Management

Wie man in Unternehmen Humor entwickelt

Kennen Unternehmen ihren HIX?

Nein. Unternehmen wissen gar nicht, dass es einen HIX gibt. Dabei ist der HIX außerordentlich wichtig für ein Unternehmen. Zumindest, wenn er im positiven Bereich liegt. Der HIX ist ein Index, mit dem wir den Grad des Humorvorkommens in Unternehmen messen. (Und nicht nur dort, es gibt auch einen HIX private, einen HIX politics einen HIX society u.v.a.)

Der HIX sagt damit etwas aus über die Unternehmensphilosopie, das Vorhandensein eines positiven Menschenbilds, die Nachhaltigkeit der Unternehmensprozesse, die Motivation, der Umgang und die Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden, überhaupt allen Stakeholdern, das Innovationspotenzial, die Veränderungsbereitschaft,, der Reputation und dem Werteverständnis.. Nicht gerade wenig. Je mehr Humor in einem Unternehmen vorhanden ist, umso positiver ist das Menschenbild, das Werteverständnis, der Umgang mit Veränderungen, das Innovationspotenzial, usw. Humor schafft Wachstum: Persönliches und ökonomisches.

Wenn der HIX im Minus ist, muss das HUP gesteigert werden.

Das Bedarf keiner Erklärung. Oder? Das HUP ist das Humorpotenzial. In diesem Fall des Unternehmens. Wieso das HUP gesteigert werden muss? Wo man doch in Deutschland ganz prima ohne Humor arbeiten kann. Eben!

Im Ernst: Humor ist bisher in Deutschland, und auch in Europa, kein Wert an sich in Unternehmen und in der Wirtschaft überhaupt. Selbstverständlich kommt auch diese Entwicklung aus Amerika, einem Land, in dem Spaß und Arbeit, Leistung und Vergnügen durchaus zusammengehören.

Viele amerikanischen Unternehmen von Rang und Namen arbeiten mit Humorberatern und Humortrainern, wie z.B. Apple, Microsoft, Bank of Amerika, Wells Fargo, Adaptec etc.,

Ganz anders hier. In Deutschland steht der, der Spaß bei der Arbeit hat, im Ruf, seine Arbeit nicht ernst genug zu nehmen. Arbeit darf kein Vergnügen machen! Medizin muss ja auch bitter schmecken! Was natürlich völlig leicht zu wiederlegen ist: Wer Spaß an seiner Leistung hat, dessen Motivation und Leistungsbereitschaft wächst.

Humor in deutschen Unternehmen.

Die Worte Spaß, Freude, Vergnügen, Humor kommen in Zusammenhang mit dem Arbeitsalltag, dem Beruf, der Karriere, den Unternehmen, der Wirtschaft nicht vor. Dafür die Worte Stress, Rund-um-die-Uhr-Arbeiten, Status, Konkurrenzdruck ziemlich häufig.

In letzter Zeit hört man auch gerne mal das Wort Burn-Out. Allerdings ist nicht alles, was nach Burn-Out aussieht, auch wirklich ein Burn-Out. Im letzteren Falle scheint es sich um einen Ritterschlag für Workaholics zu handeln. Allerdings ziemlich teuer, der Ritterschlag, in jeder Hinsicht, für alle Beteiligten.

Wer in Deutschland Erfolg haben will, muss zumindest nach außen vermitteln sich abzurackern. Das ist nicht nur schade, sondern außerordentlich kontraproduktiv. So viel Energie zu verschwenden, anstatt sie zielgerichtet in vergnügliche Arbeit umzuwandeln. Tatsächlich gibt es Menschen, die ungewöhnlich viel Spaß bei ihrer Arbeit haben und bei denen sich die Grenzen von Arbeit und Vergnügen verwischen. Die kann man allerdings als Ausnahmen bezeichnen.

Nach einer Untersuchung von Helmut Schlicksupp, einem Unternehmensberater, halten 69 % aller Führungskräfte Humor für eine wichtige Führungseigenschaft. Nur haben auch 69% aller Führungskräfte Humor? Das wage ich zu bezweifeln. Denn dort, wo es um Geld, Macht, Ressource, Status geht, ist die Lage scheinbar zu ernst, um Humor zu entwickeln. So jedenfalls sagt das der ein oder andere Top-Manager. Wie zum Beispiel Wendelin Wiedeking, der ehemalige Porsche-Chef, der sich mit VW ziemlich überhob. Der verlautbarte: „Wer bei mir Leistung bringt, darf auch Humor haben.“ Ich nehme an, dass Ferdinand Piech später antwortete: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“

So geht es natürlich nicht: Humor ist keine Belohnung für Leistung. Humor fördert Leistung!

Und wie sieht es nun wirklich aus mit den Unternehmen in Deutschland und dem Humor?

