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Wachstum um jeden Preis? Warum Erfolg auch durch Weglassen entsteht

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Viele Unternehmen wollen wachsen, und zwar um jeden Preis. Aber wenn wenn über die strategische Ausrichtung eines Unternehmens gesprochen wird sollten Chancen und Risiken einer Ausweitung von Geschäftsbereichen oder einer Auslandsexpansion immer realistisch gegeneinander abgewogen werden. Manchmal kommt man dann zu dem Schluss, dass es besser ist, auf etwas zu verzichten. Warum Wachstum nicht alles ist und wie Unternehmen ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen, verrät Andrea Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG im Interview mit AGITANO.

Wachstum: Chancen richtig einschätzen

Hallo Frau Mollenhauer. Was raten Sie Unternehmen, die wachsen wollen?

Als erstes würde ich das Management fragen, wie das Unternehmen wachsen soll: Wachstum von Gewinn und Umsatz mit bestehendem Portfolio? Wachstum durch Niederlassungen in anderen Ländern? Oder Wachstum durch neue Produkte?

Wenn das Unternehmen eine Auslandsexpansion oder eine Erweiterung des Produkt- oder Geschäftsbereiches plant, dann rate ich dazu, strategisch Kosten und Nutzen möglichst genau abzuwägen und daraus rationale Schlüsse zu ziehen, ob die Ausweitungen sinnvoll sind oder nicht. Das Unternehmensmanagement muss sich fragen:

  1. Welche technischen Fähigkeiten und welches Knowhow sind im Unternehmen bereits vorhanden?
  2. Inwieweit können diese Skills ausgebaut werden?
  3. Können Sie mit diesen Ressourcen Ihre Wachstumsbestrebungen stemmen?

Was, wenn Unternehmen Fehleinschätzungen getroffen haben? Jetzt stehen sie vor einer Sparte oder einem Produkt, das einfach kein Geld abwirft und in das man nur weiter investiert – ohne Return.

In diesem Fall rate ich dem Management zu gnadenlosem Realismus: Die Sparte muss abgegeben werden bzw. das Produkt eingestellt – sofern nicht wirklich kurzfristig Wachstumspotenzial sichtbar ist. Denn mit einer nicht-lukrativen Idee wird im Zweifel die Zukunft des ganzen Unternehmens aufs Spiel gesetzt. Wer eine Produktentwicklung einstellt, setzt Ressourcen frei für Projekte, in die sich Investitionen lohnen. Das können Sie auch in meinem Beitrag für das mmc Magazin Investitionen um jeden Preis? Strategisch denken heißt auch verzichten! nachlesen.

Trennungen erfordern Mut

Warum fällt es Unternehmen so schwer, sich von Ideen oder sogar ganzen Geschäftsbereichen zu trennen?

Besonders wenn bereits Geld und Zeit in die Produktentwicklung geflossen ist, ist es schwer, diese Investitionen einfach abzuschreiben. Unternehmer stecken dann lieber noch mehr Geld hinein, in der Hoffnung, dass irgendwann vielleicht doch noch Gewinne erzielt werden.

Aber dieser Schuss kann nach hinten losgehen. Besser ist es, sich einen Misserfolg möglichst früh einzugestehen. In der Startup-Szene heißt es nicht umsonst „Fail fast and cheap“. Denn klar bedeuten neue Produkte und Innovationen ein Risiko bei der Markteinführung, das man nicht immer hundertprozentig abschätzen kann. Wenn dann deutlich wird, dass die Nachfrage zu gering ist, dann sollten Manager möglichst schnell die Reißleine ziehen, um nicht unnötig Geld zu verbrennen. Schließlich hat ein Unternehmen auch immer Verantwortung.

Heißt das jetzt, dass Unternehmen am besten nur noch das machen, wovon sie wissen, dass sie damit erfolgreich sind?

Nein, ganz und gar nicht! Risikobereitschaft und der Mut zu Innovationen sind die Triebfedern unternehmerischen Erfolgs und der Treibstoff für unsere Wirtschaft. Wachstum sollte aber niemals Selbstzweck sein, nach dem Motto „Wachstum um jeden Preis“. Investitionen und der RoI sollten immer sorgfältig gegeneinander abgewogen werden, Chancen und Risiken eingeschätzt und Potenziale evaluiert werden. Klar kann sich ein Großkonzern auch einmal ein Risiko leisten, wenn es durch andere Geschäftsbereiche abgefedert ist. Apple zum Beispiel arbeitet nach dem 3-Horizonte-Modell und investiert konsequent einen Teil des Budgets in Innovationen, die dann getestet werden. Entweder sie werden lukrativ – oder es wird nicht mehr daran weiter gearbeitet. Aber ganz wichtig: Ausprobieren ist erlaubt und notwendig. Und ein Misserfolg ist kein Weltuntergang – wenn man ihn sich eingesteht und die nötigen Konsequenzen zieht.

Das Interview mit Andrea Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

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Katja Heumader

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