Management

„Der SaaS-Dschungel“ – Klarheit im Begriffswirrwarr

Software as a Service (SaaS) ist laut allen Marktforschungsunternehmen einer der Trends der kommenden Jahre in der Informations- und Telekommunikationsbranche. Dabei wird die „Software aus der Steckdose“ als Revolution angesehen, die zukünftig den Markt prägen und bestimmen wird. Versprochen werden vor allem Kostenvorteile durch Standardisierung und leistungsfähigere, operative Abläufe sowie ein Höchstmaß an Flexibilität.

Über dieses Thema haben wir mit Norbert Fuchs, Geschäftsführer der Managementberatung convio Leadership Consulting, im Live.TV-Studio auf der IT-Profits in Berlin, gesprochen, um die Thematik näher zu beleuchten. In der vierteiligen Themenserie erfahren Sie mehr über SaaS, das dahinterliegende Geschäftsmodell und die Vorteile für Kunden und Service-Dienstleister. Herr Fuchs berät seit mehr als 15 Jahren Kunden in dem Bereich der Informations- und Telekommunikationsherausforderungen. Im Fokus stehen dabei Innovationen, beispielsweise bei der Umsetzung neuer Produkt- und Serviceangebote oder bei der Ausgestaltung neuer Geschäftsmodelle.

Im ersten Teil des Fachinterviews zum „SaaS-Dschungel“ geht es um die begriffliche Unterscheidung und Abgrenzung von Cloud Computing, Infrastructure as a Service (IaaS), Plattform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS).

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Cloud Computing definiert skalierbare IT-Leistungen, die nicht auf Anwenderseite bereitgestellt und betrieben werden. Die Bereitstellung und das Betreiben übernimmt stattdessen ein externer Anbieter. Der Zugriff auf die entfernten Systeme erfolgt über ein Netzwerk, z.B. das Internet („Public Cloud“), ein firmeninternes Intranet („Private Cloud“) oder eine Mischung davon („Hybrid Cloud“). Die drei wichtigsten Begriffe, mit denen man die Cloud charakterisieren kann, sind IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as a Service) und SaaS (Software as a Service).

Bei IaaS stellen Anbieter ihren Nutzern Rechen-, Speicher- und Netzwerkinfrastruktur zur Verfügung. Obwohl die Anwender in den meisten Fällen diese selbst verwalten (wie die firmeninterne Infrastruktur), hat das Modell den entscheidenden Vorteil einer enorm hohen Skalierbarkeit der Recheninstanzen. Traditionelle, anwenderseitig betriebene Rechenzentren, auch Data Center genannt, sind meist nicht in der Lage, auf Anforderungsschwankungen flexibel zu reagieren. IaaS hingegen bietet den Anwender die Möglichkeit, auf Belastungsspitzen flexibel und adäquat reagieren zu können, sowie auch im Umkehrschluss nicht genutzte Kapazitäten freizugeben. Dieses Modell ist zugleich für Anwender attraktiv, die keine eigene Infrastruktur vorhalten wollen. Bekanntester IaaS-Anbieter ist wohl Amazon mit Produkten wie EC2 oder S3.

Im PaaS-Umfeld trifft man auf Anbieter, die komplette Plattformen bereitstellen, also vorgefertigte Bausteine aus Hard- und Software. Entwickler können hieraus die gewünschten Anwendungen erstellen (z.B. einen Webshop). Zum Einsatz kommt dieses Modell daher hauptsächlich bei Laufzeitumgebungen oder Anwendungsservern für Entwickler. Zu den bereits bei IaaS beschriebenen Vorteilen der Skalierbarkeit kommt hier die Tatsache hinzu, dass sich die Entwicklerteams nicht mehr um die korrekte Installation ihrer Laufzeitumgebung kümmern müssen. Sie können ihre Zeitressourcen stattdessen ausschließlich in die Entwicklung stecken.

 

Im Rahmen der zunehmenden Internationalisierung und der damit einhergehenden Arbeit in verteilten Entwicklerteams ist ein weiterer Vorteil von PaaS, dass die Projektbeteiligten dort weiterentwickeln können, wo ihre Kollegen auf der anderen Seite des Erdballs die Arbeit gerade beendet haben und in den Feierabend starten. Die effektive Ausnutzung des gesamten 24h-Zeitfensters durch die internationale Nutzung einer einzigen gemeinsamen Plattform ist bei zeitsensiblen Aufgaben ein großer Vorteil für Unternehmen. Bekannte Beispiele für PaaS sind zum Beispiel die Entwicklungsplattform von salesforce.com oder Azure von Microsoft.

SaaS schließlich umfasst Software, die den Anwendern „on demand“ zur Verfügung gestellt wird. Der Anbieter der Software übernimmt dabei nicht nur die Bereitstellung, sondern auch den kompletten Betrieb und die Wartung. Die Anwendungen können sofort genutzt werden. Allerdings besteht mittlerweile auch die Möglichkeit, die Anwendungen zumindest zu Teilen einer persönlichen Anpassung zu unterziehen. Im Gegensatz zu altbekannten Lizenzmodellen gilt auch hier: der Kunde besitzt die Anwendung nicht, er zahlt lediglich für deren Nutzung. Unternehmen fahren mit SaaS-Lösungen nicht nur auf Kostenseite besser. Die Integration neuer Unternehmen, beispielsweise nach einem Unternehmenszukauf, kann schneller und unkomplizierter abgewickelt werden. Auch Auslands-Standorte können auf diese Weise leichter eingebunden werden. Auch die Einbindung von Außendienstlern und Mitarbeitern im Home Office wird enorm vereinfacht. Es ist leichter möglich, mit flexiblen Arbeitsmodellen die Arbeit in einem gemeinsamen lauffähigen System zu realisieren. Egal wo die Mitarbeiter sich befinden: durch einen Login über einen Browser greifen sie mit SaaS von jedem beliebigen PC auf die gleichen Programme zu wie die anderen Kollegen. Der Markt orientiert sich dabei auch schon zukunftsweisend an Anwendungen, die eine Kompatibilität für eine Vielzahl von Endgeräten aus dem Mobilbereich aufweisen. Bekannteste Beispiele für SaaS sind das CRM von salesforce.com oder die Office 365 Produktpalette von Microsoft.

Der „SaaS-Dschungel“ ist insofern ein Sammelsurium nützlicher IT-Entwicklungen, die auf einander aufbauen und so die Flexibilität auf Anwenderseite deutlich erhöhen. IaaS, PaaS und SaaS schlagen nicht nur positiv auf der Kostenseite zu Buche, sie optimieren auch die Arbeitsabläufe in Unternehmen und bieten zudem die Möglichkeit, flexibel auf Anforderungsschwankungen zu reagieren.

In den nächsten Teilen der Themenserie erfahren Sie mehr über die dahinterliegenden Geschäftsmodelle und die Vorteile für die Kunden sowie die der Service-Dienstleister. Am Freitag, 02.03.2012, kommt der 2. Teil mit dem Titel „Der SaaS-Dschungel – Sicherheit, Datenschutz und Disaster Recovery bei SaaS-Anwendungen".

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website der Managementberatung convio Leadership Consulting.

 

ElSchnuppero

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