Deutschland

Wirtschaftswachstum 2017: Drei Gründe, warum Ökonomen stets daneben liegen

Das Jahr ist noch nicht einmal zwei Wochen alt, dennoch wissen viele Ökonomen bereits jetzt, wie sich das Wirtschaftswachstum 2017 entwickeln wird (s.u. Infografik). Dabei weisen unterschiedliche Studien unabhängig voneinander darauf hin, dass noch nie (!) eine dieser vielen Prognosen gestimmt hat. Im folgenden Beitrag haben wir die, aus unserer Sicht, drei wichtigsten Gründe zusammengefasst, warum sich Ökonomen stets aufs Neue irren.

Infografik: Zum Wirtschaftswachstum 2017 herrschen unterschiedliche Expertenmeinungen

Infografik zum voraussichtlichen Wirtschaftswachstum 2017
Die oben eingefügte zeigt die Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland 2008 bis 2016 und Prognosen verschiedener Institute und Institutionen für 2017 (Quelle: de.statista.com / CC BY-ND 3.0)

Grund Nr. 1: Orientierung am Bruttoinlandsprodukt

Wie die oben eingefügte Infografik zeigt, werden Konjunkturprognosen beziehungsweise volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) vorwiegend von der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) abgeleitet. Das ist auch hinsichtlich der Erwartungen zum Wirtschaftswachstum 2017 der Fall. Diese Vorgehensweise wird von großen Teilen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit zunehmend kritisiert. Das BIP als alleiniger Wohlstandsindikator sorge dafür, dass ausschließlich über quantitative Aspekte der konjunkturellen Entwicklung diskutiert werde. Um zu wissen, wie „gut“ es einer Volkswirtschaft wirklich gehe, müssen allerdings auch qualitative Elemente, das heißt immaterielle Vermögenswerte wie:

  • Gesundheit
  • Bildung
  • Umweltbedingungen
  • Sicherheit
  • Rechtsstaatlichkeit
  • familiäre Bindungen
  • gesellschaftliche Chancen
  • Möglichkeiten zur Teilhabe

Eingang in die VGR finden. Alternative Vorschläge zur Messung der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung finden sich sowohl auf nationaler (z. B. die Bundestags-Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“) als auch international (z. B. der „Human Development Index“ der Vereinten Nationen).

Grund Nr. 2: Auch auf das Wirtschaftswachstum 2017 werden Unternehmen und Verbraucher reagieren

Finanzkorrespondent Markus Zydra hat einmal Wirtschaftsprognosen gesagt, dass diese schlechter als der Wetterfrosch seien. Das liege, so Zydra, jedoch nicht an den Ökonomen selbst, sondern sei dem Umstand geschuldet, dass das Wetter, im Gegensatz zu uns Menschen, auf die Vorhersagen niemals reagiert. Mit anderen Worten, dem Wetter ist es egal, ob es aufgrund niedriger Temperaturen zu Glatteis – und damit zu Verkehrsbehinderungen – kommt. Es wird deshalb nicht wärmer. Unternehmen und Verbraucher jedoch orientieren sich, in Bezug auf ihr wirtschaftliches Verhalten, an den Vorhersagen der Ökonomen.

Prognostiziert man für das Wirtschaftswachstum 2017 eine negative Konjunkturentwicklung werden Hersteller die Produktion für ein Gut zurückfahren. Die Menschen werden, anstatt Geld auszugeben dieses sparen. Sagt man dagegen eine positive Entwicklung voraus, werden Unternehmen in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten investieren beziehungsweise die Verbraucher verstärkt konsumieren.

Grund Nr. 3: Die Politik greift in das Wirtschaftsgeschehen ein

Was Ökonomen auch niemals vorhersagen können: Wie wird seitens der Politik auf prognostizierte volkswirtschaftliche Entwicklungen reagiert? Stets greift der Gesetzgeber in das wirtschaftliche Geschehen ein, und zwar aus gutem Grund. Etwa, um Auswüchse der sozialen Ungleichheit abzufedern. Mehr dazu beispielsweise in unserem Beitrag „CEOs: Bezüge senken, Transparenz erhöhen“. Aber auch, um langfristige Folgekosten, entstanden durch Umweltverschmutzung zu vermeiden und so weiter und so fort.

Christoph Schroeder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.