Energie & Umwelt

Wasserkonflikt – Tadschikistans gigantisches Staudammprojekt

Tadschikistans gigantisches 3.600 MW Staudammprojekt – ein Statusbericht: Die zentralasiatische autoritär geführte (formale) Republik Tadschikistan (Grenzen zu Usbekistan, Kirgistan, China und Afghanistan) gewinnt derzeit rund 95% seiner Energieversorgung durch Wasserkraftanlagen, die von 1085 Gletschern gespeist werden (70% des Landesfläche ist Gebirge). Im weltweiten Vergleich der Nutzung von Wasserkraft liegt Tadschikistan nach China, Russland, USA, Brasilien, Zaire, Indien und Kanada auf Platz 8. Das bestehende Wasserkraftwerk beim Nurek-Stausee ist mit 3.000 MW eines der größten der Welt (dies entspricht 2-3 modernen AKWs). An dem Fluss Wachsch bei Rogun wurde bereits in sowjetischen Zeiten ein weiteres gigantisches Staudammprojekt (3.600 MW / mit geplanten 335 m Höhe die höchste Talsperre der Welt) begonnen, das zu 80% fertiggestellt wurde, dann gingen allerdings im Zuge des Umbruchs in der Sowjetunion 1991 die finanziellen Mittel aus. Jedoch sind wichtige Abschnitte bereits fertiggestellt, wie ein Tunnel, der zu der gewaltigen, in den Berg geschlagenen Maschinenhalle führt, auch die Turbinen sind bereits konstruiert. 2004 sah ein Vertrag mit Russland die Vollendung der Bauarbeiten sowie den Bau eines energieintensiven Aluminiumwerkes vor. Tadschikistan wollte dann – im Unterschied zu seinen Öl- und Gasreichen benachbarten Rohstofflieferanten – Strom nach China, Afghanistan und Pakistan exportieren. Der aufzustauende Fluss fließt auf seinem Weg zum austrocknenden Aralsee durch Afghanistan, Usbekistan und Turkmenistan hindurch. Letztere zwei sind durch ihre riesigen Baumwollplantagen enorme Wasserverbraucher. Wie nahezu überall auf der Welt führt auch hier die Frage der Wassernutzung zu erheblichen Spannungen zwischen den Staaten am Oberlauf und denen am Unterlauf (in Nordafrika beansprucht Ägypten in einem noch aus kolonialen Zeiten stammenden Vertrag rund 90% des Nilwassers und besitzt ein Vetorecht gegen Bauprojekte am Oberlauf, den Staaten am Oberlauf wurde sogar noch vor kurzem unverhohlen mit der Luftwaffe gedroht, sollten diese auf die Idee kommen, selber mehr Wasser für ihre Landwirtschaft nutzen zu wollen, obwohl diese häufig durch Dürren bedroht sind / Details). Die Spannungen zwischen Tadschikistan und dem gleichfalls autokratischen Usbekistan entzünden sich nun vor allem auch an der Tatsache, dass Tadschikistan und Kirgistan seit ihrer Unabhängigkeit im Winter zur Stromgewinnung Wasser aus den Stauseen ablassen. Dieser Wasserzufluss zur "Unzeit" bringt vor allem Usbekistan in Rage, da das zu Versumpfung und Überschwemmung führt und das Land die Wasserzufuhr vor allem im Sommer benötigen würde. Daraufhin hat Usbekistan den beiden Nachbarstaaten wiederholt die Gaszufuhr unterbrochen. Russland hat sich angesichts des Streites mittlerweile aus dem Projekt wieder zurückgezogen (die Spannungen um Wasser und Energie strahlen jedoch auf die gesamten Anrainer aus / Details). Tadschikistan versucht daher nun seit 2010, den Damm aus eigenen Kräften zu bauen, es wurde sogar eine spezielle Volksaktie geschaffen und die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Usbekistan hat daraufhin den Güterverkehr nach Tadschikistan gestoppt, denn alle Schienenstränge kommen aus Usbekistan. Tadschikistan wiederum hat bei der Uno und der OSZE Beschwerde eingereicht. Tadschikistan versichert zudem, seine ihm zustehenden Wassernutzungsrechte einhalten zu wollen und begegnet somit den usbekischen Vorwürfen, der Staudamm wäre das letztendliche Todesurteil für den Aralsee am Unterlauf. Eine Einigung ist derzeit noch nicht absehbar.

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