Beinahe-Amoklauf in Memmingen – Und die Waffenlobby schreit

Zum Glück wurde Schlimmeres verhindert. Erneut ist ein Teenager in den Besitz von Waffen gekommen, erneut ist ein Teenager damit in seiner Schule aufgetaucht und glücklicherweise ist diesmal niemand ums Leben gekommen.

In den letzten Jahren gab es viele Ereignisse, bei denen Menschen durch Waffen ums Leben kamen, die ein Heranwachsender an sich bringen konnte. Ist es in den USA quasi ein Kinderspiel Pistolen oder Gewehre in die Hände zu bekommen, gestaltet sich dies in Deutschland schon etwas schwieriger. Aber es ist auch nicht unmöglich, wie sich nun wieder einmal zeigte. So hat der Schüler aus Memmingen demnach den Waffentresor seines Vaters – Mitglied in einem Schützenverein – öffnen können, um an die scharfen Schusswaffen zu gelangen.

Wie immer nach einer solchen Tat, oder hier Beinahe-Tat, werden die Forderungen von Institutionen, Lehrern und Politikern laut, die nach einer Verschärfung des Waffenrechts rufen. Und ebenso erschallen die Rechtfertigungsversuche der Waffenlobby im Medienwald. Erinnert sei dabei an das Massaker an der Columbine Highschool in Colorado im Jahr 1999. Dort gab es 13 Opfer zu beklagen. Kurz nach dem Massaker veranstaltete die in den USA mächtige Waffenorganisation NRA in eben jenem Städtchen eine Kundgebung, um für die Waffenfreiheit zu werben.

Ganz so extrem sind die Maßnahmen in Deutschland nicht, aber auch hier gibt es die üblichen Reflexe der Waffennarren, die versuchen ihre rund zehn Millionen genehmigungspflichtigen Waffen zu schützen. Das Forum Waffenrecht, eine Art Dachorganisation, zählt 200 Verbände und 30.000 Einzelpersonen und betreibt dieses politische Lobbying. Wenn beispielsweise Claudia Roth von den Grünen fordert, dass alle Waffen aus Privatwohnungen verschwinden müssten, kontert die Lobby mit einem Verweis darauf, dass sich bspw. in den Schützenheimen Waffen- und Munitionsdepots ansammeln würden. Verweist dann jemand auf ein potentielles generelles Waffenverbot für Privatleute, dann leiden darunter die Olympiahoffnungen der Sportschützen und natürlich die auf Brauchtum und Pflege der Natur bedachten Freizeitjäger.

Es sind immer dieselben Argumente die in diesem Diskurs ausgetauscht werden. Und immer wieder ist das Ergebnis gleich: Nämlich keins. Zwar gibt es ab und an einmal Veränderungen am Waffenrecht, diese sind aber in der Regel eher bürokratischer Natur. Schließlich gibt es unzählige Behörden die hier ihre Finger im Spiel haben, die Polizei und die Ordnungsämter vorneweg.

Es wird sich nichts ändern, wenn weiterhin Waffen in den Händen von Privatleute liegen. Es braucht nur den kurzen Blick des aufgebrachten Sohnemanns während der Vater kurz den Waffenschrank öffnet und die Kombination ist verraten. Dann ist der Weg zu einem mörderischen Potenzial nicht mehr weit.

(sm)