Kolumnen

Wir leben bereits im Treibhaus

Ist der derzeitige lange und kalte Winter und seine erneute Rückkehr in dieser Woche ein Beweis gegen die Erderwärmung – wie jetzt so oft vermutet wird?

 

In vielen Gegenden der Welt – von Neuseeland über Australien und von Afrika bis Südamerika – war es in den letzten Monaten überdurchschnittlich warm.  2009 gehört zu den vier wärmsten Jahren seit Beginn der globalen Temperaturaufzeichnungen und das letzte Jahrzehnt war das zweitheißeste seit 1870.

 

Schnee-Rekorde in Deutschland und zugleich weltweit hohe Temperaturen schließen sich also nicht aus. In der Antarktis haben mir Wissenschaftler vor kurzem erklärt, dass es dort um 5 Grad wärmer sei als noch vor 50 Jahren. Der Januar 2010 war auf der südlichen Erdhalbkugel der bislang wärmste überhaupt. Selbst auf der Nordhalbkugel war der letzte Januar der sechswärmste seit 1870. Wärmer als normal war es auch in Südasien, in Grönland, auf Island und auf Spitzbergen.

 

Der deutsche und mitteleuropäische Winter 2009/2010 kam uns auch deshalb so kalt vor, weil wir richtige Winter kaum noch gewohnt sind. Klimaforscher weisen immer wieder darauf hin, dass wir Wetter und Klima nicht verwechseln dürfen. Wetter ist das was der Wetterbericht vorhersagt, Klima ist die globale langfristige Entwicklung.

 

Zurzeit stehen allein an den Küsten Senegals 100.000 junge Afrikaner bereit zur Flucht über ein  klappriges Boot, wissend, dass viele dabei ertrinken werden.  Ursache der Fluchtversuche ist auch der Treibhauseffekt und der Anstieg des Meeresspiegels.

 

Auf den Malediven und auf Pazifik-Inseln haben Hunderttausende bereits einen Antrag auf Asyl in Indien, Neuseeland oder Australien gestellt. Die ersten Inseln mussten bereits geräumt werden. Die UNO befürchtet, dass bis 2050 über 200 Millionen Umweltflüchtlinge über unseren Globus irren werden.

 

Die Münchener Rückversicherung hat errechnet, dass sich die weltweiten Naturschäden seit 1960 verdoppelt haben. In den letzten Wochen haben wir auch in Westeuropa Vorboten des Klimawandels zu spüren bekommen – allein der Killer-Orkan „Xynthia“ forderte 53 Tote in Westeuropa.

 

Der renommierte Klimaforscher Guy Brasseur befürchtet: Wenn das Weltklima weiter ansteigt, dauert es 3.000 Jahre bis die Temperatur wieder sinken wird.

 

Das heißt: Vorbeugen ist also besser, billiger und menschlicher als spätere Katastrophen wieder reparieren zu müssen. Werden wir das noch rechtzeitig begreifen?

 

Quelle: © Franz Alt 2010

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