Energie & Umwelt

Wochenrückblick auf die Bereiche Energie und Umwelt: KW 17

Erneuerbare Energien:
1. Neuer Lithium-Ionen-Akku mit Turbo-Ladung entwickelt
2. Solarenergie mit einfachem Glas als Zellmaterial
3. EnBW fordert Änderung bei Förderung von Offshore-Windparks
4. Regierungsagenda: Energiepflanzen statt Brachland und Lebensmittelberge

Atomkraft:

5. 12 AKWs vom Netz, nur noch 5 übrig – und immer noch kein Problem

Öl und Gas:
6. Anschlag auf ägyptische Gaspipeline
7. Gasland Ukraine will Westanbindung an die EU nicht aufs Spiel setzen

Sonstiges:

8. Nicht Färben sondern Füttern – Raupen spinnen umweltfreundlich farbige Seide
9. Malaysia kurz vor Erschließung seiner „Seltenen Erden“
10. Japans Wiederaufbau kostet bis zu 417 Mrd. Euro – Bonität steht in Frage

Erneuerbare Energien:

Neuer Lithium-Ionen-Akku mit Turbo-Ladung entwickelt
An der Colorado State University wurde der Prototyp einer neuen 3D-Batterie auf der Basis der Nanotechnologie entwickelt, der schneller zu laden ist und zudem stärker und langlebiger ist als die gebräuchlichen Lithium-Ionen-Akkus. Der Prototyp lässt sich nach völliger Entleerung innerhalb von zwölf Minuten wieder vollständig laden. Kommerzielle Batterie benötigen für die gleiche Energieleistung etwa zwei Stunden. Die Lebensdauer betrage ungefähr das Doppelte. Grundlage des Schnellladeeffekts ist eine Veränderung der Chemie der Batterie: In dem Prototyp der neuartigen Li-Ionen-Akkus wird die Graphit-Elektrode durch Nanodrähte aus Antimonid ersetzt, die doppelt so viel Lithium-Ionen speichern können wie die gleiche Menge Graphit. Sie sind außerdem chemisch stabiler als der Kohlenstoff und resistenter gegen Hitze. Dadurch können die Akkus künftig zudem dünner und leichter ausfallen. Eine Serienreife für Mobilgeräte wird in rund zwei Jahren erwartet. Die Entwicklung hochleistungsfähiger Autobatterien dürfte noch etwas länger dauern.

 

Solarenergie mit einfachem Glas als Zellmaterial
Physiker der University of Michigan in Ann Arbor (USA) haben einen Weg gefunden, Licht zur Energiegewinnung zu nutzen, ohne die üblicherweise für Solarzellen genutzten Halbleiter wie etwa Silizium zu verwenden. Grundlage ist dabei die magnetische und nicht die elektrische Komponente des Lichts. Bei hohen Lichtintensitäten, wie beispielsweise in einem Laser, kann das Licht in isolierenden Materialien wie zum Beispiel einfachem Glas magnetische Effekte auslösen, welche die Elektronen in dem Material auf C-förmige Bahnen lenken. Das erzeugt einen elektrischen und einen magnetischen Dipol. Wenne es gelingt, viele dieser Dipole in einer Glasfaser aneinander zu reihen, entstünde eine große Spannung, die sich als Energiequelle nutzen ließe. Ein erster Wirkungsgrad von zehn Prozent für die Umwandlung von Sonnenlichtenergie in nutzbare Energie wäre zunächst möglich – mit billig zu produzierendem Glas als preisgünstiges Zellenmaterial. Allerdings muss das Sonnenlicht dafür so stark fokussiert werden, dass es rund 100 Millionen Mal intensiver ist. Die Forscher hoffen daher Materialien zu finden, in denen der Prozess schon bei weitaus niedrigerer Lichtintensität auftritt.

