Kolumnen

Wir trennen unseren Müll

… aus der Kolumne von Claus-Peter Schaffhauser

Ich habe den schwarzen Gurt im Mülltrennen, 3. Dan. Ich trenne auch hinter dem Rücken meiner Frau, was sie wahnsinnig macht. Ich trenne, denn ich kann nicht anders. Trennen ist nicht mein Leben, aber ein wichtiger Bestandteil davon.

Ich rette die Welt. Ja, ich allein, vielleicht noch ein, zwei andere, aber ich, ich bin ein Trenn-Purist. Ein Schöngeist der Mülltrennung.

36 % aller Plastikabfälle (= gelber Sack) kommen in die Wiederverwertung, es werden Blumentöpfe und Plastikbänke daraus gemacht. Da kein Volk so viele Plastikbänke benötigt, obwohl wir ja immer älter werden und dann ein Plätzchen zum Ausruhen nicht verkehrt wäre, werden zwei Drittel thermisch behandelt. Das heißt, der Plastikmüll, der ja zu einem Gutteil aus Erdöl besteht, landet in der Müllverbrennungsanlage. Man sollte also nur jeden dritten löffelreinen Plastik-Becher nochmals spülen, man kann es aber auch ganz sein lassen, da das Plastikgranulat, Grundstoff der Parkbank, sowieso Tausendmal vorab gereinigt wird. Wenn also auf einer Parkbank Taubenscheiße zu finden ist, stammt die bestimmt nicht aus unserem Haushalt.

In Deutschland gibt es viele Müllverbrennungsanlagen, weil in Deutschland viel Müll produziert wird. Sagen die Betreiber. Und was macht der Deutsche? Er trennt auf Teufel komm raus, mit der Folge, dass Deutschlands Müllverbrennungsanlagen der Brennstoff fehlt. – Das heißt natürlich, dass man für seinen Müll dann mehr bezahlen muss, ist ja logisch, da die Müllverbrennungsbetreiber jetzt sehr teure Altreifen zukaufen müssen, für deren Entsorgung man im allgemeinen bezahlen muss??!! Das spornt den Verbraucher natürlich dazu an, noch zu mehr trennen. Vom Herzen her richtig betrachtet, vom Kopf her falsch. Konsequenterweise sollte man seinen Müll ungeprüft in die Tonne treten (macht meine Frau hin und wieder gern, besonders nach einem Streifzug durch die Kinderzimmer), oder gleich selbst im kleinen Schwedenofen verheizen, da wird es einem wenigstens nicht nur um’s Herz warm. Aber den Nachbarn könnte es gehörig stinken.

Bleibt ja trotzdem, nach Abzug der Pappe und der Weinkorken (ideal zum anfeuern des Ofens), noch genügend übrig, was man zum Wertstoff karren kann. Ich karre noch manuell, weil es innerhalb des Areals des Windacher Wertstoffhofes, recht eng zu geht. Hier geht es zu wie bei der Genfer Auto-Show. Audi Q7, neben BMW X5, neben VOLVO C90 – alle mit Allrad-Antrieb und Benzintanks, mit deren Motoren-Ausstattung und Inhalt man bequem zweimal die Atacama-Wüste durchqueren könnte.

Jede Containerart wird von einem Gemeindearbeiter bewacht und vor Kontaminierung bewahrt. Bei Grünschnitt darf man nur 3 qm³ einbringen – mehr muss in die Großmüll-Deponie verbracht werden, die auch für Elektrogeräte „zuständig“ ist.

Aneinandergereiht wie Zinnsoldaten stehen die Altglas-Container da: 1 x Braun-Glas, 2 x Grün-Glas, 2 x Weiß-Glas. Blaues Glas bitte bei Braun-Glas einwerfen (das lernt man in 7. Semester und kann man auch in der Müll-Trenn-Bibel nachlesen). – Ein Schweizer Verwandter, hat in einer sehr gehässigen Bemerkung angedeutet, dass „hinterher“ alles wieder zusammengeschüttet wird, um daraus Straßenbelag zu schreddern. Aber die Schweizer Banken nehmen ja auch Blut-Geld von Despoten an.

Am Metall-Container steht ein großes Schild: „Die Entnahme von Gegenständen aus den Containern ist strengstens untersagt, da mit Einwurf der Inhalt an den Landkreis übergeht. Zuwiderhandlung kann strafrechtlich verfolgt werden.Gez. Der Landrat“ – Wenn dir da versehentlich die Lesebrille reinfällt – Pech gehabt!

Leider liegen hier aber die Grundstoffe für meine Trash-Kunst. Ab und zu muss ich also mit einem beherzten Griff, den einen oder anderen Metallschatz wieder rausfischen. Man muss aber aufpassen, wer gerade „Dienst“ hat und sollte es auch nicht machen, wenn der Bürgermeister neben einem steht. – Einmal scheine ich es doch übertrieben zu haben. Ein neuer Ober-Container-Kontrolleur im Schutzanzug meinte: „Legen Sie das bitte wieder zurück, das ist sonst Diebstahl – ich muss mir sonst Ihr Nummernschild notieren!!“ Und das mir, der ich doch immer zu Fuß da bin.

Inzwischen habe ich aber die Müllwerker davon überzeugt, dass die erneute, direkte Nutzung von weggeworfenen Dingen, die höchste Form des Recycling ist und man damit einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leistet. Nun werden besonders schöne Dinge schon mal auf die Seite gelegt und mir persönlich mit warmen, freundlichen Worten in die Hand gedrückt.

Dafür sortiere ich auch hin und wieder falsch eingeworfenes Material aus und werfe es in den richtigen Container ein. Nicht jeder SUV-Fahrer ist ja am Samstagmorgen schon wieder nüchtern. Ja, ja der Suff.

Man kennt sich – man trennt sich.

Ihr Claus-Peter Schaffhauser

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Zum Autor:

Claus-Peter Schaffhauser
Quelle: Claus-Peter Schaffhauser

Claus-Peter Schaffhauser war in mehreren Unternehmen verschiedener Branchen (Elektronik – Siemens, Informationstechnologie – HP, Befestigungstechnik – HILTI) in unterschiedlichen Führungspositionen tätig (u.a. EDV, Logistik, Vertrieb, Revision). Er berät seit 17 Jahren Kunden verschiedener Branchen in der Optimierung von Logistikprozessen (Lieferantenanbindung, Aufbau- und Ablauforganisation, Reklamationsmanagement) und in der Baustellenlogistik (Optimierung letzte Meile). Claus-Peter Schaffhauser spricht Deutsch und Englisch. In seiner Freizeit schreibt er Kolumnen und arbeitet als Künstler.

Marc Brümmer

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