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Unsicherheiten vermeiden heißt Entscheidungen vermeiden

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Rechts oder links: Entscheidungen sind immer mit Risiken verbunden. (Bild: Jordan McQueen / unsplash.com)

Entscheidungen zu treffen, vor allem Entscheidungen, bei denen wir etwas investieren müssen und damit auch etwas verlieren könnten, fällt uns schwer. Denn: Die meisten von uns mögen keine Unsicherheiten. Dabei sind Unsicherheiten und Risiken ja nicht per se schlecht: Schließlich ist nur aufgrund eines Risikos noch nichts verloren – es ist ja nur ein Risiko und keine Tatsache. Fakt ist: Mit jeder Entscheidung sind Unsicherheiten und Risiken verbunden, egal welcher Art diese Entscheidung ist. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Deshalb plädiert Thomas Wuttke im heutigen letzten Teil seiner Themenserie „Entschlossen – Erfolgreich – Entscheiden“ dafür, dass wir unsere Einstellungen in Bezug auf Unsicherheiten und Erfolgsquote überdenken müssen.

Ein Geschenk

Sie bekommen etwas geschenkt, entscheiden Sie schnell:

A) Einen Amazon-Gutschein über 10,- Euro – geschenkt – , oder
B) lieber einen Amazon-Gutschein über 20,- Euro. Für den müssen Sie mir aber 7,- Euro bezahlen.

Ihre Wahl? A oder B? Schnell!

Ob Sie es glauben oder nicht, die Mehrzahl wählt Alternative A. Sie auch? Warum? Aus Sicht des Schnäppchenjägers ist Variante B eindeutig gewinnbringender, sie hat einen Wert von 13,- Euro, während die Variante A ja nur 10,- Euro wert ist. Warum verzichtet die deutliche Mehrheit der Befragten und vielleicht ja auch Sie also offenen Auges auf einen Vorteil in Höhe von 30 Prozent?

Weil Sie etwas investieren müssten. In ein zwar sehr risikoarmes Geschäft, aber zunächst müssten Sie in Vorlage treten. Es bleibt ein Hauch von Unsicherheit, schlimmer noch: von Verlustangst. „Nachher stimmt da irgendwas nicht mit dem Gutschein und ich bin dann auch noch die 7,- Euro los.“, mag als Gedankensplitter dem einen oder andern durch den Kopf gehen.

Das ist ja gerade das Schöne an Variante A. Diese Variante ist völlig risikofrei, wenn auch ungünstiger. Uns begegnen diese Spiele täglich, das Prinzip ist den Marketiers nicht unbekannt. Geschenkt ist immer gut!!

Unsicherheiten machen panisch

Wir hassen Unsicherheiten. Wir möchten keine Unsicherheiten. Veränderung? Bleib mir fort! Wer weiß, was dann kommt. Die Unsicherheitsvermeidung treibt bunte Blüten: Wir bezahlen zu viel, gehen falsche Wege und in die falsche Richtung. Bauen Scheingenauigkeiten auf. Wiegen uns in vermeintliche Sicherheiten. Verlassen nicht unser Schneckenhaus. Ziehen immer den Spatz in der Hand vor. Wir orientieren uns an anderen, am Mainstream. Weil: In der Gruppe stirbt es sich leichter.

Letztendlich ist Angst vor der Unsicherheit der schlechteste Ratgeber bei Entscheidungen. Mit Unsicherheit ist nicht Unwissen gemeint, sondern schlichtweg eine Bandbreite möglicher Ergebnisse. Mögen wir nicht. Viele Businesspläne prognostizieren die Umsätze und Kosten der kommenden fünf Jahre mit zwei Nachkommastellen, aber an eine Wetterprognose von mehr als fünf Tagen glauben wir nicht. Witzig, oder? Schimpfen dann auf die Inkompetenz der Meteorologen, während wir für unseren Businessplan das nächste Kalenderjahr weissagen. Mit zwei Nachkommastellen.

Erfolgreiche Entscheidungen

Kompetent und entschlossen zu entscheiden, heißt nicht, Schnellschüsse und Scheingenauigkeiten (Mehr dazu in meinem Beitrag Eintrittswahrscheinlichkeiten richtig einordnen: Das Kreuz mit der Statistik) zu produzieren. Um erfolgreiche Entscheidungen zu platzieren, muss der Tanz mit der Unsicherheit gewagt werden. Dann werden eben halt einmal sieben Euro riskiert. Oder auch mal mehr!

Für erfolgreiche Entscheidungen sind letztlich drei Aspekte wichtig:

  1. Genaue Informationen über Sachverhalt und Unsicherheiten sammeln
  2. Das Ei legen
  3. Und nicht an eine 100-prozentige Trefferquote glauben

1. Informationen sammeln

Natürlich so viel Sachinformationen wie möglich sammeln, wenn möglich vorurteilsfrei. Um vorurteilsfrei sammeln zu können, muss ich wissen, wo mein limbisches System (mehr dazu in meinem Artikel Das Großhirn entscheidet selten alleine) mit mir Scherze treibt und mich in die Irre leitet. Neben den Sachinformationen gehören in dieses Kapitel auch Informationen über Unsicherheiten, die meine Ziele betreffen. Das sind die Risiken. Achtung. Noch ist nichts passiert, Risiken sind keine Probleme, sondern Unsicherheiten auf ein Ziel. Und je mehr ich kenne, desto besser ist es doch, oder?