 

EnBW fordert Änderung bei Förderung von Offshore-Windparks
Der EnBW-Chef Hans-Peter Villis fordert eine Stauchung der Fördermittel für Hochsee-Windparks. Demnach soll der Förderbetrag angehoben, dafür aber die Förderdauer abgesenkt werden. Konkret schwebt Villis eine Einspeisevergütung von 18 anstatt bislang 15 Cent je Kilowattstunde vor. Im Gegenzug soll die Förderdauer von aktuell 14 auf neun Jahre gekürzt werden. „Durch eine Konzentration der Förderung auf weniger Jahre könnten viele Projekte schneller in Angriff genommen werden“, die Investitionsanreize würden sich also erhöhen. Laut Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG würde die Rendite der Betreiber der Offshore-Windparks damit von heute sieben auf bis zu zwölf Prozent steigen. Zum Vergleich die Zahlen für die deutsche Wirtschaft: Die 30 Dax-Unternehmen erzielten 2010 eine Umsatzrendite von durchschnittlich beinahe sieben Prozent. Im Rekordjahr 2007 erreichten die Dax-Konzerne beinahe zehn Prozent. Der bisherige Rekordwert aller deutschen Firmen wurde ebenfalls 2007 mit 5,2 Prozent realisiert.

 

Regierungsagenda: Energiepflanzen statt Brachland und Lebensmittelberge
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will die Anbauflächen für Energiepflanzen in Deutschland von derzeit 1,8 Millionen auf rund drei Millionen Hektar erweitern. Die Energiepflanzen wie Raps und Mais dienen der Produktion von Biokraftstoffen und können nicht nur im Benzintank sondern beispielsweise auch in Pflanzenöl-Blockheizkraftwerken eingesetzt werden. Derzeit stammen mehr als 65 Prozent der erneuerbaren Energien aus Biomasse, der Rest wird aus Wind, Wasser und Sonne erzeugt. Theoretisch hat die Biomasse nach jetzigem technologischem Stand bereits heute eine Kapazität, die einem Drittel der Strommenge aller 17 Atomkraftwerke in Deutschland entspricht. Ilse Aigner: „Landwirte werden in Zukunft auch immer mehr zu Energiewirten – und das, ohne bei der Lebensmittel- und Futterproduktion große Abstriche zu machen.“ Derzeit werden in Deutschland auf einem Anteil von 15 Prozent der Gesamtanbaufläche von 12 Millionen Hektar (landwirtschaftliche Nutzfläche) Energiepflanzen angebaut. Von einer Konkurrenz zu Nahrungsmittel kann dabei in Deutschland selbst keine Rede sein: 1. Zum einen werden in der hochsubventionierten europäischen Landwirtschaft noch immer Lebensmittelberge produziert, die weit über die Nachfrage hinausgehen – die Subventionen dienen dabei der Existenzsicherung der Landwirte und könnten bei einem zusätzlichen Einkommen durch Energiepflanzenproduktion heruntergefahren werden. Die hochsubventionierten europäischen Lebensmittelüberschüsse wiederum zerstören die Lebensmittelmärkte in Entwicklungsländern, ruinieren die dortigen Bauern aufgrund wegfallender Einnahmequellen, was die dortigen Volkswirtschaften im gesamten schädigt, und treiben die Länder somit aus der Möglichkeit der Selbstversorgung in die Abhängigkeit von Lebensmitteleinfuhren. 2. 1993/94 wurde die Flächenstilllegung als Instrument der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik eingeführt, um die Überproduktion zu drosseln. Landwirte bekamen seitdem nur noch dann Direktzahlungen, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz ihrer Anbaufläche aus der Produktion nahmen (zunächst 15 Prozent). Diese Stilllegungsrate wurde entsprechend der Überproduktion jährlich angepasst und beispielsweise für die Aussaat zwischen Herbst 2007 und Frühjahr 2008 als Reaktion auf niedrigere Erntemengen vorübergehend auf 0 Prozent gesetzt. Auf diesen Stilllegungsflächen ist es gestattet, auch nachwachsende Rohstoffe anzubauen (eine Kuriosität zur Verhinderung der Überproduktion ist auch die „Abwrackprämie für Kühe“ = subventioniertes Töten von Milchkühen). 3. Mit neuartigen Technologien zur Produktion von Bioethanol der zweiten Generation wird es künftig zudem genügen, Pflanzenabfälle wie beispielsweise die Rückstände aus der Zucker- oder der Olivenölproduktion zur Energieproduktion heranzuziehen, beziehungsweise die komplette Biomasse schnell wachsender Pflanzen zu nutzen, wodurch sich der Energieertrag pro Hektar um ein vielfaches erhöht. Entsprechend sieht die Landwirtschaftsministerin auch die größtmögliche Erhöhung der Energieeffizienz pro Hektar als die drängendste Herausforderung der Zukunft, auch müssten entsprechend vorrangig Rest- und Abfallstoffe verwertet werden. Grundsätzlich müsse der Anbau von Nahrungsmitteln Vorrang vor dem Anbau von Energiepflanzen haben, aber „Teller und Tank sind durchaus miteinander in Einklang zu bringen“. Im Ergebnis könne die Landwirtschaft ihren Anteil an der Herstellung erneuerbarer Energien noch deutlich ausbauen. Ein Interessenkonflikt mit der übermächtigen Mineralölindustrie ist jedoch vorprogrammiert und schon im vollen Gang: In einem Interview mit AGITANO hat der Politikwissenschaftler und ehemalige Leiter und Moderator des politischen Magazins „Report“ und Leiter der Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im Südwestrundfunk sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“, Dr. Franz Alt, seit Jahren Vorkämpfer für die Erneuerbaren Energien, die großen Mineralölkonzerne für die Lobbykampagne gegen Biosprit gebrandmarkt: Dr. Franz Alt: „Geld regiert die Welt. Das muss jeder wissen, der uns zuhört. Das ist das Problem heute. Da wo die Milliarden sitzen und die Milliardengewinne, dort wird auch die Politik am meisten beeinflusst.“ Die alten Ölkonzerne seien an Biosprit und Bioethanol nicht im geringsten interessiert, weil sie daran nicht verdienen, sondern im Gegenteil, ihr Absatz darunter leidet und zurückgeht. „Die haben eine Desinformationskampagne aller erster Güte hingelegt und die Bürger verunsichert und ihnen Angst gemacht, der Motor würde kaputt gehen. Das ist solcher Unsinn. Die ganze Welt lacht über das unsäglich hinterwäldlerische Verhalten in Deutschland, das verursacht ist von den großen Ölkonzernen. Die Bauern sind am Bioethanol interessiert, weil das ihr Stoff ist. Aber die Bauern haben halt eine zu schwache Lobby gegenüber der Ölwirtschaft.“

