Technologie

Chinesen verlieren die Geduld und wechseln von Boeing zu Airbus

Die Verspätungen bei dem Prestigeprojekt Dreamliner (787) werden für Boeing zum Albtraum. Der Großkunde China Eastern hat nun die Geduld verloren und 24 Exemplare des Carbon-Langstreckenfliegers abbestellt. Der Listenpreis beträgt rund 3,3 Milliarden Dollar. Statt dessen will Chinas größte Fluggesellschaft nun 15 Modelle vom Typ A330 des Konkurrenten Airbus im Wert von 2,5 Milliarden Dollar beziehen. Aufgrund der komplexen Verträge gestaltet sich der Wechsel für China Eastern allerdings durchaus aufwendig: Im Gegenzug für die Abbestellung der Dreamliner werden 45 neue und kleinere Boeing-737 bestellt, auf die es allerdings erhebliche Rabatte gibt. Von den bestellten 15 Airbus-Exemplaren werden wiederum einige direkt weiterverkauft.

Boeing hatte in der Spitze 2008 genau 972 Bestellungen für sein nun um dreieinhalb Jahre verspätetes Vorzeigemodell vorliegen. Mittlerweile ist der Auftragsbestand unter 800 abgerutscht. Die Auslieferungen der ersten 787 erfolgte am 26. September 2011 – bislang wurden zwei Maschinen an Kunden übergeben.

Der Dreamliner ist das erste Passagierflugzeug, dessen Rumpf und Flügel zu einem Großteil aus dem Leichtbau-Kohlefaserverbundwerkstoff Carbon bestehen. Carbon ist stabiler und fester als Stahl, aber zugleich auch leichter als Aluminium. Allein dadurch ergibt sich eine Spritersparnis von angeblich rund 20%). Allerdings ist das Hightech-Material aufgrund einer aufwendigen Verarbeitung in Manufakturen und wegen bislang noch fehlender automatisierter Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren noch sehr teuer. Die Entwicklungskosten für den Dreamliner waren zunächst auf sechs Milliarden Dollar veranschlagt worden. Aufgrund von Fertigungsproblemen, Verzögerungen und damit zusammenhängenden Strafzahlungen haben sich die Kosten auf schätzungsweise 15 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die aktuellen Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 32 Milliarden Dollar, womit der Dreamliner das teuerste Zivilflugzeugprogramm aller Zeiten wäre. Es müssten mindestens 1.000 bis 1.500 Dreamliner verkauft werden, bevor Boeing mit dem Modell Geld verdienen kann. (Umsatz Boeing 2010: 64,3 Mrd. Dollar, Gewinn nach Steuern: 3,3 Mrd. Dollar)

ElSchnuppero

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