Wirtschaft

Welche Ölkatastrophe? BP will künftige Zahlungen für Deepwater Horizon einstellen

Der britische Ölmulti BP ist der Ansicht, dass sich die Natur und die Wirtschaft von der gigantischen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im April 2010 bereits wieder so weit erholt habe, dass der Konzern künftige Schadenersatzforderungen nicht mehr bezahlen werde. Fischereibetriebe hätten bereits wieder geöffnet und auch die Hotels in der Region seien mittlerweile wieder gut gebucht, so dass sich hieraus keine Forderungen ergeben würden. Bereits dokumentierte Verluste durch die Ölkatastrophe seien davon allerdings nicht betroffen – BP fühle sich weiterhin verpflichtet, alle legitimen Ansprüche zu begleichen.

Im April 2010 waren nach einer Explosion auf der BP-Tiefseeplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko rund 780 Millionen Liter Öl ausgelaufen. Die zweit schwerste Ölkatastrophe der Geschichte hat geschätzte 41 Milliarden Dollar Schaden angerichtet. Zwar hat der britische Ölmulti BP bereits 40 Milliarden Euro abgeschrieben, allerdings sollen die Partner an der havarierten Tiefseeplattform finanziell in Milliardenhöhe an den Kosten beteiligt werden:

Das betrifft die Betreiberfirma Transocean, da laut BP jedes Sicherheitssystem auf der Bohrplattform versagt habe. In der Klageschrift gegen Transocean heißt es: BP wirft Transocean vor, dass es ohne dessen „Fehlverhalten“ nicht zu der Katastrophe gekommen wäre – nicht zu der Explosion, dem Tod der Arbeiter und nicht zur Ölpest. „Die simple Tatsache ist, dass am 20. April 2010 jedes einzelne Sicherheitssystem und -Gerät sowie Mechanismen zur Quellen-Kontrolle auf der ‚Deepwater Horizon’ versagten.“ Im scharfen Kontrast hatte Transocean erst Anfang April 2011 einen firmeneigenen Sicherheitsrekord für das Jahr 2010 verkündet: „Das Jahr 2010 war das Beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Daran würde auch die Deepwater-Katastrophe nichts ändern: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Zur Belohnung gab es satte Boni für die Manager. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hat hingegen von Schlampereien auf der Ölplattform Deepwater Horizon berichtet: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter auch so bedeutende, wie an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean selbst betreibt insgesamt 136 Bohrplattformen und hat erst im April 2011 vor Indien einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel, beinahe doppelt so tief wie bei der Plattform „Deepwater Horizon“, bei der es drei Monate gedauert hatte, bis das Leck geschlossen werden konnte.

Zudem klagt BP auch gegen Cameron International, den Hersteller des defekten Absperrventils (Blowout-Preventer), das damals das unkontrollierte Ausströmen des Öls nicht verhinderte.

Geklagt wird auch gegen den Hersteller des Zements, mit dem das Bohrloch ausgekleidet wurde: das Unternehmen Halliburton des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney unter George W. Bush. BP wirft Halliburton Betrug, Nachlässigkeit und das Verschweifen von Materialkennziffern vor.

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