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Vom Telefonat bis zur Präsentation: Ihr Auftritt ist hörbar

… aus der wöchentlichen Themenserie „Sprechen wie der Profi – Eine Themenserie rund um den Brustton der Überzeugung“ mit der Stimm- und Sprechtrainerin, Business Coach und Rednerin Dr. Monika Hein. Nach Teil 8 „Sprechen & Geschlecht: Leise Mäuschen und hysterische Ehefrauen” erfahren Sie heute im neunten Teil mehr über das Sprechen, den persönlichen Auftritt und den Einsatz der eigenen Stimme auf den unterschiedlichen Bühnen des Lebens, sei es vor großem oder kleinem Publikum, sei es in kleiner Runde oder am Telefon.

 

Viele Jahre habe ich Schauspieler an zahlreichen Schulen in Hamburg unterrichtet. In deren Grundausbildung geht es um Körperübungen, Atmung und Stimmlockerung. Ziel dieser Phase ist die so genannte „Durchlässigkeit“: Der Körper des Schauspielers soll die Gefühle der Figur direkt übersetzen können, soll frei von Blockaden und Hemmungen sein. In der zweiten Phase pauken die Schauspieler Deutsche Phonetik, lernen Laute zu formen und diese für ihren Ausdruck zu nutzen. Ihre Stimmen werden kräftiger und tragfähiger. Im letzten Ausbildungsjahr liegt der Fokus auf der Textgestaltung. In der Praxis bedeutet das, dass sich die angehenden Schauspieler in manchen Ausbildungsstätten entscheiden, ob sie auf die Bretter, die die Welt bedeuten wollen, oder doch lieber vor die Linse: Theater oder Film/TV.

Unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten der Stimme

Anruf, Callcenter, Kundentelefon
Machen Sie Ihren Auftritt selbst am Telefon hörbar. (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

Das macht für die Ausbildung der Stimme einen deutlichen Unterschied. Während man im Fernsehen durch moderne Technik auch sehr leise, sehr intime Szenen so spielen kann, dass die Zuschauer alles verstehen, müssen Theaterschauspieler ihr Publikum in einem großen Raum erreichen. Das bedeutet: Sie brauchen eine ganz andere Spannung im Körper und in der Stimme als die Kollegen vor der Kamera. Eine weitere Möglichkeit: Die angehenden Schauspieler entscheiden sich (auch als Nebeneinkommen) für den Beruf des Sprechers. In diesem Fall sieht der Zuschauer den Körper des Sprechers nicht. Klar, dass die Stimme hier wieder auf eine andere Art eingesetzt werden muss. Für mich ist ein guter Schauspieler derjenige, der die Eigenschaften der verschiedenen Bühnen kennt und seine Stimme adäquat benutzt.

Auch auf der Business-Bühne benötigen wir alle viele Stimm-Facetten. In vielen Situationen sind ein angemessener Stimmgebrauch sowie eine adäquate Sprechweise essenziell. Meistens sprechen wir Menschen intuitiv stimmig. Manches Mal spielen uns allerdings die Emotionen einen Streich und wir bekommen es mit der „Bühnenangst“zu tun, egal wie groß unsere Bühne in dem Moment ist.

Auftritt auf der großen Bühne

Die größte Herausforderung, zumindest mental, ist unser Auftritt auf der großen Bühne, vor viel Publikum, vor ganzen Belegschaften oder auf Kongressen. Wir befinden uns in einer ungewohnten Situation, wenn wir von so vielen Augenpaaren angesehen zu werden. Wir machen daraus oft selbst ein kleines Drama. Mit Sätzen wie „Wenn so viele zuhören, muss ich gut sein!“machen wir uns selbst Druck. Der Körper reagiert höchst angespannt: Er schaltet auf „Flucht oder Kampf“, der Mensch spricht hektisch, schnappt nach Luft, bekommt rote Flecken.

Mein Tipp: Stellen Sie sich vor, Sie treten mit ihren Zuhörern in den Dialog. Denken Sie nach jedem wichtigen Inhalt: „Okay? Verstanden?“ In dieser Pause erlauben Sie den Zuhörern, das Gesagte zu verarbeiten. Sie selbst kommen zu Luft und regulieren das Tempo. Halten Sie außerdem unbedingt Blickkontakt zu verschiedenen, nett dreinblickenden Menschen. So erscheinen Sie persönlich und haben selbst das Gefühl, im Zwiegespräch zu sein. Doch Vorsicht: Ändern sie den Blickwinkel im Raumnach Sinnschritten und senden Sie Ihre Stimme locker zu allen Ohren!

