Frauen im Business

Weltfrauentag: Starke Frauen, starke Stimmen – Interview mit Karin Seven

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Der Frauentag jährt sich am 08. März 2017 zum 106. Mal, nachdem er erstmals 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen wurde. Anlässlich des Weltfrauentages haben wir uns mit der Schauspielerin, Coach, Regisseurin und Autorin Karin Seven unterhalten, ihr einige Fragen zur Entwicklung der Stellung der Frau und den großen weiblichen Vorbildern der Bewegung gestellt und sie zu ihrer eigenen Arbeit als Coach und Sprechtrainerin befragt. Darin verweist sie insbesondere auf die Potenziale zugunsten aller, die eine gestärkte Position für die Frauen unserer Zeit hervorbringt.

Weltfrauentag: Die verstaubten Klischees sind auch am diesjährigen Frauentag 2017 präsent

Frau Seven, Sie verbinden Lebendigkeit und ein erfüllendes Lebensgefühl mit kreativem Schaffen und dem Ergreifen der Initiative. In welchen Bereichen sehen Sie besondere Potenziale für starke Frauen, die der Männerwelt die Stirn bieten?

Im Grunde gibt es dieses Potenzial in allen Bereichen. Inzwischen treten starke Frauen in allen möglichen Branchen und Metiers nach vorne, erheben ihre Stimme und brechen bewusst mit den verstaubten Klischees, denen zufolge wir „das schwache Geschlecht“ sind. Natürlich freut es mich besonders, dass immer mehr Frauen gerade in der Politik und in der Businesswelt ihren Mut beweisen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung ein, die die Frauen unserer Gesellschaft seit dem ersten Weltfrauentag vor mehr als einem Jahrhundert durchlaufen haben?

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Karin Seven zum Weltfrauentag: eine starke Frau mit einer starken Stimme (Bild: © Gerlind Klemens)

Als Clara Zetkin damals zum ersten Mal den Weltfrauentag vorschlug, der zwei Jahre später auch im deutschsprachigen Raum umgesetzt wurde, war dieser Schritt nach vorn schon längst überfällig. Diese Entwicklung zugunsten der Rechte, die wir am Frauentag feiern dürfen, hat sich lange genug verzögert. Das ist allerdings nicht der Zaghaftigkeit der Frauen geschuldet, sondern vielmehr den regressiven Umständen der Gesellschaft. Das heißt, die großen Steine im Weg zu besseren Bedingungen fanden sich vor allen Dingen in den Köpfen einzelner, hauptsächlich männlicher Köpfe und männlich besetzter Rituale: Seit jeher waren es die Männer, die in erster Linie am öffentlichen Leben teilnahmen, für den Erfolg und das Ansehen der Familie zuständig waren, für das Überleben sorgten und so weiter.

Ein System, das funktionierte, durfte nicht angerührt werden. Dementsprechend standen ganz grundlegende Rechte noch aus, die für uns heute in Mitteleuropa ganz selbstverständlich erscheinen, wie zum Beispiel die Wahlberechtigung für Frauen. Als die Sozialistin Clara Zetkin an diesen Umständen rührte, machte sie nicht nur auf die Bedürfnisse und Belange der weiblichen Bevölkerung aufmerksam, sondern ebnete ihnen den Weg zu einer öffentlichen und politischen Stimme.

Welche großen Vorbilder zum Frauentag sehen Sie bei diesen Entwicklungen im Mittelpunkt?

Da gibt es sogar einige. Ende des 19. Jahrhunderts beispielsweise setzte Ida von Kortzfleisch ihre Stimme zur Frauenfrage in Deutschland in die damalige Tageszeitung Tägliche Rundschau, die in Berlin erschien und auch von den Teilen der Bevölkerung gelesen wurde, die sich nicht unmittelbar an der Politik beteiligten. Damit wehrte sie sich effektiv gegen die männliche Kritik an den Zielen der Frauenrechtlerinnen, die sie mit „Vaterlandslosigkeit“ in Verbindung gebracht hatte.

