu sein. Die Ideale der Französischen Revolution spielten dabei auch für Deutschland eine große Rolle. Aufgrund der zersplitterten Herrschaftslandschaft hierzulande blieb jedoch die Arbeits- und Berufswelt in vielen der kleinen Fürstentümer streng geregelt und war durch starke Abhängigkeiten geprägt.

Industrialisierung

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In der Industrialisierung errang die Arbeiterschaft umfassende Schutzbestimmungen. (Bild: Petter Rudwall / unsplash.com)

Ausgehend von England fasste auch im deutschsprachigen Raum die Industrialisierung Fuß. Insbesondere das Elend der Weber, welches von Schriftstellern wie Gerhart Hauptmann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Theaterstücken aufgegriffen wurde, ist ein tragisches Beispiel. Ohne Schutzbestimmungen, wie wir sie heute kennen, arbeiteten Kinder, Frauen und Männer, um je nach Nachfrage vom Fabrikbesitzer oder Abnehmer entlassen oder abgewiesen und damit Hunger und Not preisgegeben zu werden.

Die Industrielandschaft in Deutschland ist heute aufgrund ihrer Qualität aber auch wegen ihrer Schutzbestimmungen für die Arbeitnehmer weltbekannt. Tausende hochspezialisierte Konzerne oder mittelständische Betriebe, wie der schwäbische Drehgeber- und Zählwerkproduzent Hengstler stehen dafür als funktionierendes Beispiel. Die speziellen Produkte, welche in diesem Falle in verschiedene Maschinen als Zählwerke und Sensoren integriert werden, zeigen exemplarisch, wie vielfältig unsere Arbeitswelt auf die Anforderungen der Moderne reagiert.

Heutige Arbeitswelt

Die heutige Arbeitswelt ist von den Errungenschaften ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer noch geprägt. Der Aufstieg von Gewerkschaften, die Etablierung einer stabilen (zunächst westdeutschen) Demokratie nach dem zweiten Weltkrieg sowie die Anschaffung moderner Maschinen nach der „Stunde 0“ im Jahre 1945 half Deutschland, sich wirtschaftlich und arbeitsrechtlich zu konsolidieren und zur Wirtschaftsnation aufzusteigen.

Das Bildungssystem hat auf die Anforderungen einer globalisierten Wirtschaft reagiert. Die Bundesregierung und die einzelnen Länderregierungen integrieren Praktika, Fortbildungen, Umschulungen und sonstige Weiterbildungen für junge und alte Menschen in die moderne Arbeitswelt. Ebenso vielfältig sind die Studiengänge und Ausbildungsberufe sowie die Fördermöglichkeiten für Selbstständige und Gründer mit guten Ideen, sodass Deutschland selbst für weltweite Krisen wie in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre gewappnet war.

Katja Heumader

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