Einsichten & Ansichten

Wie wir Konflikte im Alltag bewältigen können

Mal ehrlich: geht Ihnen, besonders während Sie Konflikte austragen, manchmal die Hutschnur? In ihrem heutigen Beitrag zur zweiwöchentlich erscheinenden Kolumne „Anders denken“ verrät Ihnen Nicola Fritze, wie Sie verhindern, dass Sie in einer Konfliktsituation hochgehen wie ein Dampfkochtopf.

Schlechtes Gewissen und noch mehr Ärger

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Manche schweigen Konflikte aus – nur, um im Anschluss erst so richtig hochzugehen. (Bild: Toyo / pixelio.de)

Konflikte kennen wir alle. Ob mit den Kollegen im Büro, mit Vorgesetzten oder in der Familie – immer wieder fühlen wir uns verletzt, missverstanden oder gekränkt. Wenn wir auf 180 sind, rutscht einem schnell mal eine Aussage raus, die härter klingt, als sie gemeint war. Häufig folgen dann schlechtes Gewissen und noch mehr Ärger.

Doch nicht jeder zieht sofort in den Kampf, wenn er sich provoziert oder gekränkt fühlt. Die meisten Menschen machen in puncto Konflikte erst einmal die Schotten dicht. Sie tragen ihren Ärger und ihre Verletzung still mit sich herum, anstatt sich Luft zu machen. Die Seele ist dann wie ein Druckkochtopf. Es gärt und brodelt im Inneren, immer mehr Druck baut sich auf. Aber von außen gesehen wirkt alles ganz ruhig und übersichtlich.

Schweigender Streit also – die anderen bekommen nur mit, dass etwas nicht in Ordnung ist, weil man wortkarger ist als sonst. Das Ergebnis: stiller Frust darüber, dass man dem Anderen nicht gesagt hat, was einen stört. Und ein ungelöster Konflikt, der ein zwischenmenschliches Verhältnis dauerhaft überschatten kann.

Konflikte sind sowieso schon unangenehm

Nun wissen wir natürlich, dass diese beide Arten des Konflikts nicht der Königsweg sind. In der idealen Welt würden wir gutes Feedback geben – sagen, was uns stört, wie wir das Verhalten unseres Gegenüber wahrnehmen und was wir uns nächstes Mal anders wünschen. Doch die ideale Welt ist eben meistens weit weg. Im normalen Leben stehen uns unsere Emotionen im Weg und wir bekommen nichts Konstruktives über die Lippen oder werden ausfällig. Oder wir gehen dem Streit absichtlich aus dem Weg, einfach weil er so unangenehm ist.

Was also tun, wenn wir einen Konflikt oder auch mehrere Konflikte nicht sofort auf gute Weise lösen können? Zum ersten gilt: nicht grämen! Sie sind schließlich auch nur ein Mensch. Konflikte sind sowieso schon unangenehm. Wenn Sie sich danach auch noch geißeln, dass Sie die Situation nicht konstruktiv genug aufgelöst haben, machen Sie sich das Leben doppelt schwer.

Gras wachsen lassen und Briefe schreiben

Mir fallen zudem zwei einfache Techniken ein, die im Alltag ganz gut geeignet sind, um mit Konflikten umzugehen.

1. Lassen Sie ein paar Tage lang Gras drüber wachsen! Das nimmt Wut, Frust und Traurigkeit ihre Schärfe. Aber wichtig ist, dass Sie darüber nicht vergessen, trotzdem mit demjenigen zu sprechen, über den Sie sich geärgert haben. Schließlich ist wichtig, dass Sie Rückmeldung geben und klären, wie beide Seiten beim nächsten Mal besser miteinander umgehen können.

Also: Lassen Sie ein paar Tage verstreichen. Bis die größte Wut verraucht ist. Dann sind Ihre Emotionen sozusagen ausgekühlt. Und Sie sind bereit, die passenden Worte zu finden. Das nimmt Ihnen den Druck, sofort ganz konstruktiv reagieren zu müssen.

2. Schreiben Sie einen Brief, den Sie nie abschicken. Klingt komisch, aber funktioniert. Setzen Sie sich abends hin und schreiben Sie an denjenigen, mit dem Sie einen Konflikt haben. Schreiben Sie, was Sie bewegt – und suchen Sie dabei nach Worten, die beiden Seiten gerecht werden.

Prüfen Sie sich selbst: Ist der andere wirklich so ein Schwein? Oder hat er sich einfach in einer bestimmten Situation falsch verhalten? Wünschen Sie ihn wirklich zur Hölle? Oder wollen Sie einfach nur sagen, dass sie sein Verhalten in diesem einen Moment ziemlich unpassend fanden? Gehen Sie in sich und werden Sie konkrete, ehrliche Kritik los.

Das fühlt sich ziemlich gut an. Und gibt Ihren Emotionen Konturen. So wissen Sie, was Sie dem anderen gerne sagen würden. Sie haben sich die passenden Worte zurecht gelegt. Nun können Sie entscheiden: Entweder, Sie legen den Brief zur Seite, weil Ihre Emotionen verraucht sind. Und Sie wissen, welche Worte Sie bei der nächsten Konfrontation wählen. Oder Sie nehmen Ihren Brief im Geiste mit und sagen dem Anderen, was Sie denken. Ruhig, gelassen und klar. Auch das fühlt sich gut an. Probieren Sie’s mal aus!

Über Nicola Fritze

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Deutschlands Motivationsfrau Nicola Fritze erklärt, mit welchen zwei einfachen Tricks Sie Konflikte künftig souverän meistern. (© Foto: privat)

Seit 2001 ist Nicola Fritze vielgefragte Rednerin und Trainerin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Ihre erfolgreichen Audio-Podcasts „Abenteuer Motivation“ und „Fritze-Blitz“ inspirieren seit 2006 regelmäßig über 30.000 Abonnenten. Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Hörsendungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Im Februar 2013 erschien ihr neues Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ (SüdWest, 16,99 €) Darin zeigt Nicola Fritze 50 praxisnahe und effektive Methoden auf, wie Lebensfreude und Motivation langfristig zu steigern sind. Weitere Informationen sowie ihre beiden erfolgreichen Hörsendungen finden Sie auf www.nicolafritze.de.

Lesen Sie hier auf AGITANO auch den vorangegangenen Beitrag aus Nicola Fritzes zweiwöchentlich erscheinender Kolumne „Anders denken“:

Christoph Schroeder

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