Wirtschaft

Wettbewerbshüter mit europaweiten Razzien gegen Gaspreisabsprache

Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben die Büros mehrerer Gasversorger in Zentral- und Osteuropa durchsucht, unter anderem die der Energieriesen Eon, RWE, OMV und Gazprom. Es bestehe der Verdacht auf unfaire Wettbewerbspraktiken und Preisabsprachen beim Gaspreis. „Die Vorwürfe richten sich vor allem auf Gasgeschäfte mit Großhändlern in mittel- und osteuropäischen Ländern“, hieß es seitens der Kommission. Die Konzerne beteuern, nichts zu verbergen zu haben und konstruktiv mit den Fahndern zusammenarbeiten zu wollen.

Details zu den betroffenen Firmen nannte die Kommission nicht, es würden auch noch keine Beweise vorliegen. Untersucht würden Unternehmen, die in der Versorgung, der Lieferung und der Lagerung von Erdgas aktiv sind, dabei stünden die Versorgungsmengen im Fokus. Den Gaskonzernen wird vorgeworfen, Märkte untereinander aufgeteilt, Konkurrenten am Markteintritt gehindert und die Preise durch illegale Absprachen künstlich hochgetrieben zu haben. Den beteiligten Unternehmen drohen empfindliche Bußgelder von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes.

Das kann ziemlich teuer werden: Allein der russische Gasmonopolist Gazprom hat im ersten Quartal 2011 seinen Gewinn um 44% auf 11,2 Milliarden Euro steigern können (Umsatz: 31,5 Milliarden Euro). Das russische Erdgas hat sich im ersten Halbjahres 2011 um 18,8% auf einen Durchschnittspreis von 353 Dollar pro 1.000 Kubikmeter verteuert.

RWE bestätigte, dass es „eine Nachprüfung zum Vorwurf von wettbewerbswidrigen Klauseln von Gaslieferverträgen von Gazprom“ gegeben habe und das Unternehmen voll mit den Ermittlern kooperiere – wohl auch im eigenen Interesse: Bereits im Juli hatte der Konkurrent Eon angekündigt, ein internationales Schiedsgericht anzurufen, um niedrigere Preise für Gazproms Erdgas durchzusetzen. Eon kritisierte dabei vor allem die Preisbildungsformel in den Verträgen mit Gazprom, nach der der Gaspreis zeitlich versetzt an den Weltmarktpreis für Erdöl gebunden ist. Dadurch ist der langfristig vertraglich vereinbarte Gaspreis in der Regel deutlich höher als die Preise auf dem Spot-Markt. Europa will diese Preisbildungsformel ändern und die Preise vom Spot-Markt ausgehend interaktiver gestalten. So hatte auch der deutsche Bundesgerichtshof bereits im März 2010 die Öl-Gas-Preisbindung gekippt. Deutschlands wichtigste Gas-Lieferanten, so auch Russland, liefern allerdings gemäß den bestehenden vertraglichen Vereinbarungen weiterhin Gas, dessen Preis ans Öl gekoppelt ist.

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