 

Atomkraft:

 

12 AKWs vom Netz, nur noch 5 übrig – und immer noch kein Problem
Deutschland kann auf seine Atomkraftwerke leichter und schneller verzichten, als von den AKW-Betreibern zuletzt oftmals behauptet. Das zeigt auch das eigene betriebswirtschaftliche Denken der „großen Vier“. So hatte auch der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Wochenende erneut vor einer Panikmache durch die Energie-Industrie gewarnt: Die Debatte um einen möglichen Strommangel werde „oft oberflächlich und interessengeleitet“ geführt. Derzeit sind die sieben ältesten Atomkraftwerke aufgrund des Laufzeit-Moratoriums vorübergehend stillgelegt. Weitere fünf Reaktoren gehen im Mai wegen schon länger geplanten Revisionen (Wartungsarbeiten) vorübergehend vom Netz. Damit bleiben nur noch fünf laufende Anlagen am Netz. Kein Problem, wie das Verhalten der Betreiber offenlegt. Entgegen mancher Versuche der Panikmache rechnen die Betreiber intern offenbar selbst nicht mit Engpässen. Es besteht noch nicht einmal die Notwendigkeit, die eingemottete „Kaltreserve“ an stillgelegten konventionellen Gas- und Kohlekraftwerken zu reaktivieren (sechs Kraftwerksblöcke mit insgesamt 1.700 MW Leistung). Dies ist einerseits ein Zeichen dafür, dass die Großhandelspreise noch nicht hoch genug seien, um diese älteren Kraftwerke anzufahren und da es zugleich auch keine entsprechenden Vorbereitungen gibt, wird offenbar auch von Seiten der Betreiber intern nicht mit einem entsprechenden Engpass gerechnet. Thorsten Lenck vom Analysedienst Energy Brainpool: „Auch in naher Zukunft rechnen die Versorger nicht mit dauerhafter Stromknappheit und hohen Erlösen für ihre Kraftwerke.“ Greenpeace hatte bereits in der vorletzten Woche die Zahlen konkret durchgerechnet und hält dementsprechend einen Atomausstieg bis 2015 und ein Kohleaus bis 2030 für machbar und zugleich für wirtschaftlich sinnvoll: Unter dem Strich ergibt ein solcher Zeithorizont einen Gewinn von 35 Milliarden Euro. Grund seien vor allem die positiven Kosteneffekte der vielen neuen Arbeitsplätze, die Dezentralisierung der Energieversorgung, bei der sich die Bürger gegenseitig Strom abkaufen und davon profitieren (besonders einkommensschwache Regionen) und das Zurückfahren der jährlichen Milliardenabflüsse etwa bei den Ausgaben für Brennstoffe.


