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CSR in der Umsetzung II – Ein idealtypisches CSR-Herangehensmodell für Ihr Unternehmen

"Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeitsengagement (CSR) als Basis für Zukunftsfähigkeit, Innovation, Mitarbeiterbindung und Differenzierung – kleine Schritte, große Wirkung" von Ulrich Merkes, VINETA GmbH

Gerade kleinere oder mittelständische Unternehmen fühlen sich mitunter vom „Hype“ CSR überfordert, da sie nicht genau einschätzen können, wie substantiell der Trend, wie groß die Bedeutung für ihr Unternehmen oder wie konkret die Umsetzungsaufgabe wohl sein mag. Es ist ein Irrglaube, sich an den Aktivitäten größerer Unternehmen mit eigenen CSR-Abteilungen orientieren zu müssen. Wie immer gilt auch hier: Weniger ist oft mehr, aber zumindest die wenigen folgenden Aktivitäten sollte ein Unternehmen gezielt ergreifen. Ziel ist dabei kein schulmeisterlicher Ansatz, sondern vielmehr eine einfache Strukturierungshilfe auf für kleine Budgets:

Idealtypische Herangehensweise für ein strukturiertes Nachhaltigkeitsmanagement

1. Analyse:

Zunächst sollte eine grobe Analyse des speziellen Unternehmensumfelds mit Fokus auf ausgewählte Nachhaltigkeitsthemen durchgeführt werden. Die thematische Vielfalt kann hierbei mithilfe der Strukturen aus ISO 26000 oder der Global Reporting Initiative (GRI) schnell eingegrenzt werden, so dass der Analyseaufwand überschaubar bleibt. Eine Stakeholderanalyse hilft, sich darüber hinaus „nur“ auf wesentliche Zielgruppen zu konzentrieren. Hilfreich ist in der Regel dann die Unterteilung in „Muss-“ (z.B. gesetzliche Rahmenbedingungen), „Soll-“ (Industrieverpflichtungen oder zukünftige Auflagen in öffentlichen Ausschreibungen) oder aber „Kann-Anforderungen“ (freiwillige Verpflichtungen aus dem Unternehmensleitbild). Mit der Analyse beantworten Sie vor allem die Frage nach dem „Worum geht es?“

2. Definition von Zielen & Managementansatz/-politik:

Der Autor wird nicht müde auf die Bedeutung klarer CSR-Ziele hinzuweisen. Fehlt dieser kleine, aber wesentliche Schritt, bleibt jegliches Engagement zwangsläufig unkoordiniert und richtungslos. Gibt es aber klare Richtlinien und messbare Ziele, lassen sich hieraus auch Ursache-Wirkungsketten aufzeigen, die wesentlich leichter mit bestehenden Strukturen (Balanced Scorecards, Governance-Strukturen, Incentives, etc.) zu verknüpfen sind. So wird aus CSR ein Querschnittsthema, das Innovations- und Verbesserungspotentiale in diversen Unternehmensbereichen erschließt. Mit der Zieldefinition klären Sie die wesentliche Frage „Warum machen wir uns überhaupt die Mühe?“

3. Managementsystem & Organisationsstruktur:

Sind Ziele und Managementphilosophie formuliert, gilt es, bestehende Strukturen zu identifizieren, an die ein CSR-Engagement gekoppelt bzw. in denen neue Verantwortlichkeiten definiert oder aufgebaut werden können. Es liegt auf der Hand, dass eine Einbettung in der PR-/ Kommunikationsabteilung zu einem anderen Selbstverständnis und Ergebnis führt als bei einer Aufgabenteilung mit der Revision, dem Risikomanagement, der Qualitätsabteilung oder gar der Fertigung. Hier kommt also die Zielfrage zum Tragen: Was will das Unternehmen erreichen und welche Abteilung ist hierfür am besten geeignet. Mit Schritt 3. beantworten Sie vor allem die Frage: „Wer ist verantwortlich?“

4. Ressourcenbereitstellung:

Aus Sicht des Autors ist es bereits ein gutes Zeichen für den Reifegrad der organisatorischen Verankerung, wenn CSR-Budgets geplant vergeben und nicht ad-hoc als Sonderbudgets gehandhabt werden. Idealerweise liegt hinter diesem Ressourcen-Allokationsprozess eine nachvollziehbare Priorisierungslogik auf Basis von Wertbeitragsanalysen, d.h. auch das CSR-Engagement sollte wirtschaftlichen Ansprüchen genügen. Phase 4. klärt die wichtige Frage nach dem „Womit?“

5. Maßnahmenplanung & -umsetzung:

Zu einer guten Umsetzung gehören neben einer professionellen, zielfokussierten Phasenplanung vor allem auch die richtigen Ressourcen. Insbesondere bei der Zusammensetzung des Teams sollte bei aller Interdisziplinarität, kreativem Freiraum und der klugen Beimischung von externen Experten auch streng auf die Erreichung wirtschaftlicher Ziele und Maßgaben geachtet werden. Der 5. Schritt im Vorgehensmodell klärt das „Wann und wie?“.

 

6. Monitoring & Evaluation:

Durch kontinuierliche Kontrolle der (Phasen-)Ergebnisse wird sichergestellt, dass es nicht zu bösen Überraschungen hinsichtlich der Zielerreichung kommt. Richtig aufgesetzt, verfolgen CSR-Projekte in der Regel sozio-ökologische UND wirtschaftliche Ziele. Dementsprechend sollte das Evaluationssystem diesen beiden Ansprüchen transparent Rechnung tragen. Die Übersicht der CSR-Schlüsselindikatoren (KPIs) der Global Reporting Initiative (GRI) gibt hierzu hilfreiche Anregungen.

