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Wie Sie online mit Persönlichkeit begeistern – Interview mit Christian Müller

Christian Müller, Social Media Sommer-Camp 2017, Instagram, Live-Streaming, persönliche Kommunikation online

Marketing soll ansprechen, also ansprechend sein, und ganz nah am Kunden. Ganz nah, sozusagen hautnah sind wir mit Live-Streaming und Einblicken hinter die Kulissen – dieses Gefühl bekommen die Zuschauer jedenfalls vermittelt. Wie wichtig persönliche Kommunikation im Marketing ist und welche Möglichkeiten sich dazu anbieten, weiß Christian Müller: Er gibt ein Webinar im Rahmen des Social Media Sommer-Camps 2017, in dem vor allem Instagram und Live-Streaming die Hauptrolle spielen. Im Interview spricht er darüber, wie wichtig es dabei ist, Persönlichkeit zu zeigen – und welche Grenzen Akteure und Zuschauer respektieren sollten. Zudem gibt er eine Vielzahl hilfreicher Tipps, wie die persönliche Kommunikation mit den Kunden wirklich gelingt.

Anmerkung der Redaktion: Die Komplettpakete zum Social Media Camp stehen auch nachträglich als Webinaraufzeichnung zur Verfügung. Dabei bestimmen Sie selbst das Tempo; der Einstieg ist jederzeit möglich. Mehr Informationen finden Sie unter Social Media Camp 2017 oder auch in unserer Übersicht der Online-Kurse.

Zeige, wer du bist: Christian Müller über die Möglichkeiten persönlicher Kommunikation online und den Stellenwert von Grenzen

Schönen guten Tag Herr Müller, in Ihrem Webinar geht es um persönliche Kommunikation mit dem Netzwerk. Inwiefern gehört dabei dazu, (die wahre) Persönlichkeit zu zeigen?

Persönlichkeit zu zeigen ist – vor allem für Solounternehmer – sehr wichtig. Auch Start-ups und KMU und – in gewissem Rahmen – selbst Konzerne können von personalisierter Kommunikation profitieren. Der Grund ist fast banal: Menschen sprechen gerne mit und über Menschen. Wir entwickeln zu Personen einfach einen viel besseren Bezug als zu Produkten oder Marken.

Allerdings heißt persönlich für mich nicht, sich komplett transparent zu machen und alle Lebensbereiche online zu zeigen. Mein Grundsatz lautet: Persönlich ja, privat nein. Ich zeige gerne Position und Meinung, ecke auch mal an. Doch mein Privatleben ist genau das: privat. Das empfehle ich auch meinen Kunden und Coachees. Zeige, wer du bist. Aber in dem Rahmen, den du als passend empfindest und in von dir selbst definierten Grenzen.

Instagram und Live-Streaming basieren beide stark auf visuellen Reizen. Wie wichtig ist in Ihren Augen, dass beim Streaming zusätzlich auch mit akustischen Signalen gearbeitet wird?

Wenn mit „akustischen Signalen“ die Stimme gemeint ist: Sehr wichtig. Die Stimme bringe eine zusätzliche Ebene der Persönlichkeit zur Geltung und erleichtert den Beziehungsaufbau. Wenn damit Musik und andere akustische Einspielungen gemeint sind, rate ich zur Vorsicht.

Erstens können solche akustischen Ergänzungen schnell nerven und zweitens drohen hier auch Konflikte – vor allem bei Musikeinspielungen – mit dem Urheberrecht und der GEMA. Die eigene Stimme ist davon jedoch nicht betroffen und sehr wichtig, um sich zu zeigen.

Christian Müller, Social Media Sommer-Camp 2017, Instagram, Live-Streaming
Wie funktioniert persönliche Kommunikation online? Damit befasst sich Kommunikationsberater Christian Müller in seinem Webinar am 20. Juli im Social Media Sommer-Camp 2017. (Bild: © Christian Müller | www.sozial-pr.net)

Letztendlich ist aber doch alles mittelbar – durch ein Medium transportiert, sei es nun Instagram, Facebook oder Pressemitteilung. Wie persönlich können beziehungsweise sollten gerade Solopreneure auf Online-Plattformen sein?

Wie bereits beschrieben: Solopreneure und Start-ups können und sollten sehr persönlich sein. Sie sind verhältnismäßig klein, daher aber auch klar als Person auszumachen oder mit Personen verknüpft.