Öl und Gas:

 

Anschlag auf ägyptische Gaspipeline
Am Mittwochmorgen wurde auf die Gaspipeline in der Region Es-Sabil auf der ägyptischen Halbinsel Sinai ein Sprengstoffanschlag verübt. Die Pipeline fing daraufhin Feuer und der Gastransport nach Israel und Jordanien wurde unterbrochen. Bereits am 5. Februar hatte ein Anschlag den Gastransport bis zum 16. März unterbrochen. Ein weiterer Anschlag konnte am 27. März verhindert werden. Seit 2006 liefert Ägypten 1,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas an Israel – sowohl über die Pipeline als auch als Flüssiggas. Ägypten deckt damit 40 Prozent des israelischen Erdgasbedarfs. Das Geschäft wird jedoch von vielen Ägyptern wegen der kompromisslosen Haltung Israels im Nahost-Konflikt abgelehnt.

 

Gasland Ukraine will Westanbindung an die EU nicht aufs Spiel setzen
Die Ukraine will eine künftige EU-Mitgliedschaft nun doch nicht durch einen Beitritt zur Dreier-Zollunion Russland-Weißrussland-Kasachstan aufs Spiel setzen. Das osteuropäische Land ist das wichtigste Gastransitland für die Europäische Union und daher von strategischer Bedeutung im Sinne der Energiesicherheit. Rund 80% des russischen Gases für die europäische Gemeinschaft fließen derzeit (noch) durch das Leitungssystem der Ukraine. Russland versucht sich jedoch genauso von der dem Transitland Ukraine zu diversifizieren (Nord Stream, South Stream, Blue Stream), wie die EU von dem Erzeuger Russland (Nabucco). Zudem lagern auf dem Territorium des osteuropäischen Landes fossile Rohstoffe in Billionen Höhe. Anfang April wurde nun bekannt, dass Kiew noch im laufenden Jahr das Assoziierungsabkommen für eine künftige EU-Mitgliedschaft mit der Europäischen Union festlegen will. Das Assoziierungsabkommen beinhaltet auch ein Abkommen über die Bildung einer Freihandelszone, die noch in 2011 in Kraft treten könnte. Allerdings flirtet Präsident Janukowitsch auch mit der Zollunion Russland-Weißrussland-Kasachstan im postsowjetischen Raum. Ein Beitritt zur Zollunion, so hieß es aus Kiew, würde eine gleichzeitige Schaffung einer Freihandelszone mit der Europäischen Union keinesfalls behindern. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte dem jedoch eine Absage erteilt und eine solche Doppelmitgliedschaft für unmöglich erklärt – die Ukraine solle sich für eine Richtung entscheiden. Nun hat der ukrainische Außenminister Konstantin Grischtschenko erklärt, dass doch nicht über den Betritt zur Zollunion mit Russland, Kasachstan und Weißrussland verhandelt werde. „Die Teilnahme der Ukraine an der Zollunion kommt nicht in Frage.“ Grischtschenko versicherte zudem, Kiew würde unter keinen Umständen einen EU-Beitritt verzichten. Der europäische Markt habe für Kiew einen höheren Wert als der russische, kasachische und weißrussische Markt, weil Europas Konsumpotenzial größer sei.