2. Das Ei legen

Die Entscheidung treffen, entschlossen treffen. Nicht endlos in Phase 1 bleiben, man kann sich auch tot-analysieren. Irgendwann ist gut, dann kommt es zum Ei. Jede Entscheidung hat eine Sachkomponente, eine emotionale Komponente und Unsicherheiten. Wer Phase 1 nicht verlässt, sondern erst noch weiter Informationen sammeln muss, um Unsicherheiten zu vermeiden, glaubt irrtümlich daran, dass sich Unsicherheit ausplanen lässt. So ist es nicht. Jede Entscheidung birgt Risiken. Immer.

3. Nicht an die 100-prozentige Trefferquote glauben

Es ist ja unmöglich, immer richtig zu liegen. Der Griff daneben gehört zum Spiel und ist kein Stigma einer falschen Planung oder Vorbereitung. Ganz und gar nicht.

Eine weitverbreitete Variante des obigen Entscheidungsmodells ist das Verrennen im Sammeln von Sachinformationen, im irrigen Glauben, damit die Risiken zu vermeiden. Für Anhänger dieser Denkschule sind Risiken ein Zeichen von handwerklichen Defiziten. Irgendwann (viel zu spät) wird dann unter Schmerzen das Ei gelegt, meist mit dem zurechtgelegten Hinweis, diese Entscheidung nicht alleine getroffen zu haben, sollte sie sich als ungünstig erweisen. Fingerpointing ist eine angesagte Disziplin, falls es daneben geht, 100-prozentig ist das Mindeste, was ich von mir erwarte…

Risikokompetenz ist Entscheidungskompetenz

Der Schlüssel zu erfolgreichen Entscheidungen liegt in der Wahrnehmung und Einschätzung von Risiken. Wir brauchen eine andere Kultur, wenn wir wollen, dass unsere Entscheidungen besser werden. Keine genaueren Schätzungen (ein lächerliches Oxymoron), keine besseren Pläne, sondern eine andere Haltung:

  1. Abschied vom Homo Oeconimicus. Wir entscheiden nicht optimal, selbst wenn alle Informationen verfügbar sind. Wir müssen unsere Verhaltens- und Denkmuster studieren, um unsere eigene Anfälligkeit für Heuristiken einschätzen zu können. Ein großer Schritt wäre bereits getan, wenn wir unsere Defizite in dieser Richtung zunächst einmal nur zur Kenntnis nehmen würden.
  2. Kein Vorhaben ohne Risiken. Wer zu einem Vorhaben die Unsicherheiten nicht benennen kann, will ein Märchen erzählen. Man kann nicht eine globale Software ausrollen und behaupten, es gäbe genau drei Risiken. Eine kleine Anzahl von Risiken ist KEIN Indikator eines risikolosen Vorhabens, sondern ein Indikator, dass mich jemand für dumm verkaufen möchte. Auch wenn wir Unsicherheiten nicht mögen, sie sind da. Viele Risiken sind eigentlich gut, weil ja noch keine Probleme.
  3. Machen – Entschlossen machen – auch unter unsicheren Bedingungen. Man kann nicht warten, bis alle Fragen geklärt und ausgeplant sind. Wer zulange wartet, wird nicht nur vom Leben bestraft. Enjoy the joy of the ride!
  4. Nicht nur die Treffer feiern. Das ist vielleicht die größte Hürde auf dem Weg erfolgreicher Entscheidungen. Wenn jeder Schuss ein Treffer ist, stimmt was nicht.

Dies ist nun der letzte Teil unserer gemeinsamen Reise betreffend entschlossene und erfolgreiche Entscheidungen. Vergessen Sie nicht: Erfolgreiche Entscheidungen fallen nicht vom Himmel. Wenn doch, war es Zufall. Erfolgreiche Entscheidungen entstehen aus dem richtigen Umgang mit Unsicherheiten. Nicht immer und nicht garantiert – aber nie, wenn alle Unsicherheiten vermieden werden müssen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Entschlossenheit und natürlich Erfolg auf Ihren zukünftigen Entscheidungswegen!

Ihr
Thomas Wuttke

 

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Experte für Risikomanagement Thomas Wuttke. (Bild: © Thomas Wuttke)

Über Thomas Wuttke

Thomas Wuttke ist Speaker, Trainer, Manager, Dozent, Autor und Experte für Risikomanagement und erfolgreiche Entscheidungen. Er hatte über lange Jahre zahlreiche hohe nationale und internationale Managementpositionen inne. Der Herzblut-Unternehmer ist seit Mitte der 80er Jahre selbstständig. Kurz nach dem Studium gründete er seine erste Firma, ein Softwarehaus. Über ein Dutzend Firmen hat er seitdem ins Leben gerufen, gekauft und wieder verkauft. Mit dickem Plus aber manchmal auch mit schmerzhaften Minus. Thomas Wuttke weiß, wovon er spricht, wenn es um Risiken und harte Entscheidungen geht. Ganz nach seinem Motto „Entschlossen – Erfolgreich – Entscheiden“ legt er dar, wie wichtig es ist, Risiken zu erkennen und bewusst einzugehen. Denn: keine Entscheidungen zu treffen bringt garantiert auch keinen Erfolg. Die Zuhörer der Vorträge von Thomas Wuttke schätzen die Kombinationen aus tiefem Erfahrungsschatz, profunder Theorie und eingängiger Darstellung. Ganz ohne PowerPoint und äußerst unterhaltsam! Mehr über Thomas Wuttke auf dem AGITANO-Expertenprofil.

Katja Heumader

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