Bei Unternehmen und Marken kann personalisierte Kommunikation – also das regelmäßige In-Erscheinung-Treten ausgewählter MitarbeiterInnen – ebenfalls sinnvoll sein. Auch hier kann die Beziehung der Kunden zur Marke verbessert werden.

Allerdings müssen sich Unternehmen und Marken mehr Gedanken machen als Solopreneuere und Start-ups. Was, wenn MitarbeiterInnen das Unternehmen verlassen? Wem „gehören“ dann die Kontakte in den verschiedenen Sozialen Netzwerken? Was geschieht mit den produzierten Inhalten? Diese und weitere Fragen müssen vorab schriftlich geklärt werden.

Bei dem Versuch, persönlich zu kommunizieren, gibt es sicherlich auch das eine oder andere Fettnäpfchen. Auf was sollte dabei geachtet werden?

Aus meiner Sicht und Erfahrung spielen hier vor allem drei Faktoren eine Rolle:

  1. Die Grenzen der Kommunikation und Erreichbarkeit. Persönliche Kommunikation sorgt für enge Beziehungen mit Fans, Followeren und Kunden. Das ist super, kann jedoch auch zum Problem werden. Beispielsweise dann, wenn Menschen davonausgehen, dass man immer erreichbar ist oder jederzeit direkt antworten muss. Oder wenn einseitig eine Freundschaft und unrealistische Erwartungen aufgebaut werden. Hier helfen nur klare Grenzen, die auch regelmäßig kommuniziert werden sollten.
  2. Vernachlässigung der Kompetenz. So seltsam es klingt: Bei einem sehr persönlichen Kommunikationsstil kann es passieren, dass die fachlichen Fähigkeiten und die Kompetenz in den Hintergrund treten und von der Persönlichkeit verdrängt werden. Dann entsteht zwar eine starke Personenmarke, doch die Dienstleistungen und die eigentliche Arbeit der Person werden ignoriert oder nicht mehr wahrgenommen. Das mag dem Ego schmeicheln, kann aus Marketingsicht – wenn die Kommunikation zur Kundengewinnung dienen soll – jedoch fatal sein. Hier hilft nur eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Kommunikation – auch auf Grundlage externen Feedbacks – und die entsprechende Anpassung an die eigenen Ziele und Grundsätze.
  3. Der Aufbau falscher Erwartungen. Besonders bei Solopreneuren mit starker Persönlichkeit, Charisma und hoher Attraktivität kann es vorkommen, dass die Follower und potenziellen Kunden von der Persönlichkeit auf die fachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten schließen. Was gut klingt wird dann zum Problem, wenn die Erwartungen unrealistisch hoch und dann enttäuscht werden. Dagegen hilft nur aktives und fortlaufendes Erwartungsmanagement und die regelmäßige Kommunikation der eigenen Fähigkeiten und Grenzen.

Insbesondere Livestreaming verhindert, dass das Erscheinungsbild einer Botschaft nochmals überarbeitet werden kann, bevor es live geht. Wie nehmen Fans und Followers diesen Unterschied wahr?

Livestreaming-Formate kommen genau aus diesem Grund gut beim Publikum an. Livestreams wirken meist nicht inszeniert – ob sie es sind, steht auf einem anderen Blatt – und diese authentische Wirkung macht sie attraktiv. Dazu kommt, dass selbst die beste Inszenierung inkompetente Menschen im Livestream nicht retten kann und sie durch entsprechende Fragen schnell entlarvt werden können.

Dieses Level an gefühlter Authentizität macht Livestreaming attraktiv. Menschen haben den Eindruck, hautnah dabei zu sein und unverfälschte Meinungen und Standpunkte zu hören. Ein gewisses Qualitätslevel sollte bei jedem Livestream – sowohl technisch als auch inhaltlich – gegeben sein.

Gerade Instagram bietet eine hervorragende Möglichkeit für authentisch wirkende Blicke hinter die Kulissen. Welche drei goldenen Regeln gibt es für die gelungene persönliche Kommunikation via Instagram?

