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Was Introvertierte erfolgreich macht (2): Sind Sie ein leiser oder lauter Mensch?

Sind Sie ein leiser oder lauter Mensch?

…aus der Themenserie „Leises Potenzial nutzen – Was Introvertierte erfolgreich macht“ von Dr. Sylvia C. Löhken. Nach dem 1. Teil „Extros und Intros: zwei Welten in einer“ folgt nun Teil 2: „Sind Sie ein leiser oder lauter Mensch?“

Im ersten Teil gab es den Link zum Onlinetest (http://www.leise-menschen.com/online-test/). Test gemacht? Vorab ist es wichtig zu wissen: Jeder Mensch verfügt sowohl über introvertierte als auch extrovertierte Eigenschaften. Allerdings werden wir mit einer Tendenz zu Intro- oder Extroversion geboren – und verfügen daher über bestimmte Merkmale und Bedürfnisse, die uns und unser Verhalten prägen. Jeder Mensch hat für sich eine Art Komfortzone auf dem Intro-Extro-Kontinuum, in deren Rahmen er sich wohl fühlt.

Der typische extrovertierte Mensch …

… regeneriert sich durch Kontakt mit anderen Menschen („Windrad“).

… zieht Energie aus Unternehmungen und Austausch.

… spricht und handelt oft spontan ohne nachzudenken – und klärt das eigene Denken beim Reden.

… handelt lieber, anstatt lange zu beobachten.

… kommt durch Zeitdruck und Deadlines in Schwung und mag „schnelle Schnitte“.

… arbeitet am liebsten abwechselnd an verschiedenen Projekten.

… braucht wenig persönlichen Raum.

… hat aus seiner Sicht viele Freunde.

… findet Small Talk anregend, unterhaltsam und initiiert neue Kontakte mit vielen Menschen.

… ist schnell gelangweilt.

… arbeitet gern gemeinsam mit anderen im Team.

… braucht Stimulation durch Menschen, Orte, Aktivitäten.

… schätzt Zustimmung und positives Feedback zu dem, was er tut und bewirkt.

Der typische introvertierte Mensch …

… regeneriert sich durch Ruhe und Alleinsein („Akku“).

… braucht nach Unternehmungen und Austausch Zeit zum Ausruhen. Am besten allein.

… denkt am liebsten nach, bevor er redet oder handelt – und redet erst, wenn der Inhalt durch Reflexion geprüft ist.

… beobachtet viel, handelt entsprechend.

… findet Zeitdruck anstrengend.

… arbeitet am liebsten gründlich und an einem Stück an einer Sache.

… schätzt persönlichen Raum.

… hat aus seiner Sicht einige wenige Vertraute, die er Freunde nennt.

… findet Small Talk mühsam und oberflächlich, bevorzugt Gespräche mit Tiefgang.

… wartet gern darauf, dass andere die Initiative ergreifen und auf ihn zugehen.

… braucht wenig äußere Anregungen.

… arbeitet gern allein oder mit einer anderen Person.

… beschäftigt sich gern mit eigenen Gedanken.

… schätzt Akzeptanz der eigenen Person – das gibt ihm Sicherheit und mildert Selbstzweifel.

Introvertiert = schüchtern?

Oft werden diese zwei Begriffe als Synonym füreinander verstanden. Völlig zu Unrecht. Introvertiertheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das darauf hinweist, dass ein Mensch „nach innen gewendet“ ist. Er verwendet also einen relativ hohen Anteil seiner Energie für Reflexion und Informationsverarbeitung. Schüchternheit dagegen hat etwas mit Angst zu tun: Angst vor negativer Bewertung durch andere. Interessanterweise gibt es eine ganze Anzahl extrovertierter Schüchterner – und für diese ist das ein besonders hartes Schicksal, denn sie sind „nach außen gewendet“ und damit mehr auf ein positives Feedback ihrer Umwelt angewiesen.

Auch die Eigenschaft „hochsensibel“ ist etwas anderes als Introversion. Sie bezeichnet eine außerordentliche Empfindlichkeit des Nervensystems auf äußere Einflüsse, die besonders schnell zu Reizüberflutung führt, aber auch ein besonderes Einfühlungsvermögen mit sich bringen kann.

Die Welt braucht beides

Ob nun Intro oder Extro: Keiner dieser beiden Typen ist besser oder schlechter. Die Unterscheidung zeigt Ihnen einfach, wo die eigenen Neigungen und Bedürfnisse verortet sind. Je besser Sie wissen, was Sie brauchen, um so eher können Sie das tun, was Ihnen wichtig ist. Lernen Sie, systematisch die Frage zu stellen: Was brauche ich gerade? Sie werden merken: Sie kennen die Antwort fast immer.

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Über die Autorin: 

Dr. Sylvia C. Löhken ist Speaker, zertifizierter Coach Dr. Sylvia C. Löhken– und ausgeprägte “Intro”. Nach über einem Jahrzehnt in „Intro-Biotopen“ (Forschung, Wissenschafts-administration, verantwortliche Position in Japan) hilft sie introvertierten Persönlichkeiten bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele. Ihr Buch Leise Menschen — starke Wirkung erschien in der Management-Reihe bei GABAL und traf in Medien und Öffentlichkeit auf eine starke Resonanz. Sylvia Löhken wurde von der Plattform www.vortragsredner.de als Vortragsrednerin des Jahres 2012 ausgezeichnet. Mehr zu ihr finden Sie unter www.leise-menschen.com.

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Das Buch zur Themenserie:

Sylvia Löhken: Leise Menschen - starke Wirkung
Sylvia Löhken: Leise Menschen – starke Wirkung

SYLVIA LÖHKEN
Leise Menschen – starke Wirkung
Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden
ISBN: 3869363274
GABAL Verlag, Offenbach 2012

Ratgeberliteratur zum Thema Kommunikation und Umgang mit Menschen orientiert sich so gut wie immer an den “Extros”, also an Menschen, die sich in ihrem Verhalten dynamisch, spontan und gern nach außen öffnen. Extrovertierte Menschen sind mit Blick auf die Gesamtbevölkerung jedoch keinesfalls in der Mehrheit, werden wegen ihrer offensiveren Kommunikation aber in der Regel stärker wahrgenommen. Das vorliegende Buch ist anders: Es will leise Menschen auf positive Weise mit sich selbst bekannt machen. Im Mittelpunkt stehen die Vorteile, die sie mit ihren Eigenschaften im Umgang mit sich selbst und anderen haben. Denn introvertierte Persönlichkeiten sind nicht defizitär, sondern sie haben schlicht andere Stärken und andere Bedürfnisse als extrovertierte Menschen.

Marc Brümmer

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