Energie & Umwelt

ZEW Energiemarktbarometer – Entspannung bei Energiepreisen ist nur von kurzer Dauer

Bis Ende des Jahres 2012 müssen Großkunden in Deutschland voraussichtlich nicht mit weiter steigenden Energiepreisen rechnen. Anders sieht es dagegen aus, wenn man einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren ins Auge fasst. Aus dieser mittelfristigen Perspektive betrachtet müssen sich Industrieunternehmen, große Gewerbebetriebe, Kommunen und andere Endverbraucher, die Strom, Erdöl, Erdgas und Kohle in großem Umfang nachfragen, auf einen deutlichen Preisanstieg einstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) Energiemarktbarometers unter rund 200 Fachleuten aus der Energiewirtschaft und Wissenschaft. Sie wurden Mitte 2012 zu den kurz- und mittelfristigen Trends bei den Energiepreisen für Großkunden befragt (weitere Informationen zum ZEW Energiemarktbarometer siehe Ende der Pressemitteilung).

Deutlich weniger Experten als noch im Energiemarktbarometer Ende 2011 erwarten derzeit, dass die Preise für Strom, Öl, Gas und Kohle auf kurze Sicht steigen werden. So gehen fast 70 Prozent der Umfrageteilnehmer von einem unveränderten Preisniveau für Strom bis zum Jahresende 2012 aus. Nur noch knapp 30 Prozent sind davon überzeugt, dass die Elektrizitätspreise auf Sicht von sechs Monaten steigen werden. In der Befragung Ende 2011 erwarteten dagegen noch 47 Prozent der Energiemarktexperten kurzfristig steigende Strompreise.

"Diese Einschätzung stimmt mit den stabilen Prognosen für Primärenergieträger auf dem Weltmarkt überein. Somit ist ein Anstieg des Strompreises bis zum Jahresende eher unwahrscheinlich", sagt Nikolas Wölfing, Wissenschaftler im Forschungsschwerpunkt Energiewirtschaft des ZEW.

Denn nicht nur für Strom, sondern auch für Öl, Gas und Kohle ist der Anteil der Experten, die kurzfristig steigende Preise erwarten, deutlich kleiner geworden als noch vor einem halben Jahr. Beim Öl prognostizieren in der aktuellen Umfrage lediglich 25 Prozent der Befragten steigende Preise auf Sicht eines halben Jahres. In der vorangegangenen Umfrage waren es noch 41 Prozent. Dass der Ölpreis in den kommenden sechs Monaten unverändert bleiben oder gar sinken wird, davon gehen dagegen 75 Prozent der Experten aus.

Der Anteil derjenigen, die von einem Preisanstieg beim Gas bis zum Jahresende ausgehen, sinkt in der aktuellen Umfrage auf 21 Prozent. In der Umfrage vom Jahresende 2011 lag er noch bei 38 Prozent. Mit stagnierenden Gaspreisen rechnen aktuell 65 Prozent der Befragten.

Während Ende 2011 noch 31 Prozent von kurzfristig steigenden Kohlepreisen ausgingen, sind in der aktuellen Umfrage lediglich noch 18 Prozent von einem solchen Szenario überzeugt. Dagegen erwarten drei Viertel der Befragten ein unverändertes Preisniveau bei Kohle bis zum Jahresende 2012.

Langfristig, also auf Sicht von fünf Jahren, werden die Energiepreise allerdings anziehen. Davon zeigen sich die vom ZEW befragten Energiemarktexperten überzeugt. Fast 90 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Strompreise in den kommenden fünf Jahren steigen werden. 82 Prozent prognostizieren langfristig steigende Ölpreise. Beim Erdgas rechnen fast drei Viertel der Befragten mit höheren Preisen und langfristig steigende Kohlepreise prognostizieren fast 70 Prozent der Experten des Energiemarktbarometers.

"Die Zeiten dauerhaft günstiger Energie sind wahrscheinlich vorerst vorbei. Auf den Weltmärkten treibt die zusätzliche Nachfrage aus den sich industrialisierenden Ländern die Preise. Und auch der Umbau auf erneuerbare Energieträger ist mit großen Kosten verbunden“, fasst Nikolas Wölfing den Ausblick zusammen. „Die Haushalte und Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Energiekosten in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen als man das bisher gewohnt war."

Das ZEW Energiemarktbaromter:

Das ZEW Energiemarktbarometer ist eine halbjährliche Befragung von rund 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis (Energieversorgungs-, -handels- und -dienstleistungsunternehmen, Regionalversorgern ebenso wie EVU und Ökostromunternehmen). Sie werden zu ihren Erwartungen hinsichtlich der kurz- und mittelfristigen Entwicklungen auf den nationalen und internationalen Energiemärkten befragt. Die vollständigen Ergebnisse der aktuellen Befragung (Befragungszeitraum: Mai 2012) werden in den ZEWnews Juli/August 2012 erscheinen.

Für Rückfragen zum Inhalt:

Nikolas Wölfing, Telefon +49 621/1235-217, E-Mail woelfing@zew.de

(Quelle: ZEW)

 

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