Kolumnen

Zieht Euch warm an – Die globale Erwärmung ist da

2010 hatte Deutschland den kältesten Dezember seit 40 Jahren – aber zugleich gehörte das Jahr 2010 global zu den heißesten Jahren seit 1860. In den USA, in Europa und in Nordasien war es im letzten Dezember weit überdurchschnittlich kalt und zur selben Zeit auf der südlichen Erdhalbkugel überdurchschnittliche heiß. Warum spielt das Wetter verrückt und was hat das alles mit der globalen Erwärmung zu tun? Heißer Globus und kaltes Europa – was sind die Ursachen?

 

Der US-Klimaforscher Judah Cohen empfiehlt, den Blick auf den Schnee in Sibirien zu lenken, um die Wettertextreme zu verstehen. Weder der El Nino noch die Variabilität der Sonneneinstrahlung könnten für die überraschende Winterkälte 2010 und in den Wintern davor verantwortlich gemacht werden. Ein Phänomen in Sibirien sei, dass sich die jahreszeitlich bedingte Schneedecke permanent ausdehne, obwohl die Permafrost-Gebiete auftauten. Genau dies sei ein Ergebnis des Klimawandels.

 

In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten, so Cohen, haben sich die globalen Temperaturen erhöht und die arktische Meereseisdecke ist dadurch geschmolzen. Also war mehr Feuchtigkeit verfügbar, die im Winter als Schnee auf die Nordteile des Globus fällt. Daher jetzt so viel Schnee in Europa, in Nordasien und im Norden der USA. Die Energie der Sonne wird vom hellen weißen Schnee reflektiert und verschwindet im All mit dem Ergebnis, dass die Temperatur sinkt. Es wird regional kälter.

 

Wenn die Schneedecke in Sibirien größer wird, verursacht sie eine ungewöhnlich große Kuppel kalter Luft. Daher haben wir seit etwa der Jahrhundertwende trotz globaler Klimaerwärmung in der nördlichen Erdhalbkugel kältere Luft und außergewöhnlich schneereiche und kalte Winter. Die meisten Vorhersagen haben diese Zusammenhänge übersehen, da die primären Faktoren ihrer Modelle die Ozeane sind. Sie haben den Schnee in Sibirien ignoriert. Langfristige Klimavorhersagen sind noch weit schwieriger als kurzfristige Wettervorhersagen.

 

Der Klimaforscher Cohen empfiehlt also, den Blick nach Osten zu richten, um die zukünftigen Wetterextreme besser zu verstehen. Auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vermutet, dass die Erderwärmung die Winter kälter werden lassen könnte. Durch die Eisschmelze in der Arktis entstehe eine Abkühlung der nördlichen Kontinente. Vladimir Petoukhov vom PIK: „Diese Störungen könnten die Wahrscheinlichkeit des Auftretens extrem kalter Winter in Europa und Nordasien verdreifachen“. Auch die Forscher im Potsdam-Institut halten die Einflüsse der verringerten Sonnenaktivität für gering. Der Zusammenhang zwischen dem Rückgang des Permafrosts und dem Steigen der Schneemassen sowie dem kalten Winter sei wahrscheinlicher.

 

Im „Journal of Geophysical Research“ schreibt Petoukhov: „Harte Winter wie der im vergangenen Jahr oder jener 2005/06 widersprechen nicht dem Bild globaler Erwärmung, sondern vervollständigen es eher“. Die derzeitigen Wetterextreme auf unserem Globus könnten also zumindest in Europa zur Erkenntnis führen: Zieht Euch warm an – die globale Erwärmung ist da!

 

Quelle: © Franz Alt 2011

 

 

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