Auftritt auf kleineren Bühnen

Mit einer etwas kleineren und überschaubaren Bühne, einem Kammerspiel, sind wir bei Präsentationen vor dem Team oder vor Kunden konfrontiert. In der Regel finden diese Auftritte in einem recht überschaubaren Rahmen, in kleineren Räumen statt. Doch auch in scheinbar einfachen Präsentationen stehen wir vorne allein. Für das körperliche System stellt das eine Bedrohung dar. Erschwerend kommt hinzu: Sie haben oft nicht genug Platz, um sich Ihr Terrain zu sichern.

Mein Tipp: Gestalten Sie Ihre Bühne. Verschaffen Sie sich Platz, selbst wenn das bedeutet, den Bereich etwas umzubauen. Je mehr Raum Sie haben, desto besser geht es Ihrem Körper, denn so kann er sich aufrichten und frei atmen. Auch hier ist es immens wichtig, den Kontakt zu den Zuhörern zu halten. Absolutes Tabu: Sprechen zu den Folien!

Das 2er Gespräch – Ihr Auftritt im Kleinen

Ein Tür- und Angel-Gespräch mit dem Kollegen, das Mitarbeitergespräch mit dem Chef oder ein wöchentliches Meeting lässt sich sehr schön mit einer Filmszene vergleichen. An diesen Nebenschauplätzen finden oft entscheidende Gespräche statt, z.B. auch beim Essen, in der Kaffeeküche oder an der Bar. Seien Sie sich im Business-Kontext stets bewusst: Sie sind nicht privat unterwegs.

Mein Tipp: Entscheiden Sie, welche Teile Ihrer Persönlichkeit Sie preisgeben möchten und welche allein Ihnen und Ihrer Familie gehören. Das können Sie gut über den Körper und die Stimme definieren. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie möchten und lassen Sie sich nicht verwickeln, nur weil es kein offizielles Meeting ist. Allzu schnell sprechen sich Dinge herum und lassen sich nicht wieder geradebiegen. Auch hier gilt: Nehmen Sie sich den Raum, den Sie brauchen, damit man Sie nicht „gegen die Wand“ spricht.

Ihr Auftritt am Telefon

Einen Mikrofonsprecher-Einsatz haben Sie vermutlich täglich. Sie telefonieren mit Kunden oder Kollegen oder nehmen an einer Telefonkonferenz teil. Jedes Telefonat ist ein Sprecher-Einsatz. Man kann nur Ihre Stimme hören, nicht jedoch Ihren Körper sehen. Zu hören ist aber immer, ob Sie körperlich aktiv oder passiv sind, ob Sie lächeln oder einen Flunsch ziehen, ob Sie aufmerksam sind oder gerade nebenbei Ihre E-Mails checken. Ein aktiver Körper, eine freundliche Mimik und ein offenes, zugewandtes Ohr führen auf jeden Fall zu einem gelungenen Telefonat.

Mein Tipp fürs Telefon: Sitzen Sie aufrecht oder stehen, bzw. gehen Sie. Lächeln Sie hin und wieder, man kann es hören! Wenden Sie sich komplett vom Rechner ab und stellen Sie sich dem Sprechpartner voll zur Verfügung! Das zeigt zusätzlich Wertschätzung und Respekt!

Für alle Ihre Bühnen gilt: Treten Sie stets bewusst ins Rampenlicht und setzen Sie Ihre Ausdrucksmittel zielgerichtet ein! Ihnen einen guten Auftritt!

Ihre Monika Hein

 

Sprechen wie der Profi
Dr. Monika Hein (Foto: © Romanus Fuhrmann)

Über Dr. Monika Hein

Dr. Monika Hein ist Rednerin, Stimm- und Sprechtrainerin, Business Coach und Trainerin (dvct) sowie Sprecherin in Funk und TV. Sie trainiert seit 2004 Führungskräfte, Kundenberater, Anwälte, Notare, Verkäufer, Moderatoren, Schauspieler, Dolmetscher, kurz gesagt, all diejenigen, die beruflich auf den Einsatz ihrer Stimme angewiesen sind. Sie verhilft Menschen zu einem klaren Ausdruck, mit dem sie sich stark und sicher fühlen.

Im März 2014 ist ihr Buch „Sprechen wie der Profi – Das interaktive Training für eine gewinnende Stimme“ im Campus Verlag erschienen.

Mehr zu ihrer Person finden Sie auf ihrem AGITANO-Expertenprofil von Monika Hein und unter www.monikahein.de.

Oliver Foitzik

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