Instagram besteht heute aus zwei Bereichen: Dem Feed und den Stories. Im Feed gelten folgende Regeln:

  1. Ästhetische Bilder mit Aussage und Informationsgehalt kommen gut an.
  2. Der Einsatz passender Hashtags ist für den Reichweitenaufbau entscheidend.
  3. Ein aussagekräftiger Beschreibungstext bringt die persönlichen Aspekte und Assoziationen eines Bildes zum Ausdruck.

In den Stories sieht es etwas anders aus:

  1. Zu hohe Qualität schadet der Glaubwürdigkeit, Authentizität ist alles.
  2. Ab und an im Selfie-Stil in die Kamera zu sprechen ist gut, sollte aber nicht die Hauptform sein. Abwechslung und kreative Videos/Bilder sind attraktiv.
  3. Funktionen wie Hashtags, Ortsangaben, Sticker Filter und ähnliche gehören zur Plattform. Wer sie nicht nutzt, wirkt meist weniger attraktiv.

Egal ob im Feed oder in den Stories: Aktiver Austausch mit der Community – auch via Direktnachricht – und wertschätzendes Community Management festigen Beziehungen und stärken die Reputation.

Was erwartet die Teilnehmer am 20. Juli 2017, ab 11 Uhr in Ihrem Webinar „Mit Instagram und Live-Streaming persönlicher kommunizieren”?

Die TeilnehmerInnen erfahren, wie sie Instagram für ihre Kommunikation nutzen können, welches Potenzial in Instagram steckt, warum sich der Einsatz zusätzlich zu Facebook und anderen Plattformen lohnt und wie Stories am besten in den Arbeitsalltag integriert werden können. Beim Thema Livestreaming geht es nicht nur um die technischen und formalen Grundlagen, sondern auch um bewährte Strategien und Formate, mit denen Livestreams attraktiv werden und sowohl der Reichweite als auch der Reputation – und schlussendlich auch der Kundengewinnung – dienen können.

Wenn die TeilnehmerInnen im Vorfeld Fragen für das Webinar haben, nehme ich diese gerne auf Instagram oder in den anderen Sozialen Netzwerken entgegen und baue sie ein. Ich freue mich auf den 20. Juli.

Vielen Dank, Herr Müller, für die hilfreichen Ratschläge und die vielfältigen Einsichten zum Thema Livestreaming und auf welchen Grundsätzen die persönliche Kommunikation dabei aufbauen sollte. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Social Media Sommer-Camp und ein erfolgreiches und spannendes Webinar!

Das Interview mit Christian Müller führte Beate Greisel, Redakteurin des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO.


(Quelle: YouTube)

Das Social Media Sommer-Camp 2017: Nehmen Sie teil!

Vom 17. Juli bis 21. Juli zeigen Sabine Piarry und ihr Team von Experten – darunter auch Christian Müller – Ihnen zahlreiche Tipps und Tricks, wie Sie Social Media effektiv einsetzen. Insgesamt 15 Experten geben in jeweils einem spannenden Webinar zu den verschiedenen Themenbereichen Einblicke, von denen Solounternehmer wie Großkonzerne gleichermaßen profitieren. Unter „Auf die Welle des Erfolgs: Das Social Media Sommer-Camp 2017 rückt näher!“ finden Sie alle Experten und ihre Themen. Das gesamte Programm, Tickets und die direkte Anmeldung finden Sie auf Social Media Sommer-Camp 2017.

Christian Müller, Social Media Sommer-Camp 2017, Instagram, Live-Streaming
Wie funktioniert persönliche Kommunikation online? Christian Müller ist Kommunikationsberater, Mobile Video Trainer und Stratege für Videokommunikation und -konzeption. (Bild: © Christian Müller | www.sozial-pr.net)

Über Christian Müller

Christian Müller, Kommunikationsberater, Video- und Kommunikationsstratege und Mobile Video Trainer. Ich unterstütze Soziale Träger, Einrichtungen, Bildungsinstitutionen und Social Start Ups mit wirkungsvoller Kommunikation und der nötigen Strategie. Außerdem schule ich Teams in der mobilen Videoproduktion, Coache Sozialarbeitende und Solopreneure zum Thema nachhaltige digitale Kommunikation und entwickle Videostrategien für die Videomarketingagentur Kreative Kommunikationskonzepte. Meine Leidenschaft sind Menschen und die Kommunikation mit Ihnen, gerne in Video- oder Story-Form oder Livestreams.

Mehr über Christian Müller erfahren Sie auf seiner Website.

Beate Greisel

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