Sie werden es nicht glauben: Ja, es gibt Unternehmen, die mit Humor auf verschiedenste Art gearbeitet haben und arbeiten: Bosch, Galeria Kaufhof, Audi. Tatsächlich arbeite ich, außer bei dem ein oder anderen genannten, auch bei hier nicht genannten großen und mittelständischen Unternehmen und mittlerweile auch in Verwaltungen. In allen Branchen. Ich halte Vorträge auf Messen, Kongressen und auf Unternehmensveranstaltungen Vorträge. Wir beraten zu Humorinterventionen in der Mitarbeiter- und Kundenkommunikation, im Changemanagement, im Event- und Messebereich.

 

Und ich biete natürlich auch Coaching und Training an. Für Mitarbeiter und Führungskräfte. Als Motivationsstrategie für Führungskräfte, als Kommunikationsstrategie im Vertrieb, als Karrierestrategie und im Projektmanagement. Humor ist mittlerweile ein Trendthema in Unternehmen. Da drängen sich unweigerlich drei Fragen auf.

1. Warum wird Humor zum Trendthema in Unternehmen?

Humor ist eine Charaktereigenschaft und ein Persönlichkeitsmerkmal. Es beruht auf dem Mut zu einer Haltung, auf Neugier, Kreativität, Fantasie, Intelligenz, emotionaler Intelligenz, Veränderungsbereitschaft und Wertschätzung gegenüber dem Leben, den Menschen und der Welt. Humor macht Menschen glücklich. Das liegt auf der Hand. Denn Lachen macht glücklich. Beim Lachen werden Serotonine ausgeschüttet. Gemeinsames Lachen macht noch glücklicher. Denn durch unsere Spiegelneuronen wirkt Lachen ansteckend und befreiend. Humor macht innovativ, konfliktfähig, lösungsorientiert, teamfähig, zugleich führungs- und durchsetzungsstark, schlagfertig und leistungsfreudig. Humor ist tolerant, Humor lernt aus Fehlern. Das ist interessant für eine Menge von Unternehmen. (Und die Politik.) Außerdem macht Humor attraktiv, beliebt und unterstützt Alleinstellungsmerkmale.

Mit drei Worten ausgedrückt: Humor entwickelt Persönlichkeiten. Und Persönlichkeiten brauchen Unternehmen, um die Herausforderungen in der globalen Wirtschaft bestehen zu können.

Menschen mit Humor sind selbstständig, agieren und denken nicht linear und können hierarchieübergreifend arbeiten. Nicht nur in Projekten und in Matrixorganisationen sind solche Mitarbeiter gefragt, nein, auch in linear strukturierten Unternehmen werden diese Fähigkeiten von Mitarbeitern abverlangt.

Wann sollte also ein Unternehmen mit Humor arbeiten?
• Wenn es echte Visionen kreieren und sich von ihnen leiten lassen will,
• wenn soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit zur Unternehmensphilosophie gehört,
• wenn die Reputation des Unternehmens ein hohes Niveau erreichen soll,
• wenn das Unternehmen auf einem positiven Menschenbild aufbaut und sein Handeln dementsprechend ausrichtet,
• wenn es auf motivierte Mitarbeiter setzt, die mit Spaß Leistung erbringen und das Unternehmen als belebend empfinden,
• wenn das Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter gewinnen will, die sich in gefördert und wohl fühlen,
• wenn das Unternehmen kreative Lösungen sucht,
• wenn es Kunden und Zulieferer gewinnen oder an sich binden will, die die die Geschäftsbeziehung als Freude empfinden;
• wenn das Unternehmen auf dem internationale Markt vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen entwickeln will,
• wenn es Wachstum will und Veränderungen, die die Menschen mittragen.

Wenn diese Grundvoraussetzungen geklärt sind, lassen sich mit Humortrainings die o.g. Eigenschaften und Fähigkeiten fördern, entwickeln, unterstützen, realisieren. Das führt zur zweiten Frage:

2. Ist es überhaupt möglich, Humor-potenziale im Training oder Coaching zu entwickeln?

Jawohl! Die meisten Menschen haben zumindest einmal Humor gehabt. Oder Fantasie und Kreativität. Damals, am Beginn der Anpassungsleistung an die Gesellschaft. Im Laufe der Zeit und der Anpassung haben sich der Humor – und mit ihm Fantasie, Kreativität, eigenständiges Denken – ins Innere des Menschen zurückgezogen. Denn übermäßige Anpassung und Humor, passen nicht zueinander. Dort, im Inneren, lauert der Humor auf die Gelegenheit wieder hervor zukommen. Und die kann man ihm bieten. Mittels Humorcoaching und Humortraining.