Sogar knapp 40 Jahre zuvor gründete Großherzogin Louise von Baden den ersten Frauenverein. 1886 wurde die erste Haushaltsschule eingerichtet. Es gab also durchaus vor einiger Zeit schon einige Frauen mit Kampfgeist und wachsendem Einfluss. Weitere Namen in der Geschichte der tatkräftigen, tapferen und berühmten Frauen, die jeder kennen sollte, sind: Jeanne d’Arc, Königin Elisabeth I., Maria Stuart, Victoria Woodhull, Marie Curie, Bertha von Kuttner, Mata Hari und Mutter Teresa.

Doch wie gesagt, davon gibt es unzählige, und das sind nur einige der bekanntesten historischen Namen. Verbesserungsbedarf gibt es auch heute noch, und diese historischen Vorbilder haben würdige Nachfolgerinnen gefunden. Heute heißen diese Frauen: Alice Schwarzer, Nina Hagen, Renate Künast, Angela Merkel, Shirley MacLaine, Meryl Streep, Michelle Obama, Hillary Clinton, Scilla Elworthy.

Das sind die bereits die Berühmten und Bekannten unter uns – doch auch hier gibt es viele mehr. Einige von uns haben diesen „Berühmtheits-Status“ vielleicht (noch) nicht erreicht, aber wir arbeiten alle auf dasselbe Ziel hin. Und diesem Ziel sind wir gerade im Vergleich zu den Anfängen des Frauentages ein gewaltiges Stück nähergekommen.

Wie sieht denn die Situation heute aus, verglichen mit den antiquierten Klischees und Verhältnissen von damals?

Auch wenn die Gleichberechtigung nach wie vor ein Ideal ist, das noch lange nicht erreicht ist, ist die Situation heute eine radikal andere. Während Frauen früher keine Arbeit annehmen durften – zwischenzeitlich nur mit der Erlaubnis des Ehemannes – liegen nun laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zur Erwerbstätigkeit der letzten Jahre die Gesamtzahlen der Frauen in Deutschland beispielsweise nur knapp hinter den Zahlen der Herren.

Zudem steigt der Prozentsatz der deutschen „Entrepreneurinnen“ und liegt derzeit bei knapp 30 Prozent. Allerdings müssen wir auch sehen, dass erstens die Einkommenskluft zwischen männlichen und weiblichen Arbeiterinnen noch immer brandaktuell ist, auch wenn diese bis zu 23 Prozent jährlich geringer werden. Zweitens dürfen wir nicht vergessen, dass der Prozentsatz der Frauen in den Top-Positionen stagniert. Das heißt konkret, dass in der oberen Führungsebene nur jeder vierte Posten von einer Frau besetzt ist – unverändert, seit vier Jahren. Es gibt also noch viel zu tun, doch ich sehe das zum diesjährigen Weltfrauentag recht optimistisch.

Sie sind auch als Coach tätig und einer Ihrer Schwerpunkte beschäftigt sich intensiv mit Sprechtraining und dem Einsatz der Stimme. Wie haben sich Ihrer Meinung nach die Frauen unserer Zeit in ihrem Auftreten verändert?

Gerade was den Einsatz der Stimme angeht, beobachte ich vor allem, dass weibliche Töne tiefer und lauter werden und ihre Körpersprache wird klarer und selbstverständlicher. Das Verhalten der Frauen unserer Zeit spricht für Mut und Zuversicht. Mein Beitrag zum Weltfrauentag ist ein starker Auftritt für starke Frauen. Mutige Stimmen sind kraftvoll, klangvoll, raumfüllend, auch weich und zart, aber niemals dünn und brüchig. Mutige Stimmen sind fokussiert, engagiert und ehrlich.

Klischees weisen jedem und jeder eine feste Rolle zu. Heute wissen wir, dass das eine veraltete Anschauung ist und dass jeder Mensch mehr als nur eine Rolle bedient. In jeder Frau verbergen sich Kampfgeist, Vielfalt, Reichtum am Gefühl, Geist und Mut. Es wäre ein großer Fehler, Fortschrittlichkeit und Empathie als Schwäche auszulegen. Sie sind vielmehr Waffen, von denen nicht nur die Frauen selbst profitieren können.