7. Stakeholder-Kommunikation & -Einbindung (extern):

Mit diesem Schritt schließt sich der Kreislauf des CSR-Projektes in der Außenschau, d.h. die in der Analyse und Zieldefinition fixierten Interessengruppen werden nunmehr spezifisch über den Projektverlauf bzw. die –ergebnisse informiert. Die Kommunikation ist hierbei bereits Teil des CSR-Wertbeitrags für das Gesamtunternehmen, bietet sie doch Erkenntnisgewinne zu Markt, Risiken, Verbraucherinteressen, Lieferantensorgen, etc. Die Phasen 6. Und 7. beantworten kritisch die Fragen: „Sind wir erfolgreich? Tun wir das Richtige? Kommunizieren wir unsere Erfolge an die gewünschten Zielgruppen? Was sagen unsere Zielgruppen dazu?“

8. Kontinuierliche Verbesserung (intern):

Aufgrund der Querschnittsbedeutung von CSR für die gesamte unternehmerische Wertschöpfungskette, ist es wesentlich, auch intern einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu etablieren. Dies gilt sowohl für die CSR-Maßnahmen als solche, als auch für die Interaktion mit den weiteren Unternehmensfunktionen. Schritt 8. fordert Ihre Organisation auf, sich kontinuierlich zu fragen: „Tun wir das Richtige richtig? Wie werden wir – noch – besser?“

 

In der kommenden Kolumne finden Sie eine Erweiterung der o.g. Ausführungen, in denen der Autor Sie auf typische Herausforderungen und Fallstricke bei der Umsetzung der beschriebenen Schritte hinweist. Ich hoffe, Sie mit diesen Ideen und unserer partnerschaftlichen Beratungsphilosophie neugierig gemacht zu haben. Wenn Sie Fragen zu ersten Nachhaltigkeitsschritten und unseren „Quick Checks“ haben, freuen wir uns genauso, wie über erfahrene Unternehmen mit ehrgeizigen Weiterentwicklungszielen. Sie haben das Wort – melden Sie sich jederzeit mit Ihren Rückfragen und Anregungen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Ulrich Merkes
Geschäftsführer

  

Ulrich Merkes – Geschäftsführer VINETA Solutions

Bisher in dieser Kolumne:

1. Warum beschäftigen sich Unternehmen überhaupt mit dem Thema Nachhaltigkeit bzw. warum sollten sie dies tun (Motivatoren & Handlungstreiber)?

2. Welche CSR-Managementansätze und –philosophien gibt es, was kennzeichnet sie?

3. CSR in der Umsetzung I: Wie kann CSR in der Wertschöpfungskette verankert werden?

4. CSR in der Umsetzung II: Wie könnte eine idealtypische Herangehensweise für ein strategisches Nachhaltigkeitsmanagement in Ihrem Unternehmen aussehen

 

Kommende Folgen und Schwerpunkte:

5. CSR in der Umsetzung III: Typische Herausforderungen bei der Umsetzung der „idealtypischen“ CSR-Herangehensweise

6. CSR in der Umsetzung IV: Welche einfachen Einstiegsmöglichkeiten gibt es für interessierte Unternehmen: Ideenfindung durch Innovations-Workshops entlang des Produktlebenszyklus‘ oder innerhalb der spezifischen Wertschöpfungskette des Unternehmens – kleine Schritte, große Ergebnisse

7. CSR in der Umsetzung V: Wie kann beider Vielzahl an Themen und Anforderungen eine Priorisierung und Strukturierung (Roadmap) erfolgen?

8. CSR in der Umsetzung VI: Wie messe ich den Wertbeitrag und Erfolg meines CSR-Engagements – was bringt es?

9. „Best Practices“ – Welche konkreten Projektbeispiele gibt es, von denen Ihr Unternehmen lernen kann?

 

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Über den Autor:

 

Ulrich Merkes ist ein erfahrener Projektmanager mit einem internationalen Hintergrund in Strategie- und IT-Beratung. Er ist Geschäftsführer der „Vineta GmbH – Realising Sustainability”, einem ‘think & do-tank’ und internationalen Netzwerk aus freiberuflichen Seniorberatern in den Bereichen Innovation, Corporate Social Responsibility (CSR), Non-Profit Management und Entwicklungszusammenarbeit mit der Wirtschaft. Vineta ist davon überzeugt, dass ökologisch bzw. sozial sinnvolles Handel und ökonomischer Erfolg zwei Seiten der gleichen Medaille im unternehmerischen Ecosystem sein können. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Ulrich 10 Jahre in der Unternehmensberatung tätig, hiervon 7 Jahre bei Deloitte Consulting. Sein Beratungsschwerpunkt lag dabei vor allem auf Entwicklung, Alignment und Implementierung von Unternehmens-, CRM- und IT-Strategien, der Organisationsentwicklung, Corporate Governance, Prozess-Reengineering und Business Development. 2003 hat Ulrich in Barcelona erfolgreich als Master of International Business Management graduiert. Seit 2007 ist Ulrich nunmehr als freier Berater für verschiedene private und öffentliche (Nichtregierungs-) Organisationen tätig, um hier seinen bunten Hintergrund als „Social Entrepreneur“ für eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung einzusetzen.

 

Die VINETA GmbH interessierten Unternehmen eine Vielzahl an Unterstützungsmöglichkeiten an – vom CSR Quick Check und Analyse-Werkzeugen über Fokus-Workshop und Strategie-Entwicklung bis hin zur konkreten Umsetzung in den Geschäftsalltag.

 

ElSchnuppero

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