3. Wie entwickelt man Humor im Training und Coaching?

Ganz ganz vorsichtig! Ich betrachte es als meine vornehmste Aufgabe, Menschen darin zu unterstützen, ihren eigenen Humor zu finden und zum Ausdruck kommen zu lassen. Die meisten Teilnehmer in meinen Trainings e sind durchaus privat humorvoll, wenden aber Humor nicht oft an. Schon gar nicht strategisch, als Aktion und im beruflichen Umfeld. Da ist er nämlich verpönt. Und durchaus eine Gratwanderung. Hier gilt es eine Menge Hemmungen und Ängste abzubauen. Auch die Angst, sich zum Narren zu machen. Oder die Angst, missverstanden zu werden. Seinen Status zu beschädigen. Diese Ängste sind verständlich. Meine Trainings sind ja keine Clownsseminare oder Ausbildungen zum Komiker. Es geht darum, das eigene Humorpotenziale (das HUP!) zu entwickeln, um es dann strategisch einsetzen zu können. Ohne Humorübungen allerdings funktioniert das nicht.

Man kann Humor nur anwenden, wenn man den Mut aufbringt, humorvoll zu agieren. Das versteht sich eigentlich von selbst. Man kann sich ja auch nicht waschen, ohne nass zu werden. Also muss es gelingen, dass die Teilnehmern mir vertrauen. Das ist die Voraussetzung. Dann bricht der Humor regelrecht heraus. Einzeln und in Gruppen, in Szenen, Präsentationen, mit und ohne rote Nase.

 

Bisher haben alle, aber auch alle mitgemacht. Ich höre oft, dass sie es anfangs nicht für möglich hielten, zu welchen Humoraktionen sie fähig waren. Da schlummern in Deutschland ungeahnte Potenziale.

Und die Angst vor Statusbeschädigung ist dann Schnee vom Vormittag. Wer Humor ausübt, befindet sich automatisch im Hochstatus. Denn der humorvolle Mensch besitzt eine Deutungshoheit, gibt anderen die Erlaubnis zur Aktion und motiviert. Wer das bewirken kann, befindet sich im Hochstatus.

Humor ist individuell. Jeder muss seinen eigenen finden. Und Humor kommt auch nicht immer laut daher. Ein humorvoll freundliches Wort reicht. Ein Bonmot, eine gelungene Pointe, der echte Smalltalk.

An der Aufgabe, den eigenen Humor zu kreieren, wachsen die Teilnehmer. Sie entwickeln neben Humor Fantasie und Kreativität, sie lernen den Wert von humorvollen Teams kennen, aber auch das Führungspotenzial von Humor.

Sie erleben die Kraft der Motivation und definieren den Begriff Wertschätzung neu.
Und nebenbei lernen sie, dass alle nur Menschen sind. Sogar sie selbst. Und das die Grundvoraussetzung von Motivation und Kommunikation Menschenkenntnis ist. Und das es sehr hilft, Menschen zu mögen. Auch manchmal wider besseren Wissens.

Humor als Kommunikation in Unternehmen ist nicht irgendein Humor. Humor kommt ja durchaus unterschiedlich daher. Es ist der „helle“ Humor, der für die Kommunikations- und Motivationsstrategie vonnöten ist. Er motiviert, unterstützt Verhaltensänderungen, spricht Befürchtungen an, löst Blockaden auf und macht Vergnügen. Er kann ironisch und provokativ sein. Aber niemals zynisch, abwertend und ausgrenzend.

Um ihn für sich und andere, aber auch als Unternehmensphilosophie zu realisieren, ist es nötig, eine Entscheidung zu treffen und die auch umzusetzen. Die Entscheidung zur Humorhaltung:

„Ich schenke mir und den Menschen in meiner Umgebung jeden Tag Freude und Spaß!“

Dieser Satz hört sich sehr weich an. Ich weiß! Dabei ist er in der Umsetzung sehr, sehr hart. Und etwas für Mutige, für Menschen mit Standing und Führungspotenzial. Wie auch immer dies geartet ist.

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich selbst jeden Tag Freude und Spaß schenken!
Alleine das würde Ihre Welt grundlegend verändern.
Nun stellen sie sich vor, Sie würden jeden Tag ihrer Familie, ihren Freunden, dann ihren Kollegen, Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern etc. Freude und Spaß schenken.
Ein Quantensprung in Ihrem Leben und in Ihrem Beruf.
Und nun stellen sie sich vor, viele Menschen würden sich zu der Humorhaltung bekennen!

Humor verändert die Welt. Zumindest Ihre!
Humor verändert Ihren Beruf.
Humor verändert Unternehmen.

Wie das im Detail aussieht können Sie natürlich nicht nur erleben, sondern auch nachlesen. Mein Buch „Erfolg lacht! – Humor als Erfolgsstrategie“ beschreibt die Wirksamkeit von Humor und stellt Ihnen viele effiziente Humorübungen vor. Es erscheint im Februar 2012 im GABAL Verlag.

 

Jumi Vogler

© Unternehmen, Verfasser/in

 

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