Wirtschaft

Der “Wohlstand der Nationen” basiert auf bürgerlichen Tugenden und nicht auf geldgierigen Monstern – Interview mit Prof. McCloskey

Die moderne Wirtschaftswissenschaft kann die Welt nicht erklären – Nutzenmaximierung und Homo oeconomicus haben die Ethik vollends aus der Ökonomie verdrängt, obwohl schon der Vater der modernen Wirtschaftslehre, Adam Smith, Professor der Moralphilosophie war und seinem Buch „Wohlstand der Nationen“ die Klugheit und nicht die Gier zu Grunde legte. Laut Deirdre McCloskey, Professorin an der University of Illinois (Chicago) für Ökonomie, Wirtschaftsgeschichte, Anglisitk und Kommunikationswissenschaft, sind die Grundlage des Reichtums der Nationen die bürgerlichen Tugenden. Sie fordert in dem Interview mit der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) eine Rückkehr der Tugenden in die Ökonomie und eine sogenannte „Humanökonomie“, die den „geldgierigen Monstern“ keine theoretische Basis im Sinne einer Absolution mehr erteilt. Ihrer Meinung nach hatte die bisherige Ideologie moderner Business-Schulen desaströse Effekte. (Lesen Sie das Interview auf der Homepage der NZZ in voller Länge.)

Bereits am gestrigen Mittwoch hatte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit einem weiteren renommierten Ökonomen veröffentlicht, Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hatte darin ebenfalls eine deutliche Kapitalismuskritik geäußert: Der Kapitalismus in seiner derzeitigen Ausformung würde nur einem kleinen Teil der Menschen wirklich nützen. „Der Wohlstand wird ungleich verteilt, das meiste geht an die Spitze, an der Basis bleibt wenig.“ Die Volkswirtschaften bräuchten „mehr Transparenz, mehr Einkommensgerechtigkeit und vor allem: mehr Moral“. Das Interview in voller Länge, bei der auch die Schuldenkrise sowie die geopolitische und ökonomische Machtumverteilung hin nach Asien thematisiert wird, ist bislang allerdings nur in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, den 11.04.2012, erschienen.
(mb)

 

ElSchnuppero

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.