Wirtschaft

Zehn Jahre Riester-Rente – mehr Mitnahmeeffekte als Altersvorsorge

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das zum Deutsche-Bank-Konzern gehört, hat nach zehn Jahren Riester-Rente eine Bilanz gezogen. Demnach wird die Riester-Rente vornehmlich für Mitnahmeeffekte der Zuschüsse und Steuervorteile genutzt, ohne dass die Bundesbürger wirklich zusätzliches Vermögen für den Lebensabend ansparen und aufbauen. „Wir haben in der Mittelschicht relativ große Mitnahmeeffekte (…) und wir fördern die wirklich bedürftigen Menschen leider zu wenig.“ Damit bleibe die staatlich geförderte private Altersvorsorge hinter den Erwartungen zurück und entpuppe sich immer mehr als teure Fehlkalkulation. Die Autoren der Studie schätzen, dass im Zeitraum 2002 bis 2009 rund 27 Milliarden Euro in etwa 15 Millionen Riester-Verträgen angespart wurden. 30% der Gelder sind staatliche Zulagen. Die Grundzulage beträgt 154 Euro im Jahr plus Kinderzulagen.

Die Gelder werden häufig einfach in die mit rund einer Milliarde Euro pro Jahr staatlich bezuschussten Produkte umgeschichtet, ohne dabei die private Rentenlücke zu stopfen. Dies gelte im besonderen Maß für Besserverdienende und Familien. In diesem Personenkreis hat jeder dritte Förderungsberechtigte eine Riester-Rente abgeschlossen, im Bundesdurchschnitt ist es jeder Fünfte. Die Zuschüsse kann jeder in Anspruch nehmen, der sich in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis befindet beziehungsweise in einem Haushalt mit einem sozialversicherungspflichtig Arbeitenden lebt.

Familien mit Kindern unter 16 Jahren bilden mit rund 30% die größte Gruppe der Riester-Sparer. Alleinerziehende kommen auf 20%. Der Anreiz ist hier die Kinderzulage: Sie beträgt im Höchstfall 185 Euro für bis 2007 geborene Kinder und 300 Euro für ab 2008 Geborene. Berufseinsteiger (18-29) erhalten einen Zuschuss von 200 Euro und kommen dadurch mittlerweile auf rund 26%, Alleinlebende sowie kinderlose Paare kommen auf jeweils 15%

Tendenziell würden aber eher die Besserverdienenden riestern. Auch hierfür gibt es einen festen Grund: Viele Geringverdiener würden zu Recht befürchten, in die sogenannte Sparfalle zu tappen. Sollte nämlich die individuelle spätere staatliche Rente unter dem Grundlebensniveau liegen, könnte die Riester-Rente dann auf die staatlichen Zuschüsse im Alter angerechnet werden, womit die Zahlungen zuvor vollkommen umsonst gewesen wären. Da hier also kein Anreiz existiert, kommen die Geringverdiener auch seltener in die Vorzüge der Zuschüsse und Förderungen.

Eine weitere Tendenz ist den Autoren der Studie zu Folge, dass der Börsencrash 2008/09 die Bürger stark verunsichert habe. Das Vertrauen in die private Vorsorge über Fonds an der Börse sei vielfach verloren gegangen und Verträge aufgelöst worden. Die Zuwächse hätten sich merklich abgeflacht, teilweise seien auch Rückgänge zu beobachten.

Die Riester-Förderung (seit 2001) ist nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannt. Insgesamt gibt es vier Anlageformen: Rentenversicherung, Aktienfonds und Banksparplan sowie seit 2008 das Bausparen, also für den Kauf oder das Abbezahlen einer Immobilie.

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