Bildung

Weil es wirklich so simpel ist: Einfach etwas Neues erlernen

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Selbst ist der Mann und selbst ist die Frau: In Büchergeschäften und im Internet wimmelt es geradezu vor Anleitungen und Ratgebern, die DIY-Welle hat einen Höhepunkt erreicht. Dank der umfassenden Informationsquellen, die uns heute zur Verfügung stehen, scheinen die Möglichkeiten unbegrenzt. Neben kreativen Einzelprojekten stellt sich anderen wiederum die Frage: Wie lange brauchen wir eigentlich um eine neue Fähigkeit zu erlernen? Beispiele wären eine Fremdsprache, zeichnen, jonglieren, ein Musikinstrument spielen… Josh Kaufman teilt in seinem TED Talk seine Erfahrung mit dieser Frage, erklärt, was es mit der scheinbar omnipräsenten 10.000-Stunden-Regel auf sich hat um etwas Neues zu erlernen, und er berichtet über seine eigenen Ergebnisse.

Warum viele denken, dass sie keine Zeit haben

Die Zeiten werden immer schneller und im Gegenzug gewinnen wir immer mehr den Eindruck, dass uns die Zeit wie Sand durch die Finger rinnt. Aufgaben im Beruf und Haushalt wollen gewissenhaft erledigt und soziale Kontakte gepflegt sein; auch auf fachliche Weiterbildungen wird Wert gelegt. Doch die persönliche Neugier auf Neues bleibt dabei oft auf der Strecke. Der Autor Josh Kaufman erzählt in seinem TED Talk (siehe unten) seine persönliche Geschichte, wie wenig Freizeit er tatsächlich hatte. So kam er auf die Frage, wie lange es dauert, bis man etwas Neues erlernt hat und beherrscht. Bei seiner Suche nach Informationen stieß er auf die 10.000-Stunden-Regel: So viel Zeit erfordere eine neue Fähigkeit um sie „einigermaßen zu beherrschen“. Kurz zur Orientierung: 10.000 Stunden entsprechen einem Arbeitsverhältnis in Vollzeit für ganze fünf Jahre.

Etwas Neues erlernen: Was ist wirklich dran an der 10.000-Stunden-Regel? (Bild: Josh Kaufmann at TED / YouTube)

In seinen Nachforschungen fand er schließlich heraus, dass diese Regel im Laufe weniger Jahre verfälscht wurde: 10.000 Stunden konzentrierter Übung waren ursprünglich der durchschnittle Zeitaufwand, den Weltklassesportler beispielsweise investiert hatten. So lange brauchte es also im Schnitt für jemanden in einem eng abgesteckten Feld, das sehr umkämpft ist, zur Spitze zu gehören; ein nicht gerade kleiner Unterschied im Vergleich zur Ambition, beispielsweise eine Sprache so weit zu erlernen, um sich im Spanien-Urlaub problemlos verständigen zu können.

Die Bedeutsamkeit der Lernkurve

Wenn es darum geht, etwas Neues zu erlernen – aus Neugier oder anderen Gründen – dann ist der Fortschritt am Anfang der größte: Innerhalb der ersten Zeit wird man deutlich besser. Denn sobald man die Grundlagen beherrscht und mit dem Umgang vertrauter wird, geht es immer leichter. Diese Lernkurve flacht allerdings ab: An einem gewissen Punkt erreichen wir ein gewisses Plateau, wir schreiten langsamer voran und es dauert immer länger, bis ein nächster Schritt gemeistert ist. Doch bis dahin ist bereits ein wertvoller Grundstock an Fähigkeiten erworben. Letztendlich hat man bereits zu diesem Zeitpunkt diese neue Fähigkeit erlernt, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

In Josh Kaufmans Ansatz geht es hauptsächlich um diese Anfangsphase. Denn im Gegensatz zu der inzwischen weit verbreiteten Annahme, dass es 10.000 Stunden dauern würde, etwas „einigermaßen zu beherrschen“, stellt Kaufman fest, dass gerade einmal 20 Stunden genügen um etwas Neues zu erlernen. Nochmals zum Vergleich: 20 Stunden sind etwa 45 Minuten am Tag für einen Monat – und dabei müssen Sie nicht einmal jeden Tag etwas machen. Die Voraussetzung ist dabei, dass diese 20 Stunden konzentriert und strukturiert genutzt werden. Dazu gibt er eine Anleitung in den folgenden vier Stufen.

1. Kleinere Teilaufgaben

In einem ersten Schritt geht es darum, in welche kleineren Teile diese neue Fähigkeit heruntergebrochen werden kann. Kleinteiligere Schritte sind wesentlich einfacher anzugehen, wobei es allerdings wichtig ist , sich nicht in der Masse von Detailinformationen zu verlieren. Konzentrierten Sie sich stattdessen auf die wirklich wichtigen Aspekte: Welche Methoden und Techniken sind essenziell und werden immer wieder gebraucht? Bei einer Fremdsprache wäre ein Beispiel der Kernwortschatz an Vokabeln, die immer wieder benötigt werden.

2. Sich selbst berichtigen können

Die Informationsquellen, die zur Verfügung stehen, sollten beim Lernprozess nicht vernachlässigt werden, aber auch nicht überschätzt. Lesen Sie also nicht erst viele Bücher, bevor Sie zu üben beginnen, sondern lesen Sie nur so viel, dass Sie eigene Fehler erkennen und korrigieren können. Vier bis fünf Quellen sollten dafür ausreichen.

3. Es sich selbst einfacher machen

Was macht es Ihnen schwer, sich hinzusetzen und sich damit zu beschäftigen, was Sie lernen möchten? Diese Blockaden gilt es auszublenden. Dazu gehört auch, dass Sie Ihren eigenen emotionalen Widerstand brechen: Wie unsere Sprichwörter wissen, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und aller Anfang ist schwer. Was Sie ablenkt, sollten Sie möglichst nicht in Ihrer Nähe haben, also auch keine negativen Gedanken, die Sie davon abhalten, etwas Neues zu erlernen. Damit nehmen Sie sich eher die Zeit, etwas Neues zu erlernen und machen Fortschritte.

4. 20 Stunden Übung

Zu guter Letzt bleibt einmal mehr zu sagen: Übung macht den Meister. Unter dem Strich kommt es tatsächlich darauf an, praktisch tätig zu werden und zu üben, wenn Sie etwas Neues erlernen möchten. Insgesamt sollen es zumindest 20 Stunden sein: Konzentrierte und strukturierte Übung bringen Sie auf dem Weg entlang der Lernkurve dem Ziel sehr nah, eine neue Fähigkeit zu meistern.

Josh Kaufman: In 20 Stunden etwas Neues erlernen

Sehen Sie sich hier seinen Vortrag direkt an; was Sie beachten müssen, wenn Sie etwas Neues erlernen möchten:

(Quelle: TED / YouTube)

Beate Greisel

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