Wirtschaft

USA bis 2013 mit Nullzinspolitik – zwei weitere Jahre billiges Geld

Die US-Notenbank Federal Reserve hat entschieden, angesichts eines drohenden Rückfalls der US-Wirtschaft in eine Rezession den Leitzinssatz für zwei weitere Jahre bei Nahe Null zu lassen (0-0,25%). Damit wird die Politik des billigen Geldes bis 2013 fortgesetzt und die Finanzmärkte mit neuen Milliardensummen geflutet. In der Reaktion atmeten die Märkte in Asien im frühen Handel auf und starteten mit Gewinn in den Tag.

Als nächster Schritt müsste nun die unter anderem von dem französischen Präsidenten Sarkozy im Rahmen seines derzeitigen G8-Vorsitzes angekündigten Maßnahmen gegen die ausufernde Spekulation an den Finanzmärkten folgen, da sonst das Regulativ des Preises bedroht wird: Der Preis wird über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage geregelt. Nimmt die Geldmenge dramatisch zu, kommt es zu Verzerrungen in der Preisbildung an den Börsen, da die Nachfrage künstlich stark erhöht wird. Das Potential für eine Blase steigt. Gefährlicher noch, wenn die Geldmengen nicht investiert werden, sondern rein spekulativ in die Rohstoffmärkte fließen. Dann muss die Realwirtschaft und der Verbraucher mit höheren Preisen leben und die hart erarbeiteten Unternehmensgewinne und Lohnzuwächse werden an die Spekulanten, die die höheren Preise zu verantworten haben, umverteilt. Seit 2008 gab es besonders in den ärmeren Ländern schon zahlreiche sogenannte Hungerrevolten, die vor allem gegen die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Treibstoff protestierten. Hunderte Tote und auch die Umwälzungen in Nordafrika sind zu großen Teilen auf diese destabilisierenden Einflüsse der unkontrollierten Finanzmärkte zurückzuführen. 2008 hatte sich innerhalb eines Jahres nach Informationen des WDR die Spekulationssumme um 600% vervielfacht. Grund war die spekulative Flucht von Milliardensummen aus den Finanzmärkten im Vorfeld der Finanzkrise hinein in die Rohstoffmärkte, in denen sie eigentlich nichts zu suchen haben. (Siehe auch den Artikel „Sarkozy findet Rohstoffmärkte ’sind ein Witz‘ und zieht Mafia-Vergleich“ vom 16.06.2011).

Als Reaktion auf die aktuelle, enorme Liquidität hat die Europäische Zentralbank (EZB) am gestrigen Dienstag dem Geldmarkt in einem Schnelltender rund 145,2 Milliarden Euro für einen Tag entzogen. An dem Geschäft haben sich 121 Banken beteiligt. Als Grund gab die EZB einen starken Liquiditätsüberhang am Geldmarkt an. Die fortgesetzte US-Politik des biligen Geldes wird den Handlungsdruck in diesem Bereich noch weiter verstärken. (mb)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.