Kolumnen

Verrückw(ä)rtigkeit … . Oder: der ganz normale Wahnsinn

Zerrissene Zeitschrift vor altem Radio und Fernbedienung das Alte kommt wieder und veraendert die Wirklichkeit

Wirklichkeit, was ist das eigentlich? In Zeiten, in denen Menschen, welche Ansichten vertreten, die längst als überholt galten, in politische Spitzenämter gewählt werden oder vegane Frauen die Macht besitzen, das öffentliche Abspielen traditioneller Kinderlieder zu unterbinden, darf man sich diese Frage durchaus stellen! Das dachte sich auch unser Kolumnist Ulrich B Wagner. Im heutigen Beitrag von „QUERGEDACHT & QUERGEWORTET — Das Wort zum Freitag“ versucht er Erklärungen zu finden, die beschreiben, wie es so weit kommen konnte.

Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Hals zu schreiben.

Johann Wolfgang von Goethe

Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit?

Die Götter müssen vielleicht nicht wirklich verrückt sein, aber ordentlich auf den Kopf gefallen sind sie jedoch mit Sicherheit:

(Quelle: YouTube).

Der Eine so, der Andere halt so. Irgendwie nett sind sie ja doch oder doch nicht? Sei’s drum, so richtig hinter dem Ofen holt das ja eh keinen mehr ab. Warum auch? Es fliegt ja schon alles völlig losgelöst in der Gegend rum, samt Ofen, samt denen davor und denen dahinter. Wo wer dann am Ende des Tages wirklich wo herkommt spielt dann auch keine Rolle mehr.

Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit?
Wahr und unwahr? Richtig und falsch?
Normal? Was ist eigentlich noch normal außer dem Abnormalen?
Dem Vergangenen genauso wie dem vermeintlich Morgigen oder dem was vom Morgen überhaupt noch übrig bleibt.

Fuchs du hast die Wirklichkeit gestohlen?
Nicht Gans! Oder doch?

Im beschaulichen Limburg an der Lahn aber auf alle Fälle wie als erstes die Nassauische Presse und nunmehr auch der Rest der Medienwelt berichtet: „Die Melodie von »Fuchs, Du hast die Gans gestohlen« erklingt auf alle Fälle aber erst einmal nicht mehr aus dem Türmchen des Limburger Rathauses. Einer veganen Tierschützerin war das Kinderlied auch in der Instrumentalversion zu heftig.

33 Lieder hat das Glockenspiel im Turm des Limburger Rathauses im Repertoire. Die dazugehörigen Weihnachtslieder wie »Stille Nacht« sind saisonbedingt zurzeit nicht in der Rotation. Auf ein anderes Lied wird vorübergehend auch verzichtet – um die Gefühle einer Veganerin zumindest zeitweise zu schonen. Einen entsprechenden Bericht der Nassauischen Neuen Presse bestätigte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch hessenschau.de“ (Quelle: „Pause für »Fuchs, Du hast die Gans gestohlen« Rathaus-Glockenspiel nach Veganer-Protest geändert“)

Ist das Trump-Fieber ansteckend?

Kann man sich wirklich noch an der Gegenwart festhalten oder verkommt nicht schon das Halten an ihr, ja der bloße Versuch des Haltens, nicht immer auch gleich zu einem Klammern? Vielleicht auch nicht zwangsläufig, nicht automatisch auch zu einem Reißen, aber immer doch, auch wenn ungewollt zu einem Ausreißen dessen was man Leben, ein Leben mit und nicht ohne Sinne, im Hier und Jetzt nennt?

Radix, radicis! Zuviel der Radikalität vielleicht?

Oder könnte es nicht doch eher so sein, dass Radikalität sich gerade nicht im Ausreißen der Wurzeln äußert, sondern in ihrer wahren, echten und guten Pflege, ihrer Versorgung und Raumgebung? Ist nicht sie es gerade, die das Wurzelgemüse im Eintopf echter Freiheit ausmacht? Der Hort des Lebenssaftes, der Energie, des Augenblicks im Übersprung zum Morgen? Wer weiß … ?

Goethe hatte auf alle Fälle Recht als er meinte, dass jeder Zustand, ja jeder Augenblick, von unendlichem Wert sei. Denn er ist nicht nur der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit, sondern auch der Möglichkeitsraum des Unmöglichen.

Die Zwischenräume nutzen

Was wir jetzt gerade erleben, hat jedoch mit Gegenwart rein gar nichts zu tun, sondern entstammt einer Rückwärtsgewandheit, einer ewigen Gestrigkeit, einer Verrückwärtigkeit, wie ich es nenne, die einfach nur als bekloppt, widerwärtig und abartig zu bezeichnen ist, da sie alles, einfach alles, was den wahren Wert des Lebens ausmacht, untergräbt und der Lächerlichkeit preisgibt.

Es gilt daher die Zwischenräume zu nutzen, denn nur sie sind es auch, die Lebensräume ermöglichen, zwischen dem sich immer weiter ausbreitenden Autismus auf der einen und dem despotischen Wir-Gefühl der Rückwärtigkeit auf der anderen Seite.

Alles Andere, ob nun die Wählerstimmen, die vermeintliche Zustimmung oder das infame Mitläufertum, dürften wohl, wie so häufig schon in der menschlichen Geschichte, nur der Angst vor einem echten Neuanfang geschuldet sein. Vielleicht wagen wir es ja doch noch, wer weiß?

Ich sing so lange mal:

Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her!/
Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.
Eine große, lange Flinte, schießt auf dich den Schrot,/
dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.
Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb.
Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb.

Ihr Ulrich B Wagner

Ulrich B Wagner

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