 

Sonstiges:

 

Nicht Färben sondern Füttern – Raupen spinnen umweltfreundlich farbige Seide
Seidenraupen liefern jährlich rund 150.000 Tonnen der extrem dünnen, reißfesten und weichen Textilfasern. Durch bestimmte Futterzusätze kann man die Raupen sogar dazu bringen, auch rosa, blaue und grüne Seide zu spinnen. Mit der Entwicklung der Forscher aus Singapur könnten bunte Seidenstoffe in Zukunft deutlich günstiger und umweltfreundlicher produziert werden als bisher. Das Wachstum der Seidenspinner-Larven wurde durch die zugesetzten Farbstoffe Rhodamin B (Rosa), Rhodamin 110 (Gelb) und Rhodamin 101 (Blau) offenbar nicht beeinträchtigt. Entgegen früherer Versuche bleichen die Farben bei diesen Futterzusätzen auch nicht aus. Die Forscher erhoffen sich jedoch nicht nur eine umweltverträglicheren Methode des Färbens, sondern auch weitere Anwendungen im biomedizinischen Bereich. Beispielsweise könnten andere Futterzusätze eventuell Fasern erzeugen, die antibakteriell in Wundverbänden gegen Entzündungen wirken.

 

Malaysia kurz vor Erschließung seiner „Seltenen Erden“
Der australische Bergbaukonzern Lynas plant, auf der südostasiatischen Halbinsel Malaysia die raren Hightech-Metalle „Seltene Erden“ abzubauen. In dem letzten Jahrzehnt haben die hohen Umweltverschmutzungen im Zuge des Abbaus dieser Metalle dazu geführt, dass sich der Abbau zu über 90 Prozent auf China konzentrierte. Aufgrund von Ausfuhrbeschränkungen aus dem Reich der Mitte im Laufe des Jahres 2010 und einem steigenden Eigenverbrauch der chinesischen Hightech-Industrie kam es im vergangenen Jahr zunehmend zu Engpässen auf dem internationalen Markt und damit zu rasant steigenden Preisen (Vervierfachung des Preises seit 2001). Daher werden nunmehr weltweit neue Vorkommen erschlossen, alte Minen wieder geöffnet und Alternativen entwickelt. Eine malaysische Kommission soll nun binnen eines Monats die Raffineriesicherheit des australischen Projekts überprüfen. Dabei gilt die Hauptsorge einer möglichen Freisetzung von radioaktivem Material während des Raffinerieprozesses. Lynas kündigte unterdessen die Verwendung modernster Umweltschutzsysteme an.


Japans Wiederaufbau kostet bis zu 417 Mrd. Euro – Bonität steht in Frage
Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte Japan bereits Ende Januar eine schlechtere Note in der Bonitätswertung verpasst und wegen der hohen Staatsverschuldung von rund 200 Prozent des BIP die Bewertung von AA auf AA- gesenkt (allerdings verfügt Japan neben dem höchsten prozentualen Schuldenberg der Industrieländer kurioserweise auch mit 1,093 Billionen Dollar über die nach China zweithöchsten Währungsreserven der Welt – den Schulden der öffentlichen Hand von insgesamt 7,7 Billionen Euro stehen zudem private Ersparnisse von 12,7 Billionen Euro gegenüber). Aufgrund der immensen Kosten nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe hat die Ratingagentur nun die Aussicht für Japan von „stabil“ auf „negativ“ geändert: Standard & Poor’s rechnet mit Wiederaufbaukosten zwischen 167 Milliarden und 417 Milliarden Euro. Dabei sind die Kosten zur Bekämpfung der Atomkatastrophe in Fukushima-1 noch gar nicht mit eingerechnet, die zudem kaum abzuschätzen seien. Eine erneute Absenkung der Bonität würde – analog zu den Entwicklungen in der Peripherie der Euro-Zone – höhere Zinslasten bei einer neuerlichen Kreditaufnahme zur Refinanzierung des gigantischen Schuldenberges bedeuten und damit den Handlungsspielraum des krisengeplagten Landes weiter einschränken. Zudem ist die japanische Währung im internationalen Vergleich seit Jahren stark überbewertet (im Gegensatz zur chinesischen Währung). Eine teure Währung schadet jedoch den Exporten und somit der Konjunkturerholung. Letztere dümpelt bereits seit den 1990er Jahren vor sich hin, als die Japan-Blase platzte: Der Tokioter Leitindex Nikkei-225 hatte sich Ende der 1980er innerhalb von nur drei Jahren mehr als verdoppelt und lag Ende Februar 1990 bei 37.400 Punkten, bevor dann der Kurs wieder einbrach. Am 27. April 2011 rangiert er derzeit bei 9.690 Punkten.

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