In einer fortschrittlichen Gesellschaft mit mehr Rechten und Möglichkeiten für Frauen, erfolgreich zu sein, betrifft Erfolg nicht nur das Business. Erfolg ist eine Sache der individuellen Definition. Der Job ist dabei nur eine Seite des Lebens, während das Leben in noch ganz anderen Bereichen stattfindet. Der Frauentag ist auch eine Gelegenheit, auf diese limitierte Fixierung auf den Beruf aufmerksam zu machen, wie sie gang und gäbe ist bei den Herren der Schöpfung. Viele Frauen der heutigen Zeit wissen das, und sie wissen, dass Familie, Freunde, Natur und Kultur einen wunderbaren Pool an Genuss, Freude und Erfüllung bieten. Lange nicht alles lässt sich über beruflichen Erfolg erleben.

Gibt es etwas Bestimmtes, das Ihrer Meinung nach am diesjährigen Weltfrauentag besonders gefeiert werden sollte?

Es gibt allen Grund für das weibliche Geschlecht, den Weltfrauentag zu feiern. Die Palette gibt alles her, vom Frauenwahlrecht bis hin zur Frauenbeschäftigung, vom Gedanken der Emanzipation bis hin zur Gleichstellung. Von der sexuellen Revolution bis hin zur Selbstbestimmung! Wir sind Mädchen, Mütter, Damen, Chefinnen, Frauen, Menschen.

Leider ist das nicht in allen Ländern so. Deshalb gilt es umso mehr, dass wir Frauen mit neuen Konzepten, mittels Empathie, Feingefühl und Wärme die Welt zu dem machen, wie sie derzeit nur für die Privilegierten unter uns – in demokratischen Gefilden – möglich ist, nämlich mit Freiraum zur Selbstentwicklung. Unser Ziel sollte sein, diesen Freiraum auf jede Ecke der Welt auszudehnen. Ich denke hier speziell an Indien, Afrika und islamistische Länder. Auch am diesjährigen internationalen Weltfrauentag ist die Liste noch lang. Doch ich glaube daran, dass wir gemeinsam auf einem guten Weg sind.

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Karin Seven ist Trainerin und Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und professionelle Auftrittskunst. Als ausgebildete Schauspielerin weiß Sie, auf was es ankommt. (Bild: © Gerlind Klemens)

Vielen Dank, Frau Seven, für Ihre Zeit und dieses spannende Gespräch zum Frauentag. Diese interessanten Einblicke und die reiche Geschichte des Weltfrauentags geben Hoffnung, dass wir tatsächlich auf einem guten Weg in die Zukunft sind.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber von AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

 

Über Karin Seven

Karin Seven arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Trainerin und Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und professionelle Auftrittskunst. Ihre Kunden sind Weltkonzerne wie Bayer AG, ehemals Schering AG, die deutsche Bahn AG, Sanofi Synthelabo, Vifor Pharma, Condor, Consulting Firmen wie CCC, Eurogroup Consulting, etc. Ob Privatkunden, Entrepreneure, Pfarrer oder Schauspieler, Karin Seven hebt ihre Kunden in ihr gebührendes Licht.

Mit ihrem Buch „PowerAct – Ihr starker Auftritt“ ist sie als Vortragsrednerin seit knapp zwei Jahren unterwegs. Ihrer Leidenschaft als ausgebildete Schauspielerin geht sie nach wie vor nach, ob auf deutsche Bühnen oder in Amerika. Die Bühne ist überall, wo Herausforderungen warten. Dieses Gefühl der Begeisterung sowie der Spirit sich auf jeder Bühne wohl und zu Hause zu fühlen sind Hauptelemente der Schauspielerin sowie Vermittlungsziel im Training und Coaching.

Mehr über Karin Seven erfahren Sie unter: www.karin-seven.de.

 

Oliver Foitzik

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